ProWein 2006 – vorher und nachher

März 28, 2006

Wie übersteht man einen intensiven Tag auf der ProWein, immerhin die größte Weinfachmesse der Welt? Die Profis wissen es schon lange: dunkles Hemd anziehen (wegen der roten Flecken), Zahnbürste für zwischendurch einpacken (wegen der schwarzen Flecken), spucken statt schlucken und, falls man letzteres vergessen hat, „Rauschdisziplin“! Diese Wortschöpfung stammt von einem der vielen guten burgenländischen Winzer, der hier ungenannt bleibt.

Apropos Burgenland, ich konzentrierte mich weitestgehend auf Österreich Rot und Douroweine aus Portugal. Meine bisherige Einschätzung, dass 2004 bei den besten Winzern im Burgenland ein hervorragender Jahrgang ist, wird eindrucksvoll bestätigt. Ich stelle ihn über den hochgejubelten Vorgänger. 2005 hingegen wird nach den ersten Fassproben nicht diese Qualitäten und eher fruchtbetonte, charmante Weine liefern. Ganz kurz meine Highlights: von Roland Velich eine Fassprobe vom 04er ‚MORIC Neckenmarkt – Alte Reben‘ (aus gleichem Jahr gibt es leider keinen Bruder aus Lutzmannsburg, die Traubenqualität war zwar einzigartig, dann kam der Nebel …), der 02er ‚MORIC Lutzmannsburg – Alte Reben‘ (Roland hatte alle bisher produzierten großen MORIC dabei), alle 04er Blaufränkischen von Uwe Schiefer vom ‚Eisenberg‘ über den ‚Szapary‘ bis zu einer Fassprobe vom ‚Reihburg‘, für mich die feinsten Rotweine aus ganz Österreich, und eine Fassprobe vom 04er ‚Perwolff‘ von Reinhold Krutzler. Im mittelpreisigen Segment überraschte mich der Blaufränkisch ‚Edelgrund‘ von Paul Achs. Fast schon eine Provokation im positiven Sinne stellt der 04er ‚Pannobile‘ von Claus Preisinger dar, der diesmal ein reinsortiger Zweigelt (!) ist.

Mein weißes Highlight aus Österreich waren diesmal die beiden Veltliner Smaragde ‚Kollmütz‘ und ‚Hochrain‘ von Rudi Picher aus der Wachau. Dem ganz frisch vom Deutschen WeinGourmet zum „Newcomer des Jahres“ Gekürten sind 2005 grandiose, ausdrucksstarke Veltliner gelungen. Messerscharf und glasklar waren seine Weine ja schon immer, heuer bieten sie bereits in ihrem jugendlichen Stadium extraktbedingt beeindruckende Fülle.

Szenenwechsel, von der Donau zum Douro. Sehr gut gefiel mir die komplette Serie der auskunftsfreudigen Sofia Bergquist von Quinta de la Rosa. Getoppt wird sie vom Boutiquewein ‚Poeira‘ ihres Mitarbeiters und Niepoort-Schülers Jorge Moreira. Der 04er ist zwar momentan in einer reduktiven Phase, aber laut Jorge sein bester Wein bisher. Und das Potenzial dieses Mini-Weinguts ist noch lange nicht ausgereizt. Ausklingen ließ ich den Nachmittag mit den gut aufgelegten „Douro Boys“ (und zwei Girls) von der Quinta do Crasto (Roquette-Brüder, Susana Esteban), Niepoort Vinhos (Dirk Niepoort), Quinta do Vale Dona Maria (Cristiano van Zeller und Sandra Tavares), Quinta Do Vallado und Quinta do Vale Meão (Ferreira-Clan). Wann hat man schon die Chance, sowohl deren Einstiegs- und Topweine, die in den meisten Fällen aus uralten Reben von bis zu 30 Sorten bestehen, im Vergleich und kommentiert zu verkosten? Aber welcher ist der beste? Vielleicht gar der quasi als Pirat verkostete ‚Pesus‘ von Sastre? Ich weiß es nicht. Aber ich werde es in einem knappen Monat in Wien im grenzüberschreitenden Vergleich mit großen Duero-Weinen nachprüfen. Und selbstverständlich die eingangs angeführten Tipps beherzigen.

2 Responses to “ProWein 2006 – vorher und nachher”

  1. pivu Says:

    @„Rauschdisziplin“: diese hat dieser von Herrn Landwein verfolgte Gentleman wohl vermissen lassen.

  2. björn Says:

    prowein rockt, wenn ich auch die atmosphäre in den düsseldorfer messehallen äußert deprimierend empfinde. hat so ein 70er sozialistenbau flair😉

    cheers.


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