T(w)o Bio or not to Bio?

September 7, 2007

Nicht Hamlet von Dänemark, sondern Michael Metze vom Viva-Vino Biowein Blog ruft zur 3. Weinrallye auf und erwartet, nicht weiter überraschend, WeinrallyeBeiträge zum Thema „Riesling aus Bio-Anbau„. Gerade beim Riesling ist’s ja in manchen Jahren schwierig, streng biologisch zu arbeiten, reift er doch nicht selten in kühleren und feuchteren Regionen wie nördlichen Flußtälern. Aber das Thema heisst ja Riesling und nicht Rheinriesling, wie die Sorte in Österreich heisst, also wollte ich sowohl Michael als auch das Wetter austricksen. Beides, und nicht nur das, ging schief.

Schon im Vorfeld, als es draussen noch sommerlich war, hab‘ ich mich für einen steirischen Welschriesling von Sepp Muster entschieden. Kein Stress also, ein idealtypischer und ehrlicher Welschriesling, wie man ihn heute kaum mehr kennt, aus biodynamischen Anbau. Doch als ob’s der Organistor geahnt hätte, vor wenigen Tagen wusste er genau dies hier zu unterbinden. Aber auch der drohende Wintereinbruch verbreitet keine sonderliche Lust auf „Welsch“. Neuer Anlauf also.

Zu meinen absoluten Riesling-Favoriten zählen manche, bei weitem nicht alle, Weine vom Nikolaihof eingangs der Wachau, so z.B. diejenigen vom ‚Steiner Hund‘. Ein Kontrollgang durch den hiesigen Keller bestätigte jedoch, dass bis auf eine Flasche vom Saahs’schen Riesling ‚Vinothek‘ alle Flaschen, nicht ohne Grund, zur Langzeitlagerung in Keller Nummer 2, immerhin mehr als 700 km entfernt, geduldig ihrer Bestimmung entgegensehen. Und die eine Flasche dieses genialen 90er Rieslings aus der Wachau, der mehr als 14 (!) Jahre im Holzfass reifen durfte, einfach so aufmachen wollte ich auch nicht. Wieder nichts.

Aber da lagen ja auch noch 2 (Loch)Rieslinge mit dem ECOVIN-Papperl auf dem Etikett. Diese beiden Flaschen, der ‚Fass 3‘ aus 2001 und ‚Saartyr‘ aus 2002 des damaligen Winzer-Shooting-Stars Weinhof Herrenberg, beide aus der Parzelle Stier des Schodener Herrenbergs, konnte man nämlich sehr wohl „einfach so aufmachen“. Besser gesagt, man hätte sie schon vor Jahren aufmachen müssen, nachdem mich schon die letzten Begegnungen mit diesen Weinen maßlos enttäuschten. Das sympathische Winzer-Ehepaar Loch behauptet zwar auf seiner Homepage „Während des Reifens kann es durchaus passieren, dass ein Wein unharmonisch schmeckt – das geht vorüber“, allein mir fehlt der Glaube. Auch gestern wurde ich wieder bestätigt, eine detaillierte Beschreibung erspar‘ ich mir, diese würde dem Bonitätsrating dieses Blogs nicht guttun. Ich kann nur mutmaßen, warum die trockenen Lochrieslinge quasi null Reifepotenzial besitzen. Aber muss man wirklich das ohnehin hochreife Lesegut noch zusätzlich aufbessern, um Alkoholgradationen vergleichbar mit Wachauer Smaragden zu erzielen? Madame hatte zwar jetzt wieder genügend Wein zum Kochen oder für die Bridgerunde, ich aber noch immer keinen zum Berichten im Glas. Und auch keinerlei Lust mehr auf weitere Experimente.

Da erinnerte mich an folgenden Artikel des britischen Weinjournalisten Jamie Goode, der von einem chilenischen (!) Riesling Reserve aus Label Cono Sur Rieslingdem weit im Süden befindlichen Bío Bío (sic!) Valley berichtete. (Es gäbe noch eine Steigerung, nämlich den Riesling ‚Quiltraman‘ aus der Visión-Linie.)  Gleich zweimal Bio also, wenn das kein Bio-Riesling ist. Und es ist wirklich einer! Ein kurzer Research ergab, dass die besten Weine des chilenischen Guts Cono Sur ökologisch zertifiziert sind, noch dazu von einer Deutschen Organisation. Doch damit nicht genug, erst vor einigen Wochen erhielt Cono Sur als erste winery weltweit den Status „CarbonNeutral„, wie hier berichtet wird. Mehr Bio geht wirklich nicht, die Symbolisierung auf dem Etikett erfolgt übrigens ganz fortschrittlich mittels eines Fahrrads und nicht des hierzulande oft anzutreffenden Pferdes.

Oder doch? Sehr oft, so auch hier, in einer typischen New-World wine-factory, reicht „Bio“ gerademal bis zur Kellertür, dahinter kommen wie so oft in der Neuen Welt alle Errungenschaften der modernen Kellertechnik zum Einsatz, die am Ende das Ausgangsmaterial doch wieder nivellieren. Auch wenn das Thema ausdrücklich „… aus Bio-Anbau“ lautete, erfüllt ein im Keller anonymisierter Bio-Wein für mich den Tatbestand der Verbrauchertäuschung.

Wer also hat jetzt wen ausgetrickst? Der Organisator mich, als er mich vorgestern in eine erfolglose Riesling-Odyssee schickte? Oder doch umgekehrt, als ich den doppelten Bio-Riesling virtuell ins Rennen schickte, der vielleicht doch nicht Bio ist?

Bildquelle: jamie goode’s wine blog

5 Responses to “T(w)o Bio or not to Bio?”


  1. Dass die Loch’schen 01er nicht mehr schmecken wollen, mag aber auch, mit Verlaub, am Keller liegen. Fass6 und Fass3 aus 2001 schmeckten jedenfalls im letzten Winter noch vorzüglich, gesetzt, sie wurden ausreichend belüftet. Der hohe Alkohol war deutlich schmeckbar und sicher nicht nötig, aber eine generelle Problematik kann ich nicht erkennen.

  2. pivu Says:

    Möglich wäre das, sicher – Felix, ich meinte nicht die Lochrieslinge per se sondern nur die trockenen -, aber warum schmecken die Weine des Winzerkollegen 5 km flußabwärts aus gleichem Jahrgang und Keller so vorzüglich? Und ein Weinfreund machte mit dem 01er ‚Saartyr‘ aus seinem Keller ganz ähnliche Erfahrungen (hier nachzulesen).


  3. […] Eine kleine Odysse beinahe hatte pivu durchzustehen, dessen bereits ausgewählten Welschriesling ich wenige Tage vorher nichtsahnend disqualifiziert hatte – als nicht mit dem Rheinriesling verwandt. Den 2002 Loch-Riesling von Herrenberg (dessen jüngster Jahrgang bereits von Lars Breidenbach positiv besprochen worden war) fand er nicht adäquat für die Weinrallye und kam so zum ersten Exoten: einen Riesling aus Chile, der sogar aus dem Bío Bío Valley kam! […]


  4. Den besten Welschriesling aus der Steiermark bzw. in Österreich war der von Gitta Rupp von 2003. Das Jahr war insgesamt für die Steiermark eines der besten, das ich in Erinnerung habe. Leider ist der Wein inzwischen vergriffen, doch zum Glück habe ich noch die eine oder andere Flasche im Keller🙂 . Und bei dem Jahrgang ist es wirklich so, das er immer besser wird. Ich hoffe, das bleibt auch noch so😉 .

  5. pivu Says:

    Naja, mit dem „besten“ Welschriesling ist’s immer so eine Sache, und ob gerade der Welsch derartiges Lagerpotenzial hat und noch zulegen kann, sei auch dahingestellt. Anyway, den Buschenschank von Rupps kenn‘ ich ganz gut (bei Polz‘ links runter, oder?), man muss aber gut zu Fuß sein, ist ein bissl steil. Das Platzl empfand ich immer schöner als die Weine …


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