Keller(p)fund

Oktober 10, 2007

Eigentlich wollte ich mich beim neuen Weinrallye-Thema „Vulkanweine“ vornehm zurückhalten, sonst artet die Bloggerei Weinrallye noch in Stress aus. Oder bequem auf meinen Weinrallye-Universalwein verweisen, der passt immer, schmeckt aber den wenigsten. Wenn aber der drink tank alias Mario Scheuermann als Veranstalter den heutigen Tag schon zum V-Day erklärt, also nach dem „V“ in pivu benennt, plagt einen schon das schlechte Gewissen. Dazu kommt folgende Begegnung in einer Wiener Buchhandlung am Graben vor 9 Tagen.

Ich schmökerte ein bisschen in Stuart Pigotts neuem Wälzer, bei dessen Erstpräsentation auf dem Weingut Flick ich ja schon vor einigen Wochen dabeisein konnte. Es war Vormittag, wenig los und genügend Zeit bis zur Verabredung zum Lunch. Ich kam mit einer Mitarbeiterin ins Gespräch und bemängelte u.a. die lückenhafte und alibihafte Darstellung der Steiermark. Da erwiderte sie, dass sie ja von dort käme, und einer ihrer Winzerfreunde auch lobend erwähnt wird. Rasch stellte sich heraus, dass die sympathische Dame aus Pichla bei Tieschen im südoststeirischen Vulkanland stammt und mit dem Winzer Manfred Platzer gut befreundet ist, den sie in den kommenden Tagen auch besuchen wollte. Nun ist TieschenManfred Platzer kein Unbekannter für mich, auf meinen frühen Weintouren in die Südsteiermark Anfang der 90er galt er immer als Zwischenstop, wie auch die damals noch wenig bekannten Albert Neumeister und Alois Gölles. Unvergessen mein Erlebnis, als ich letzteren einmal am Sonntag Vormittag aus der Badewanne holte, um danach zum Gabelfrühstück seine grandiosen Schnäpse zu probieren. Das sind so die Erinnerungen an diese Zeit und an einen Wein, den ich aufgrund seiner Qualität damals in größerer Menge gekauft habe und dessen letzte Flaschen ich noch im heimischen Keller vermutete.

Zurecht, es handelt sich um eine trockene Gewürztraminer ‚Spätlese‘ von 1990 vom Weinhof Platzer, damals für 65,- öS, also weniger als 5,- € für die halbe Flasche erstanden. Und von vulkanischen Böden wie die meisten südoststeirischen Traminer stammt er auch, passt also prima zum Thema. Ganz genau sind’s kalkfreie, vulkanische Verwitterungsböden mit teilweiser Einmengung tertiärer Sedimente. Wie also schmeckt dieser 17-Jahre alte Gewürztraminer? Und gibt es eine Typizität, die auf Vulkanböden hinweist? Um das herauszufinden, wurde vorgestern die vorletzte Flasche entkorkt.

Zuallererst, das doch stolze Alter merkt man diesem Wein nicht an, weder an der Farbe, am Geruch oder am Geschmack. Im Gegenteil, die Nase ist ausgesprochen frisch, sehr reintönig, aber auch dezent nach den so traminer-typischen Rosen duftend, ohne jegliche Schwere, die z.B. Elsässer Gewürztraminer auszeichnet. Später mischen sich rauchige Noten dazu, die dann auch im Mund zur Struktur beitragen. Es sind süßliche Rauchnoten, die an geriebenes dunkles Gestein (no na) erinnern und die ich meine, auch in den Rieslingen aus der Pfälzer Lage ‚Forster Pechstein‘ regelmäßig wiederzuerkennen. Mit zunehmender Luft und Wärme gewinnt der Wein an Dichte, wird öliger, wirkt in der Nase fast „pannononisch-dekadent“ wie manche Weiße vom Ostufer des Neusiedlersees. Etwas mehr „Mitte“ würde ich mir wünschen.

Es sind wohl die Böden, die hier für weniger Fett und weniger überbordernde Frucht, dafür für präzisere Aromen sorgen und den Wein fast schlank erscheinen lassen. Ich würde ihn weniger als klassischen Begleiter zu Gänseleber, Käse oder Nachspeisen empfehlen, vielmehr kann ich ihn mir sehr gut zu orientalischen Vorspeisen oder noch besser zum Tandoori Chicken vorstellen. Man müsste es mal probieren mit der letzten Flasche, vielleicht in 10 Jahren?

2 Responses to “Keller(p)fund”


  1. […] … waren es auf dann auf der Ziellinie doch insgesamt 17 Postings zum Thema Vulkanweine. Kurz vor Toresschluss kam endlich auch noch ein Beitrag […] über zwei Weine aus dem Vulkanland der Oststeiermark. […]


  2. […] … Die rot-weiss roten Farben Österreichs durften bei diesem Thema natürlich nicht fehlen. Hochgehalten wurden sie von six-to-nine und vinissimus. Beide berichteten über Weine aus dem oststeirischen Vulkanland, der Heimat u.a. grosser Gewürztraminer wie die Gewürztraminer Spätlese von 1990 vom Weinhof Platzer, die PV in seinem Keller gefunden hat und für diese Rallye öffnete … […]


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