Punktewahnsinn (10)
November 19, 2009
Seit Mittwoch ist die neue Ausgabe des führenden deutschen Weinführers Gault Millau nun auch offiziell im Handel, nachdem sein vereinzeltes Erscheinen letzte Woche einiges an Irritationen ausgelöst hat. Als bester deutscher Riesling wird dort das ‘Kirchenstück’ von Bürklin-Wolf geführt, der mit 96 Punkten am Prädikat Weltklasse kratzt. Auch einige geschätzte Weinfreunde sahen diesen Wein an der Jahrgangsspitze. Erstaunlicherweise erhält der gleiche Wein im zweitwichtigsten Weinführer des Landes gerademal 89 Punkte, genauso viel oder wenig wie beim führenden Online-Portal wein-plus, der Feinschmecker meint zu Bürklin-Wolf gar „mehr als durchschnittliche Qualitäten bieten die 2008er Weine nicht“. Ich selbst sah Bürklin-Wolfs ‘Kirchenstück’ in diesem Jahr bei 91+, und damit schwächer als im Vorjahr vor allem aufgrund der heuer zu deutlich wahrnehmbaren Restsüße.
Wer hat nun recht oder unrecht?
Weinköniginnen-Stadl
Oktober 10, 2009
Deutschland feiert seine Weinkönigin. Ganz Deutschland? Eher meinte man, die diesjährige Wahl der Deutschen Weinkönigin gleiche einer Festveranstaltung
für ein Ausflugstreffen mehrerer Altersheime aus nah und fern, das Finale präsentierte sich mehr als nostalgisch im Stile der 70er mit längst vergessenen Showgrößen wie Tony Amarillo Christie und den Les Humphries Singers. Oder war gar der smarte Moderator Jens Hübchen als potentieller Schwiegersohn der zunehmend tobenden Fangemeinde der eigentliche Star der Sendung? Hansi Hinterseer oder Florian Silbereisen hätten’s kaum besser machen können, sodass künftig Stefan Raab das Konzept zu „Germany’s next Winequeen“ doch nicht weiterentwickeln wird. Schade eigentlich.
Zeitlose Wollust
Juni 27, 2009
Man kann natürlich Weine beurteilen, ohne sie zu kennen. Und sie technisch-analytisch mit beliebigen anderen Weinen vergleichen oder an einem wie auch immer definierten Idealwein messen. Man kann das Ganze auch anders angehen, wie ich es bei einer Art Leistungsschau einiger Spitzenrieslinge aus Deutschland und Österreich aus dem umstrittenen Jahrgang 2003 versucht habe. Bei unserem Event „2003er Rieslinge auf dem Prüfstand“ ging es mir gar nicht um den Vergleich, wer letztendlich der beste ist, sondern wer es unter extrem schwierigen Voraussetzungen schafft, dennoch authentische, jahrgangs- und herkunftstypische Weine mit Trinkspaß zu erzeugen. Ohne die in allen Fällen unzweifelhaft große Herkunft und den heißen Jahrgang 2003 zu verleugnen.
Blaufränkisch made in Germany
Februar 8, 2009
Blaufränkisch vs Lemberger, reizvoll und doch langweilig zugleich, noch immer gingen die Burgenländer bei solchen Vergleichen
als Sieger hervor, auch ohne „AuWi„-Doping. Auch deshalb war ich gegen eine weitere Auflage einer solchen Blindprobe eines befreundeten Weinhändlers, vielmehr interessierte mich der eine oder andere ausgewählte Vertreter aus Deutschland im kritischen und nachhaltigen Vergleich mit einem Referenzwein aus Österreich. Letztendlich verkosteten wir aus Baden eine Vertikale (05, 06, 07) des ‘Lemberger’ von Zalwander und den ‘Thymos’ von Alexander Laible aus Baden, aus Burgenland den burgundischen ‘Neckenmarkter’ von Moric und den bordeauxhaften ‘Oberer Wald’ von ET, jeweils aus 2006.
Weingenuss bei T.O.M ®
Oktober 15, 2008
Nachdem ich die letzten Male pausiert habe, gibt Theo Huesmann als Ausrichter der heutigen Etappe der Weinrallye diesmal ein Thema vor, das mir sehr am
Herzen liegt, nämlich „Weingenuss im Restaurant„. Gerade als Freund guten Essens begleitet von mindestens ebensogutem Wein, ohne sich gleich verschulden zu müssen, stoße ich in der hiesigen Gastronomie oftmals auf Unverständnis, Aufschläge von mehreren 100% auf die Einkaufspreise gehören zur Realität. Selbstverständlich lässt sich alles argumentieren, aber nicht mit mir, ich heb’ mir meine Restaurantbesuche lieber für Reisen nach Südeuropa oder sogar in die USA auf, wo die Weinpreise selten das Doppelte der Ab-Hof-Preise übersteigen. Aber auch in Mitteleuropa findet man positive Ausnahmen zu den sonstigen Usancen, und noch viel mehr.
Die Zukunft des Silvaners
August 3, 2008
Deutschland ist Weißweinland und Weißwein ist gleich Riesling. Lokale Spezialitäten wie Gutedel in Südbaden, Elbling an der oberen Mosel oder Goldriesling an der Elbe ergeben im Idealfall ehrliche Weine, wie auch die (weißen und grauen) Burgunder am Kaiserstuhl oder der südlichen Pfalz selten internationale Reputation erlangen. Auch der typische Frankenwein war einst ein erdiger Müller-Thurgau oder Silvaner, der noch dazu anders als im restlichen Deutschland fränkisch-trocken ohne das so populäre Zuckerschwänzchen ausgebaut und oft in eigene Flaschenformate abgefüllt wurde. Im Laufe der Zeit mussten auch dort große Flächen dem Riesling weichen, mit dem man scheinbar eher reüssieren konnte. Und auch die vermeintlich besten Silvaner wurden immer cleaner, konzentrierter und fruchtbetonter, um im Konzert der großen Weißweine Deutschlands mitspielen zu können. Eine Fehlentwicklung?
Blaufränkisch – eine große Rebsorte
Juni 11, 2008
Als vor ca. 5 Jahren Roland Velich mir gegenüber selbstbewusst von Blaufränkisch als große Rebsorte sprach, schob ich das noch einem übertriebenen Patriotismus zu, ähnlich dem der alpenländischen Hoffnungen auf einen Erfolg bei der gerade stattfindenden EM. Seine Moric-Weine freilich überzeugten mich von Beginn an, vielleicht mit Ausnahme des schwierigen Jahrgangs 2005. Ähnlich argumentierte kein Geringerer als Dirk van der Niepoort, der vor knapp 2 Jahren Blaufränkisch mit Pinot Noir verglich, und ich danach die Leichtigkeit des Blaufränkisch’ entdeckte. Diese Stilistik fand in den letzten Jahren immer mehr Nachahmer und seinen vorläufigen Höhepunkt in einer gemeinsamen Präsentation herkunftsbezogener Weine vor knapp zwei Wochen in der Wiener Hofburg: 17 Weingüter stellten 17 verschiedene Blaufränkisch-Lagen vor, wobei jeweils Fassproben aus 2007 gezeigt wurden.
Frühlingsweine (2) – in ihrem Herbst
Mai 3, 2008
Nach dieser vielversprechenden Eröffnung der „Duftoper“ mit größtenteils recht individuellen Vertretern gegen den Zeitgeschmack ging es nach der Pause mit einigen gereiften Sauvignons weiter. Wird Sauvignon blanc allgemein eher geringes Reifepotenzial zugestanden, sollte diese Probe das Gegenteil beweisen, nachdem ich schon in der Vergangenheit hervorragende Erfahrungen mit Weinen aus den frühen 90ern von Sepp Musters erster Schaffensperiode oder auch von dem Doyen im Sausal, Franz Hirschmugl, machen konnte.
Frühlingsweine (1) – Charakter statt Kommerz
April 26, 2008
Wenn es draussen endlich wärmer wird und nach frischem Gras und Kräutern duftet, die Gartensaison eröffnet wird, dann beginnt auch die Saison für Sauvignon-blanc. Festlich eingeläutet wurde sie dieses Jahr mit einer wahren „opera profumata“ in mehreren Sätzen. Wir wollten herausfinden, ob eine immer populärer werdende Aromasorte fähig ist, gut reifende und seriöse Terroirweine zu ergeben. Gleich mehrere gereifte Darsteller aus der Heimat wurden dafür engagiert.
Label Watching in SF
März 13, 2008
Was macht man in in einer Weinhandlung in San Francisco, nachdem
man die vorher bestellten Flaschen (ausnahmsweise kein Zin, sondern West Coast Riesling!) abgeholt hat und bis zum zufällig am gleichen Nachmittag stattfindenden Tasting mit Gianluca Grasso noch Zeit bleibt? (Der Laden liegt in SOMA, zumindest nachmittags alles andere als eine belebte Gegend.) Man goutiert das Angebot. Und findet neben alten Bekannten typisch amerikanische Trouvaillen.




