Douro & Duero (2)

Mai 3, 2006

Auf vielfachem Wunsch folgt hier also der 2. Teil meiner Reflektionen des Wiener Douro & Duero-Tastings. Der Gelbe Salon im noblen Palais Coburg bot hierfür einen mehr als würdigen Rahmen, sogar die mit dezent rotbepunkteter Seide überzogenen Stühle wiesen ein fleckenfreundliches Muster auf.

Gelber Salon
Los ging es mit einem Feuerwerk voller roter, blauer und schwarzer Frucht, einem reinrassigen Ribera-Flight, wobei bis auf eine Ausnahme alle Weine aus dem aktuellen Jahrgang 2003 stammten. Auf den zwar beeindruckenden, aber doch etwas zu extrahierten und à la longue anstrengenden ‚Torresilo‘ (90) folgte als zweiter Wein mit dem ‚Aalto PS‘ (96) gleich der erste Paukenschlag: ein unglaublich feiner und eleganter Wein aus dem großen Jahr 2001, ein Bilderbuch-Ribera par excellence, der bis zuletzt den Maßstab darstellen sollte. Enormen Trinkspaß auf hohem Niveau verspricht Peter Sissecks im Vergleich zum berühmten Erstwein sofort präsenter ‚Flor de Pingus‘ (90). Mehr Geduld, die aber mit ungeheurer Vielschichtigkeit und der Entdeckung immer neuer Facetten belohnt wird, benötigt der feingliedrige ‚Matallana‘ (93), der mich in seinem kompromisslosen Auftreten an anfangs ebenso verschlossene Wachauer Smaragde von Rudi Pichler oder Toni Bodenstein erinnert.

Weiter flussabwärts folgten 4 Weine aus 3 Regionen (Tudela del Duero, Toro und Douro Superior), 2 Ländern und 2 Jahrgängen (3 03er, 1 02er). Der ‚Viñas Viejas‘ (90) von Leda ist mir zu mainstreamig und bietet dafür zuwenig Abwechslung und Trinkspaß. Viel besser zurecht kam ich mit dem ‚El Palo‘ (93) von Bienvenida, ein wahrer „El Tor(r)o“, kraftstrotzend und sehnig zugleich, vielleicht auch aufgrund seiner italienisch anmutenden Nase. Der um ein Jahr ältere ‚San Roman‘ (88) von Mauro wiederum schafft Assoziationen an barbarische römische Gladiatoren, und zwar von der schwergewichtigen Sorte. Kein Wein für mich. Dafür gefiel mir der nächste Wein, wieder ein Zweitwein, der ‚Meandro‘ (91) der Quinta do Vale Meão aus dem Douro Superior, außerordentlich gut. Wiederum ein exzellentes Beispiel eines zwar modernen, aber seriösen und authentischen Weines, dem es an nichts fehlt.

Den Abschluss bildeten 4 weitere Weine aus 2003 der „Douro-Boys“ aus dem Cima Corgo. Der bescheiden klingende ‚Douro Tinto‘ (90) der Quinta do Vale Dona Maria war vielleicht der heißeste Portugiese mit deutlichen Teer- und Röstaromen an diesem Nachmittag. Die ‚Reserva‘ (89) der wunderschön gelegenen Quinta do Crasto könnte mit ihrer expressiven Primärfrucht auch als Spanier durchgehen, wären da nicht die so typischen teerigen und erdigen Aromen. (Crasto, berühmt auch wegen seines einzigartigen Swimmingpools, bietet in der Spitze als einer der wenigen Betriebe am Douro Single-Varietal-Weine an.) Der vielleicht interessantesete und insgesamt auch eigenständigste Wein war der ‚Batuta‘ (93) von Niepoort, der in seiner unendlichen Aromenvielfalt an einen Spaziergang im Wald nach einem Regenschauer erinnert. Ein selbstbewußter Wein auf höchstem Niveau, der bewußt und voller Überzeugung seine Qualitäten ausspielt und niemanden nachahmen will. Dass Attribute wie verspielt oder sexy nicht gleichbedeutend mit langweilig oder vordergründig sein müssen, bewies der letzte Wein, die ‚Reserva‘ (90) der Quinta do Vallado, ein trotzdem typischer Dourowein, der viel Spaß macht.

Wenn ich drei Weine auf die Insel mitnehmen dürfte, wären dies der ‚Aalto PS‘, der ‚Matallana‘ und der ‚Batuta‘, nicht nur aus Höflichkeit den 3 Gastgebern gegenüber. Als idealtypische Vertreter für den Einstieg diesseits und jenseits der Grenze würde ich den ‚Flor de Pingus‘ und den ‚Meandro‘ wählen, nicht zufällig sind beide Zweitweine ebenso rarer wie prestigebehafteter Gewächse. Ausführlichere Tasting-Notes können hier abgerufen werden.

Bildquellen: © Herbert Lehmann, Wien, Austria; Belmaati.com

One Response to “Douro & Duero (2)”


  1. […] Heute ist der II. Teil des Berichts von ‚pivu‘ über die Verkostung der Douro-und Dueroweine in Wien erschienen. Vielen Dank.
    Sein Resümee: „Wenn ich drei Weine auf die Insel mitnehmen dürfte […]


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