Etikettenschwindel auf Spanisch (2)

Februar 21, 2006

Bodega AmpelosEs geht auch anders, manchmal verbirgt sich die Kunst hinter den Etiketten. Derartiges Understatement leistet sich die relativ junge Bodegas Ampelos, im Hinterland von Valencia in the middle of nowhere (D.O. Almansa) gelegen. Kein Wunder, die Besitzer (Max Egolf und Martina Pfister) sind auch keine Spanier, sondern Schweizer, die keine spanischen Weine mögen. Also erzeugen sie unter Mithilfe des bekannten Tessiner Merlotstars Christian Zündel französische Weine, die nach Spanien schmecken. Alles klar?

Das ganze geschieht übrigens sehr vorbildhaft, d.h. ökologische Bewirtschaftung, keine künstliche Bewässerung, bedachter Lesezeitpunkt ohne Überreife zu forcieren, anschließende Weinbereitung mit Spontanhefen mit langer Mazeration und schonender Ausbau im großen Holzfass (3.000 und 10.000 l), keine oder kaum Schönung und Filtration. Abgefüllt wird in Burgunderflaschen mit vergleichsweise biederen Etiketten, kein Wunder also, dass hierzulande kaum jemand diese Weine kennt.

Zu den Weinen, es gibt derer zwei, beide aus 2002: den mehrheitsfähigeren ‚Camino del Angel‘ (CS/M) und den etwas verschlosseneren ‚Tierras del Mediodia‘ (GSM). Also einmal klassisch Bordeaux, einmal klassisch Südfrankreich. Stilistisch sind beide Weine sehr ähnlich und überzeugen wie so oft bei jungen Stöcken (1998 gepflanzt!) mit präziser Sortentypizität, kristalliner Mineralität, Mut zum Tannin und Trinkspaß auf hohem Niveau. Punktemäßig sehe ich beide im Bereich von 88, 89 Punkten.

Beim ‚Camino del Angel’ vereinen sich Cassis und Brombeeren mit minziger Würze, beinahe ein ganzer Nadelwald wird inhaliert, der den Gaumen kitzelt, gleichzeitig wird dieser mit viel Schmelz austapeziert, deutliches aber hochwertiges Tannin deuten sowohl erste Trinkreife als auch weiteres Potenzial an. Sehr lang.

Der ‚Tierras del Mediodia’ gibt erst langsam sein charmantes, rotfruchtiges Aromenspektrum der Grenache und die dunkelfruchtige Rustikalität der Mourvèdre frei. Dazu gesellen sich würzige Noten mit einem ganz leichten Anflug von Speck der Syrah, nur woher kommt der Vanilleton beim Einsatz des großen Fuders? Insgesamt sehr edel, am Gaumen hervorragend strukturiert mit deutlichen Tanninen, weicher und wärmer als der Vorgänger mit mehr Potenzial.

Und jetzt kommen doch wieder die Etiketten ins Spiel, deren Farbgebung Aufschluss über den Wein geben soll. Den kühleren Bordeaux-Blend schmückt ein verwaschenes Blau, die molligere GSM-Cuvée ein sonniges Gelb. Cool!

One Response to “Etikettenschwindel auf Spanisch (2)”

  1. Rita Roux Says:

    Wir sind Schweizer und leben seit 8 Jahren an der Costa Blanca. Wir interessieren uns für Ihren Wein. Gibt es eine Website ?
    Kann man die Bodega besuchen?


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