Höllentrip

August 6, 2006

Frankfurt – San Colombano (Val Trompia) – San Pelagio (Carso) – Schlossberg (Südsteiermark) – Wien & Umgebung – Frankfurt, ca. 2.500 km in weniger als einer Woche, das klingt auf dem 1. Blick nach Stress.

Trip 06

Das muss es aber nicht sein, wenn man vom nachmittäglichen Berufsverkehr auf der Mailänder Tangenziale – ja, es gibt tatsächlich Italiener, die arbeiten -, dem Stop & Go im strömenden Regen auf der A4 zwischen Venedig und Triest, oder dem lästigen Kramen nach Kleingeld an einem der unzähligen Pay-Stops vor allem in Slowenien absieht. Auf der Habenseite bleibt ein Sprung ins erfrischende Nass an bekannten Badeplätzen am Luganer See und an der malerischen Steilküste vor Triest, oder die grandiose Aussicht am Gotthardpass oder auf die Weinberge links und rechts der Autostrada im Soave-Land und im slowenischen Teil der Steiermark. Und außerdem gab es ja durchwegs lohnende Etappenziele.

Los ging’s mit dem Aufpicken von Tochter C. incl. Stopover bei Freunden in den Bergen nördlich von Brescia. Heimische kulinarische Spezialitäten wie würzige Salume vom Kamin oder Käse direkt vom Bauern auf 1.000 Meter Seehöhe fanden im spontan organisierten 01er ‚Grumello‘ auf Nebbiolo-Basis von Nino Negri aus dem benachbarten Valtellina einen kongenialen Begleiter. Als nächstes folgte ein Treffen mit Benjamin Zidarich und seiner charmanten Frau, die Besichtigung seines „Projekts“, den ambitionierten und architektonisch anspruchsvollen Kellerneubau in Form einer Grotte mit unvergleichlicher Aussicht aufs Meer, und die Verkostung seiner einzigartigen Weißweine aus dem Karst. Details später, nur soviel, wer je einen männlichen Wein voller Mineralität im Glas haben will, kommt um den ausschließlich dort wachsenden Vitovska nicht herum. Gestärkt vom berühmten Pršut mit reichlich offenem Terrano in einer der typischen Osmizze im Karst ging’s am nächsten Morgen einmal quer durch Slowenien an die Südsteirische Weinstraße zum Lunch zu Sepp und Maria Muster und dem darauffolgenden intensiven Verkosten seiner aktuellen und auch gereiften Weine. Zwei Wochen und tw. länger geöffnete Flaschen in hervorragender Verfassung und ein einfacher 92er Sauvignon unterstrichen einmal mehr das enorme Reifepotenzial dieser Ausnahmeweine.

Spannende Gespräche mit Winzerpersönlichkeiten, die im Laufe der Jahre schon zu Freunden geworden sind, echten Grenzgängern nicht nur politisch betrachtet auf historischem Boden der k.u.k.-Monarchie, sondern auch in vinologischer Hinsicht, es gibt wahrlich Schlimmeres. Und diverse kulinarische Mitbringsel und vor allem die eine oder andere Kiste Wein werden die Erinnerung an diesen „Höllentrip“ noch länger am Leben halten.

3 Responses to “Höllentrip”

  1. alma Says:

    Ich erbitte genauere Beschreibung des „männlichen“ Weines!

    Einen Grumello Jg 1998 konnte ich im Frühjahr verkosten, allerdings von Arturo Pelizzatti Perego – der hat auch einen Minianteil Brugnola und Rossola dabei. Das hat in mir Lust auf eine Valtellina-Reise geweckt!

  2. pivu Says:

    Wird nachgeliefert, im Moment nur soviel: beim Verkosten durfte meine Tochter mal reinschnuppern (weil’s ja eh kaum was zu riechen gibt) und meinte, der Wein wäre ölig. Sofort schuf ich die passende Assoziation „Motorwechsel in der Ferrari-Box“. Wenn das nicht männlich ist, trotz Schumi.


  3. […] Nun aber zu einem Prototyp eines männlichen Weins, ich hab’s ja hier versprochen, aus einer auf den ersten Blick unwirtlichen, dafür umso reizvolleren Gegend, dem italienischen Karst […]


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