Doppelt und dreifach hält (nicht) besser

März 23, 2006

„Neue Besen kehren gut“, das wird zumindest behauptet, wenn ein erfolgloser Trainer seinen Hut nehmen und Platz für seinen Nachfolger machen darf. „Trainereffekt“ nennt man dieses Phänomen im Fußball, das zumindest kurzfristig schon einige Vereine aus der Krise geholt hat. Jüngste Beispiele dafür sind der Club und Hannover 96, die seit der Übernahme durch die Trainerlegenden Hans Meier bzw. Peter Neururer im Spätherbst zum tabellarischen Höhenflug angesetzt haben.

Dies wissend und genau abwägend, wollten es die Verantwortlichen beim FC besonders schlau machen, als sie neben Trainer Uwe Rappolder auch gleich ihren Manager Andreas Rettig mit vor die Tür setzten, um beide zu Beginn der Rückrunde durch Hanspeter Latour und Michael Meier im Doppelpack zu ersetzen. Ihr Anspruch, möglichst bald als erster Absteiger festzustehen, konnte bisher eindrucksvoll untermauert werden, dem visionären Manager Michael Meier schwebt gar ein Durchmarsch von der 2. Liga zur Deutschen Meisterschaft vor, wie ihn der 1. FCK in den 90ern einmal geschafft hat.

Dabei hätten man es ja wissen können in Köln, wenn man nach Wolfsburg geschaut und deren ungebremsten Sturzflug von Platz 1 (!) in die Tiefen der Abstiegsregion verfolgt hätte. Diese Meisterleistung gelang freilich nur dank des genialen Schachzugs eines doppelten Doppelwechsels. So wurde erst das erfolgreiche Gespann Peter Pander und Eric Gerets durch Trap- und Effenberg-Intimus Thomas Strunz und Holger Fach ersetzt, die nach einem kurzen Gastspiel für den zwar kämpferischen aber chronisch erfolglosen Klaus Augenthaler ihre Stühle räumen durften. Immerhin haben die wirtschaftlich denkenden VW-Manager mit klarem Kurs auf Liga 2 keinen neuen Manager mehr installiert.

Apropos 2. Liga, da wird’s noch besser, wenn man sich die jüngste Geschichte von Münchens Traditionsverein 1860 näher ansieht. Das überoptimistisch in die Saison gestartete Duo Roland Kneißl und Reiner Maurer wurde zu Beginn der Rückserie überraschend durch die Newcomer Stefan Reuter und Walter Schachner ersetzt. Das Saisonziel hieß fortan nicht mehr Wiederaufstieg, sondern Wiederabstieg. Diese nicht ganz professionelle Vorgehensweise hat nach einer Serie siegloser Spiele nun auch der Präsident erkannt, der genauso wie sein Vize das Handtuch warf, immerhin noch rechtzeitig vor dem 1. Sieg in der Rückrunde, und den hochverschuldeten Verein damit führungslos Richtung Regionalliga driften lässt. Auch der letzte Präsidentenwechsel (Karl Auer statt Karl-Heinz Wildmoser) vor knapp 2 Jahren führte prompt zum Abstieg.

Wenigstens beim DFB hat man die Zeichen der Zeit erkannt und mit Gerhard Mayer-Vorfelder und Theo Zwanziger vorsorglich gleich zwei Präsidenten installiert. Auch der Vertrag von Teammanager Oliver Bierhoff wurde sicherheitshalber verlängert, um einen erneuten Doppelwechsel zuvorzukommen. Es reicht ja vollkommen, wenn Matthias Sammer Jürgen Klinsmann nach der WM, also nach der Niederlage im Achtelfinale, beerbt. Davor wird das nämlich nichts mehr nach der gestrigen Glanzleistung gegen die Fußball-Weltmacht USA.

One Response to “Doppelt und dreifach hält (nicht) besser”


  1. […] Dass Trainerwechsel nicht immer zum Erfolg führen, wurde hier schon ausgeführt. In der Hinrunde der diesjährigen Bundesliga-Saison schien man sich das zu Herzen genommen haben, […]


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

  • @pivu on twitter

  • %d Bloggern gefällt das: