ÖGW on tour – Highlights in Weiß

Mai 16, 2006

Zum 2. Mal in Serie begaben sich viele der Topwinzer aus Österreich auf Reisen und präsentierten letzte Woche „Österreichs Große Weine“ in München und Frankfurt. Nicht alle waren da, im Weißweinbereich glänzten vor allem die bekanntesten Wachauer durch Abwesenheit. Das war aus zwei Gründen nicht weiter schlimm, denn, soweit bisher verkostet, zeigte sich gerade bei den 3 Granden der neue Jahrgang noch wenig zugänglich, die Weine brauchen Zeit. Und außerdem gibt es im benachbarten Kremstal mittlerweile hervorragende Alternativen.

So stellen das Hobbyweingut Schlamberger, eine Boutique-winery oberhalb von Krems mit gerademal 2 ha, und das unter der Regie von Fritz Miesbauer zum unaufhaltsamen Höhenflug durchgestartete Weingut der Stadt Krems mit 31 ha einen wunderbaren Gegensatz dar. Und demnächst wird die Führungsriege von letzterem um einen weiteren Key-Player aus gemeinsamer FWW-Zeit erweitert. Beide Betriebe überzeugen mit sehr präzisen Weinen ohne einen einzigen Ausfall und einem manchmal sensationellen PLV. Besonders zu erwähnen ist der Grüne Veltliner ‚Wachtberg‘ der Stadt Krems mit 2-tägiger Standzeit (10,50!) aus einem der ältesten Weinberge oder die 3-stufige Veltliner-Serie mit dem geschützten Label ‚Wachau Grü‘, ‚Premier Grü‘ und ‚Grand Grü‘, teilweise aus Wachauer (Loiben / Dürnstein), teilweise aus Kremser Rieden des Nebenerwerbswinzers. Aber auch ein Chardonnay im Chablis-Stil oder ein unkomplizierter Wachauer Riesling zu geradezu lächerlichen Preisen unter 6,- müssen sich keinesfalls verstecken. Eine Klasse für sich stellt Franz Proidl, quasi Österreichs Antwort auf Deutschlands Meister des Terroirs Reinhard Löwenstein, mit einer gnadenlos guten Riesling-Serie dar. Da ist zum einen der sehr feine, hochmineralische und beinahe intellektuelle ‚Ehrenfels‘, der freilich viel Zeit braucht, oder der zugängliche, klassische ‚Pfenningberg‘ mit den so typischen, sofort präsenten Marillen-Pfirsich-Aromen, oder der stoffige, etwas erdiger und rauchiger wirkende ‚Hochäcker‘, der mit seiner Mineralik und Komplexität keinerlei Hinweise auf einen halbtrockenen, evtl. sogar lieblichen (!) Riesling liefert. Ein Unikat und echter Liebhaber-Wein.

Interessant und immer wieder beobachtenswert scheint mir weiter östlich der Vergleich des Kamptaler Aushängeschilds, dem Weingut Bründlmayer, mit seinem „Ziehsohn“, dem Schloss Gobelsburg unter der Regie von Michi Moosbrugger zu sein. Letzteres hat zumindest für mich sein Vorbild überholt und überzeugt mit unglaublich harmonischen, trinkfreudigen und seriösen Weinen, beginnend beim einfacheren Veltliner aus der Lage ‚Renner‘ über den floralen, sehr lange auf der Vollhefe ausgebauten ‚Tradition‘ bis zum Riesling ‚Alte Reben‘ an der Spitze.

Große Probleme habe ich weiterhin mit der Weinviertler DAC-Initiative, die einen umkomplizierten, trinkfreudigen Veltliner im Preissegment zwischen 5,- und 8,- € zum Ziel hat. Als ob im binogridscho-verseuchten ALDI-Deutschland jemand darauf gewartet hat. Bezeichnend für mich, dass auch im Weinviertel die spannendsten Veltliner ohne das DAC-Label auskommen. So gefiel mir vom sympathischen Weingut Schwarzböck schon der einfache ‚Vier Gärten‘ deutlich besser als der ziemlich beliebige und um 20% teurere DAC. Aber die aufwändige Marketing-Kampagne muss ja irgendwie finanziert werden.

Noch ein Wort zu den Steirern, die fast komplett angetreten waren, offensichtlich herrscht im Ausland für deren nicht immer günstige Weine keine so euphorische Nachfrage wie bei patriotischen Weinfreunden und der heimischen Gastronomie. Hier gefielen mir die Sausaler Sauvignons von Hannes Harkamp deutlich besser als die gehypten, aber ziemlich braven und beinahe sterilen PolzTementGross-Produkte. Apropos „brav“: unangefochten an der Spitze steht für mich Sepp Muster mit seinen hochmineralischen Weinen, die freilich keine Prüfnummer mehr erhalten. Er ist wahrscheinlich auch derjenige Winzer in Österreich, der den einzigartigen Jahrgang 2003 am allerbesten gemeistert hat. Sowohl Sauvignon blanc als auch der Morillon aus der Lage ‚Graf‚ sind unglaublich vielschichtig und trinkanimierend, und das trotz 15% Alc! Darüber thront noch der ‚Sgaminegg‘, 2003 erstmals eine Cuvée aus Morillon und Sauvignon-Blanc mit Wahnsinnspotenzial. Aber auch die einfacheren Weine, wie der nach dem dortigen Boden benannte ‚Opok‘, eine lokale Sortencuvée, die davor schlicht den Namen der Hausnummer trug (‚Schlossberg 38‘), oder der Sauvignon Blanc ‚Schlossberg‘, der ähnlich bepreiste Weine der Steirischen Klassik endgültig karikiert, aus den letzten beiden Jahren wussten zu überzeugen, zumal Sepp Muster immer stilsicherer zu werden scheint. Ich werde den Weg über die nächsten Jahre weiterverfolgen können, auch weil mir der Winzer danach meine bestellten Weine höchstpersönlich in den Keller gestellt hat.

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