Bauernopfer oder Königsmord?
Juli 9, 2009

Wie sich die Bilder doch gleichen: da gab es in der Formel 1 rebellische Rennställe, die sich dem immer enger werdenden Regelkorsett der Mafia rund um Bernie Ecclestone und Max Mosley nicht mehr beugen wollten. Platzhirsche wie Ferrari oder McLaren drohten, aus dem Rennzirkus auszusteigen und ihre eigene Serie zu starten. Dies wurde im letzten Moment vor allem durch den „freiwilligen“ Rücktritt des umstrittenen FIA-Präsidenten verhindert.
Und da gibt es in der deutschen Weinszene 14 aufmüpfige Winzer, die sich gegen eine freiwillige Gebühr von 195,- € zur Beteiligung an den Herstellkosten für den deutschen Gault Millau WeinGuide wehrten und die Verlagsleitung in einem offenen Brief baten, künftig nicht mehr gelistet zu werden. Das war zumindest die offizielle Version, tatsächlich steckte viel mehr dahinter. Die Dreifachfunktion von Armin Diel,
der Chefredakteur, Winzer und VDP-Verbandspräsident zugleich war, war vielen schon länger ein Dorn im Auge. Und auch diese 14 „Rebellen“ waren nicht irgendwelche Weinbauern, sondern so ziemlich die Crème de la Crème der deutschen Winzerschaft. Der führende deutsche Weinführer drohte damit, ohne diese G14 genauso bedeutungslos wie eine Formel 1 ohne Ferrari & McLaren zu werden.
Was ich anfangs (u.a. hier und hier) noch mit einem humorvollen Schmunzeln vorhergesagt habe, ist heute bitterer Ernst geworden. Armin Diel ist als verdienter Chefredakteur und Herausgeber des deutschen Gault Millau Weinführers heute zurückgetreten. Wieder ist der Aufstand gelungen, aber Sieger wird es diesmal keine geben.




Juli 9, 2009 at 12:23
so sehe ich das auch, leider!
Juli 10, 2009 at 11:18
Obwohl ich Eckhard Supps Ansicht über die Unvereinbarkeit beider Positionen Diels teile, ist der Abgang ein Verlust, der sich auch in der Qualität des GM bemerkbar machen wird.
Juli 10, 2009 at 20:36
So nachvollziehbar ich den Brief der 14 fand, so sehr bedaure ich den Ausgang der ganzen Geschichte, von der einfach niemand einen Nutzen hat.
Juli 10, 2009 at 23:21
Ich fand den Brief überhaupt nicht nachvollziehbar, man (= die G14) hätte das Kind beim Namen nennen können, und das schon vor vielen Jahren, und nicht auf eine solche Lappalie warten sollen. Das war feig.