Surprise Provençale

April 24, 2007

Den Besuch von Weinpräsentationen sollte man tunlichst vorbereiten, interessante Produzenten schon im Vorfeld auswählen und ggfs. kontaktieren. Aber auch der Verzicht auf umfangreiche Recherchen hat seine Reize und bringt immer wieder Überraschungen mit sich. Und was für welche, wie sich vor kurzem herausstellte.

So touren gerade einige Winzer der Provence durch Deutschland und Österreich. Gestern gastierten sie in Frankfurt, wie immer von der SOPEXA perfekt organisiert. Ohne großartige Backgroundinformationen schaute ich am frühen Abend vorbei und wollte mich spontan leiten lassen. Als Einstieg empfahl mir ein Freund die Domaine du Deffends und Provenceinsbesondere ihren ‚Rosé de Filles‘, den er bei seinem letzten Besuch in der Provence so schätzte. Diesen Rosé gab’s leider nicht, es ist nur ein VdT, die anderen Rosé- und Rotweine konnten mich nicht begeistern, zu voluminös waren sie bei gleichzeitig deutlicher Süße und wenig Struktur. Die Weine des Standnachbarn hingegen, Richard Auther von der Domaine de la Courtade, hatte ich in ganz guter Erinnerung, also hab‘ ich dort gleich weitergemacht. Doch auch hier enttäuschten Basisweine (‚Alycastre‘) und Sonntagsweine (‚Courtade‘), wie sie der Winzer gerne bezeichnet, zwar nicht schlecht aber doch sehr beliebig. Wissend, dass Richard Auther auch im Elsass engagiert ist, fragte ich ihn, ob er die mir noch unbekannten Tavels von Eric Pfifferling kennen würde, zumal beide ja beim gleichen Händler in Deutschland vertreten sind. Sofort wurde die sehr charmante Standnachbarin Nathalie Vancoillie der Domaine du Clos d’Alari hellhörig und geriet ins Schwärmen. Noch besser seien aber die Produkte des Deutschen Axel Prüfer, wie sein ‚Avanti Popolo‘. Ein Grund also, ihre Weine zu probieren, und es hat sich gelohnt. Insbesondere der ‚Rosé Grand Clos‘ war ein Paradebeispiel eines würzigen, mediterranen Weins mit erstaunlicher Mineralität, der auch als Begleitung zum exquisiten Abendessen eine gute Figur abgab. Die Dame sollte also wissen, wer im Raum sonst zu empfehlen ist und nannte mir das Château du Rouët, auch weil dessen Repräsentantin (Barbara Beaulieu) Deutsch spricht.

Mehr noch, sie war sogar Wienerin, wie sich gleich herausstellte, die es vor ca. 15 Jahren in die Provence zog. Und sich insbesondere auf die folgende Veranstaltung in Wien und ein verlängertes Wochenende ebendort freute. Gerne nannte ich ihr einen Buschenschank als Geheimtipp, der just am kommenden Wochenende seine Tore aufmacht. Den Tipp nahm sie gerne auf, zumal ihr Elternhaus in Neustift, also ganz in der Nähe liegt. Neugierig wie ich bin, wollte ich wissen, freilich ohne Hintergedanken, wo denn dort. Nach ihrer Antwort war ich vermessen genug, die Welt ist ja klein, weiterzufragen, ob sie zufällig eine Barbara K. kennen würde. Ich vertat mich mit dem Vornamen, war wohl von ihrer Visitenkarte geblendet, gemeint war Katharina K., die ich aus meiner Wiener Studentenzeit gut kannte und die damals auch genau dort wohnte. Als Antwort kam, wie aus der Pistole geschossen: „Das bin ja ich!“ (Wie gesagt, ich hab‘ die Vornamen verwechselt.) Vis-à-vis stand also die Schwester einer früheren Bekannten von mir, die ich seit mehr als 20 Jahren nicht mehr gesehen habe, und spätestens jetzt interessierte mich der Wein nur mehr peripher, zuviel gab’s zu erzählen. Selbst wenn ich mich noch so intensiv vorbereitet hätte, diese Begegnung wäre mir wohl entgangen.

Als Fazit der Provence-Weine bleibt, dass man um sämtliche Weißweine am besten einen großen Bogen macht und auch keine preisgünstigen Weine erwarten darf. Immerhin werden 90% im eigenen Land verkauft! Trotzdem gibt es den einen oder anderen Wein, insbesondere Rosés, wer’s mag, und manchen Rouge wie die Rimauresq Sélections, der auch hierzulande durchaus seine Berechtigung hat, vor allem bei den derzeit herrschenden Temperaturen. Aber die Suche nach ihnen gestaltet sich alles andere als einfach, und wahre Trouvaillen findet man wie so oft eher zufällig.

Bildquelle: www.vinsdeprovence.com

3 Responses to “Surprise Provençale”


  1. gehe völlig überein mit deinen Ansichten. Wir haben uns von Nathalie Vancoillie von der Domaine du Clos d’Alari Probeflaschen schicken lassen, auch von den Vin de Pays, die sie nicht dabei hatte. Sobald der Stoff da ist und die Temperaturen wieder in sommerlichen Gefilden sind, kriegst du eine Mail zum Verkosten. Vielleicht bis zum Pokalfinale?
    Gruß aus dem Badischen, wo ich wieder versuchen werde, neue Gesichter – wie Arndt Köbelin letztes Jahr – zu entdecken.

  2. pivu Says:

    Vielleicht kann sie ja was von ihrem Liebling Axel Prüfer mit reinpacken, ich zahl’s auch. Südländischer Rosé ist heuer ohnehin mehr als nur eine Alternative im Sommer, heiss wird’s (hoffentlich wieder), und gerade die deutschen Einstiegsqualitäten in weiß aus 2006 sind nach meinem Rundgang über die diesjährige Mainzer Weinbörse doch ziemlich durchwachsen.


  3. […] Was soll ich also schreiben zum Thema, mitten im Urlaub, reif für die Insel?

    Ich könnt’s mir ja leicht machen, und hierhin (Sizilien) oder dorthin (Porquerolles) verweisen […]


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