ProWein 2007 – Neues aus Halle 7

März 22, 2007

Auch heuer verbrachte ich den Montag auf der diesjährigen ProWein, gut die Hälfte der Zeit konzentrierte ich mich dabei wieder auf Österreich, das traditionell prominent vertreten war. Ich hab‘ zwar nur einen Bruchteil, diesen aber gezielt, verkostet, und nahm folgende Beobachtungen und Trends als Resumée mit:

  • 2006 ist durchgängig ein großes Weißweinjahr, 2006 ist aber auch ein typisches Rieslingjahr – selten zuvor wenn überhaupt gab’s derart üppige, vollreife Weine, die aber so großartig strukturiert sind, um sie dennoch elegant erscheinen zu lassen.
  • Biodynamisch ist das neue Hypewort, aber Vorsicht ist geboten: nicht überall, und oft genug ist das der Fall, wo Bio(dynamik) draufsteht, ist auch Bio(dynamik) drin! Hinterfragen lohnt sich.
  • Die Ried Achleiten in der Wachau nordöstlich von Weißenkirchen ist und bleibt meine absolute Lieblingslage, unglaublich deren Wiedererkennbarkeit (Marillen und Limetten, dazu Kräuter, u.a. Minze), und zwar betriebs- und rebsortenübergreifend.
  • Erfreulich ist der erkennbare Trend zu weniger Holz und zur Verwendung größerer Gebinde beim Rotwein. Dies führt im Idealfall (s.u.) zu höherer Identität und deutlich harmonischeren Weinen, tendenziell aber auch zu weniger Aah’s und Ooh’s und damit auch zu niedrigeren Ratings. Viele Betriebe befinden sich noch am Scheideweg, unentschlossen, welche Richtung sie endgültig einschlagen sollen. Das Gros vor allem der roten Topweine aus dem Burgenland ist mir noch immer zu holzlastig.

Abschließend noch die Oscars meine ganz persönlichen Prämierungen:

  • Beste Kollektion in Weiß: Schloß Gobelsburg, wer’s soft und füllig mag, und Rudi Pichler, wer’s puristisch-mineralisch mag.
  • Beste Kollektion in Rot: Uwe Schiefer mit immer präziseren und eigenständigeren Weinen und Roland Velich (MORIC), dessen Blaufränkische eine einmalige Symbiose aus Genuß im Sinne von Trinkigkeit und Anspruch auf höchstem Niveau darstellen. Der nicht unumstrittene Kritiker im roten Designerhemd („An Englishman in New York Berlin“) neben mir war auch sichtlich angetan. (Stay tuned, there is more to come.)
  • Entdeckung des Jahres: Karl Schnabel mit lebendigen, wunderbar trinkigen und dennoch seriösen Rotweinen aus dem Sausal in der Südsteiermark. Noch nie konnte mich ein Zweigelt (!), noch dazu im Einstiegsbereich, derart überzeugen, chapeau.
  • Sonderpreis für den besten (im Sinne von außergewöhnlich-extrem) Wein (aus dem Panel der probierten): Grüner Veltliner ‚Elisabeth‘ von Karl Lagler, eine spät gelesene Selektion der reifsten Trauben ohne eine Spur von Botrytis. Das nämlich werden die wahren 06er-Paradeweine.

Noch eine Randnotiz zur allgegenwärtigen Verschlußfrage: die erstmalige Zulassung von Alternativverschlüssen für Smaragdweine wird von den Vorzeigebetrieben der Vinea Wachau geradezu vorbildlich „net amoi ignoriert“ (frei nach Qualtinger). Auf der anderen Seite denkt so mancher Betrieb bereits über die Wiedereinführung von Naturkork nach, nachdem sich manche der verschraubten Weine aus älteren Jahrgängen teilweise sehr reduktiv präsentieren. Eigentlich kein Wunder, auf eine veränderte Vinifikation (z.B. längeres Fasslager) wurde bei den allerwenigsten Betrieben verzichtet. Und genau das gilt auch für die Stelvin-Pioniere in der Wachau!

6 Responses to “ProWein 2007 – Neues aus Halle 7”


  1. Biodynamisch ist hype, das stimmt. Darüber hinaus aber auch ernst zu nehmender Trend – es ist ja zu hoffen, dass möglichst viele Winzer auf den Zug aufspringen: zurück zu den Wurzeln, zurück zum Terroir!
    Was ich nicht verstehe: wo ist deiner Meinung nach Vorsicht angebracht? Sicher gibt es Winzer, die „bio“ mehr aus Marketinggründen betreiben und eine EU-Zertifizierung z.B. ist etwas ganz anderes als eine Demeter-Zertifizierung, aber im Normalfall wird ja immer das drin sein, was drauf steht.
    Was passieren kann, ist dass ein Winzer wie Peter-Jakob Kühn aus dem Rheingau , Wittmann aus Rheinhessen, oder Christmann aus der Pfalz „nur“ EU-zertifiziert ist, obwohl er viel mehr macht, also biodynamisch arbeitet…

  2. pivu Says:

    Was kann passieren? Du beantwortest die Frage ja schon, biodynamisch wird als reines Marketinginstrument genutzt, und sehr bald wird so ein Gütesiegel, gerade wenn’s aus Brüssel kommt, nix mehr wert sein, weil eh alles erlaubt ist. Und zur Not wird halt ein neues geschaffen, schön bunt, mit viel Tratra und Steuergeldern in den Markt getragen, freilich ohne Inhalt. Das meinte ich aber mit „Hinterfragen“, wird die Philosophie dahinter auch gelebt, ohne gleich ins Esoterische abzudriften? Wie sehen die Weingärten wirklich aus? Und dann gibt’s solche, die auf meine Frage zur Biodynamie wie selbstverständlich nicken („ja, in die Richtung gehen wir auch“), bestenfalls aber naturnah arbeiten. Wer aber macht das heute nicht, bzw. behauptet das Gegenteil?

  3. duni Says:

    Ich denke auch, dass ein Wein nicht automatisch gut oder besser ist, wenn er „bio“ erzeugt wird. Ich habe über diese Frage vor kurzem mit Dirk Niewo gesprochen, der sichtlich bemüht war, den Ball flach zu halten und die Biodynamik als eine von zahlreichen Möglichkeiten verstanden haben wollte, die ein Winzer ergreifen kann, um etwas für die Qualität seiner Weine zu tun: Kuhhörner im Wingert verbuddeln reicht halt allein nicht.
    Andrerseits arbeiten auch konventionelle Betriebe mit Versatzstücken biologisch-dynamischer Ideologie, ich war erstaunt, von Badenser Ziereisen zu erfahren, dass er seine Weine nur bei bestimmtem Mondstand füllt, weil sie dann einfach klarer blieben.

  4. pivu Says:

    Who’s that „Dirk Niewo“? Dirk W. oder Roman Niewo …? Fesch sind ja beide gell, mit ihren wehenden blonden Haaren. Und ob Hans-Peter Ziereisen wirklich als „Badenser“ bezeichnet werden will?

    Zum Thema: wichtig ist mir schon die Einstellung des Winzers zur Natur und zum Wein als Medium mit einem Maximum an Information, nicht das Bio-Papperl auf Flasche. Und Biodynamik ist, wie Du ganz richtig feststellst, nur eine mögliche Ausprägung, nicht mehr und nicht weniger, aber im Moment halt besonders hype. Demnächst ist’s dann vielleicht Fukuokas Permakultur, und wenn die Inder erst den Weltweinmarkt überschwemmen, werden vielleicht buddhistische Elemente in die Landwirtschaft einfließen.

  5. duni Says:

    Natürlich Roman, das ist ein Freudscher Versprecher, der mir öfters passiert…
    Was den „Badenser“ angeht, ich meine natürlich ganz wertfrei Badener.
    Aber was Deine Überlegungen zu Permakultur etc. angeht, denke ich auch, dass da noch einiges auf uns zukommen wird. Schließlich entwickelt sich nicht nur die konventionelle Landwirtschaft weiter.

  6. Carolin Says:

    Ich glaube auch, dass eure Rotweine haben zu viel Holz. Makes no fun. Nice article von David Schildknecht zum Thema (La Barrique est Morte) in der letzten Vinaria. Hier er zitiert einen französchen Winzer: „Ein Wein verträgt so viel neues Holz, wie er nicht braucht.“ Nice site, cheers!


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