Außen hui, innen pfui

Juli 20, 2007

Nun also doch: die sonst so patriotisch-unkritische Presse Österreichs Leo Hillingerlegt sich mit einem der Mediendarlings der heimischen Winzerszene an. Konkret berichtet der Wiener Kurier von einer Begehung des Weinguts Hillinger. Diese wurde notwendig, weil Ex-Dressman Leo Hillinger bezeichnender Weise sein Unternehmen von einem landwirtschaftlichen auf einen gewerblichen Betrieb ausweiten möchte. Und wenn man den Worten des zuständigen Landesumweltanwalts Glauben schenken darf, liegt da einiges im Argen. Er spricht von „Zuständen“, „einem zur Küche umfunktionierten Labor“, „einer schönen Fassade, hinter welcher man aber alles findet, was Gott verboten hat“, das noch dazu „unsachgemäß gelagert wird“.

So reisserisch das im ersten Moment klingen mag, so normal sind diese Zustände in Weinkellern mit modernster Kellertechnik Weingut Hillinger aus der Vogelperspektiveheutzutage. Der Einsatz der entdeckten Chemikalien ist im Weinbau nicht mehr außergewöhnlich, Gefahr ist keine im Verzug und die gesamten Kellerräume sind beinahe schon steril sauber. Insgesamt werden 12 Mängel beanstandet, darunter falsch gelagerte Etiketten oder fehlende Brandschutzabschnitte.

Ich habe selbst im Rahmen eines Weinwochenendes mit Weinfreunden in der Steiermark vor knapp 2 Wochen an einem Tag das totale Kontrastprogramm erlebt. Nachmittags die Betriebsbesichtigung eines der Topbetriebe der Region, wo jede Aktion im Keller minutiös geplant und überwacht wird, vormittags ein Weingut, in dem ausschließlich das laissez-faire-Prinzip gilt. Unabhängig davon, was erlaubt, verboten oder gar gefährlich ist, sprechen die verkosteten Weine eine deutliche Sprache. Vorbildlich kultivierte Weingärten führen in dem handwerklich und biodynamisch arbeitenden Betrieb zu authentischen Traubenqualitäten, die in primär auf Ertragsoptimierung angelegten Weingärten auch unter Einsatz von noch so moderner Kellertechnik niemals erreicht werden können. Doch dazu später mehr.

Bildquelle: Leo Hillinger

10 Responses to “Außen hui, innen pfui”

  1. winefine Says:

    Was der Kurier und dieser Inspektor da treiben, ist auch eine Form von Rufmord. Nicht, dass ich die Weine von Hillinger so toll finde, aber der Mann ist Unternehmer und augenscheinlich sehr bemüht, erfolgreich Wein zu vermarkten. Davon profitieren einige in der Region. Mit seiner Form des Marketing erreicht er nun mal Leute, die sich nicht intensiv mit Wein beschäftigen und führt sie an das Thema heran. In diesem Segment ist so eine Presse Gift für Ihn. Das hat er, wenn das nur wegen ein paar Lappalien ist, nicht verdient.

  2. Carolin Says:

    wo ist problem, von aussen er ist wirklich hui, dieser blonde mann. da interessieren nicht innere werte …

  3. pivu Says:

    Hermann Frühstück sieht’s wohl anders. Die hätten mal einen einen weiblichen Landesumweltanwalt schicken sollen.

  4. Katja Says:

    Die Napavalleysierung des Neusiedler Sees ist unaufhaltsam… und da wird auch Herr Frühstück (!) – was für ein Name für einen Weininspektor – nichts dran ändern.

  5. pivu Says:

    Ob’s dort auch einen Inspektor Frühstück – „Breakfast in America“ frei nach Roger Hodgson – gibt?

  6. duni Says:

    Den Urknall von Werlitsch habe ich unlängst probiert und war sehr angetan davon. So ganz konnte ich mit „diese“ Cuvee nicht vorstellen, aber das Resultat hat mich sehr überzeugt. Ich habe den Wein ganz harmlos zu einem Essen mit zwei Freundinnen mitgebracht, beiden ging der Wein danach so stark im Kopf herum, dass sie sich damit auch noch eindeckten.
    Um aber beim Thema zu bleiben: Wahrscheinlich störte es die Inspektoren, dass in den Hillinger-Kellern zuviele Tangaslips -getragen bei vormaligen shootings für irgendwelche lifestylebadln-rumlagen…

  7. pivu Says:

    Das wird vielleicht auch einer der 12 Mängel gewesen sein, auch Unterwäsche mag ordnungsgemäß gelagert werden, wie eben auch die beanstandeten Etiketten. BTW, woher weißt Du, welche Unterwäsche Herr H. zu tragen pflegt? Aber wahrscheinlich gibt’s auch die bald gelabeled: statt „Calvin Klein“ „Leo Groß“, bzw. „Big Leo“ für den internationalen Markt. „Außen hui, innen …“


  8. Meinst du vermutlich Sabathi als steir. Winzer? Sonst schließe ich mich dem obersten Kommentar an, das grenzt beinahe an Rufmord. Haben die österr. Winzer es nicht ohnehin schwer genug, durch die geringe Gesamtweinbaufläche und den noch immer in Erinnerung bleibenden Weinskandal, endlich Fuß zu fassen? Was ist mit Frankreich und Italien? Wer zieht so hart gegen diese Weinbauern zu Gericht?
    Warum müssen sich Österreicher immer gegenseitig ans Bein pinkeln? Das werde ich nie verstehen. Ist es doch der Neid?
    Blonde Männer sind übrigens nicht meins, da kann er noch so hui sein, ich schau lieber ins Glas.

  9. pivu Says:

    @entegutallesgut [Sabathi?]: nein, Manfred Tement ist gemeint, der Link klärt’s auf. Btw akzeptieren sich in der Steiermark die Winzer untereinander, so unterschiedlich deren Heransgehensweise auch sein mag. Es gibt eben mehr als ein Idealbild eines guten Weins. Hillinger freilich ist schon sehr extrem, manche Weine erinnern vom Auftritt mehr an Red Bull als an ein landwirtschaftliches Produkt.


  10. Und? Red Bull ist das Vorzeigeprodukt Österreichs. Mir schmeckt der Gummibärlisaft überhaupt nicht, aber finde es toll, wie eine Marke um die Welt gehen kann. Dafür braucht es geschicktes Marketing und wenn es geschickt gemacht ist, alle darauf anspringen, dann ist es nicht mehr dezent zurückhaltend.
    Tement, siehst du, das meinte ich mit Gusto und Watschen, denn der hat mit seinen Weinen sehr nachgelassen und bei ihm fehlen sicherlich auch ein paar Brandschutztüren – das ist ebenfalls ein riesiger Betrieb und der Wein war vor Jahren einfach besser.
    Ja, Sabathi! http://www.sabathi.com
    Den Link habe ich jetzt aber gelesen.😉


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