Wein statt Dope

Februar 26, 2006

Nun ist es also amtlich: die Großmacht Österreich belegt hinter Sportzwergen wie Deutschland und USA nur den dritten Platz der gerade zu Ende gehenden olympischen Spiele in Turin. Was für eine Schmach für ein Land, von dem ich als Weinfreund ganz andere Platzierungen gewohnt bin.

Schon beinahe Aschau Siegerweine süß 0602legendären Ruf besitzen die alljährlich stattfindenden „AuWi“-Proben im bayerischen Aschau. Ob diese nach ihrem outcome – Austria Wins – oder Organisator August F. Winkler benannt wurden, läßt sich nachträglich nicht mehr klären. So gingen erst letzte Woche beim Vergleich der besten Süßweine der Welt die Plätze 1 bis 5 an Österreich, während ein Jahr zuvor beim Rencontre der weltbesten Roten aus 2000 ein Fauxpas passierte und irrtümlich ein französisches Gewächs mit freilich heimisch klingendem Namen Aschau Top Ten rot 0502(‚Ch. Palmer‘) vor Weningers ‚Dürrau‘ und John Nittnaus‘ ‚Comondor‘ auf Platz 1 landete. Ein ähnlicher 2000er-Vergleich einen Monat später der besten Golser Gewächse mit ausgewählten Bordeaux mit unaussprechlichen Namen bereinigte diesen Schönheitsfehler und sah trotz meiner eher bordeauxlastigen ratings zwei Österreicher in Front, Heinrichs ‚Salzberg‘ siegte vor Nittnaus‘ ‚Comondor‘. Wiederum nur ein Jahr zuvor war es besonders extrem beim Vergleich der weltbesten Sauvignon blancs, als nicht nur die Steirer (Jurtschitsch‘ ‚Fahnberg‘ führte die Phalanx vor 7 Steirern an) die Plätze 1 -4 belegten, sondern Österreich gleich 8 Weine in die Top 10 brachte.

Ähnliche Beispiele gibt es auch aus den 90ern, ich erinnere mich nur an einen Vergleich „Chardonnay vs Grüner Veltliner“, der klar vom scheinbaren Underdog dominiert wurde (Knolls ‚Vinothekfüllung‘ vor Bründlmayers 97er ‚Ried Lamm‘) oder 2 Jahre zuvor an eine internationale Chardonnayverkostung, die gar der als Pirat eingeschleuste Grüne Veltliner ‚Ried Lamm‘ 1995 von Willi Bründlmayer für sich entschied.

Vielleicht waren diese selbstverständlich immer fairen Wettstreite auch einfach nur professioneller aufgezogen als die „gioci dilletanti“ in Turin. Zumindest die Sache mit dem Doping funktionierte besser und vor allem diskret, egal ob bei Weinen oder Juroren. Der ÖSV jedenfalls sollte sich ein Beispiel an der ÖWM nehmen und ganz offiziell darüber nachdenken, ihren in die Schusslinie geratenen Präsidenten und Allesvermarkter Peter Schröcksnadel durch den scheidenden ÖWM-Geschäftsführer Michael Thurner zu ersetzen. Und außerdem plädiere ich dafür, dass Weinverkostungen ab sofort olympisch werden, beginnend mit den Disziplinen Grüner Veltliner und Blaufränkisch.

2 Responses to “Wein statt Dope”


  1. […] Fast könnte man professionelle Weinverkoster mit Punkte- oder Kampfrichtern beim Eiskunstlauf, Tanzen, Boxen oder gar bei Misswahlen vergleichen. Wobei man fairerweise sagen muss, dass voyeuristische Fleischbeschau doch nicht allzu viel mit treffsicherem Weinspucken gemeinsam hat. Eindeutige Sieger gibt es selten, hier wie dort werden “Kärtchen gezückt”, um seinen Favoriten, sei es aufgrund patriotischer Verbundenheit, besonderer Sympathie oder als Gegenleistung für eine kleine Zuwendung richtig in Szene zu setzen, selbstverständlich immer unter Wahrung der notwendigen Neutralität. (Über die legendären “AuWi”-Proben wurde hier schon berichtet.) Vorherige Absprachen beim Sport entsprechen nachträglichen Korrekturen beim Wein, man will sich ja nicht über Gebühr rechtfertigen müssen. […]


  2. […] noch immer gingen die Burgenländer bei solchen Vergleichen als Sieger hervor, auch ohne “AuWi-Doping“. Auch deshalb war ich gegen eine weitere Auflage einer solchen Blindprobe […]


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