Veltliner-Wirrwarr

November 27, 2007

Den Grünen Veltliner als Österreichs autochthone Roter VeltlinerHauptsorte mit ca. einem Drittel der Gesamtanbaufläche kennt man. Aber kennt man ihn wirklich? Genau genommen ist dies gar kein Veltliner, wie mich ein geschätzter Weinfreund hier in seinem Posting aufklärt. Der echte Veltliner ist nämlich der Rote Veltliner, der natürlich nicht rot, sondern weiß ist, heute vor allem am Wagram und Manhartsberg verbreitet. Der Grüne Veltliner hingegen ist am ehesten mit dem (ebenfalls weißen) Rotgipfler verwandt, das deutet auch seine frühere Bezeichnung Weißgipfler an.

Ebenfalls echte Veltliner sind die kaum mehr anzutreffenden Braunen und Grauen Veltliner, die jeweils eine Mutation des Roten Veltliners darstellen. Der Frührote Veltliner ist dafür genausowenig wie der Grüne ein Veltliner, auch wenn der Rote Veltliner ein (Groß-)Elternteil beider Rebsorten ist. Der Verwandtschaftsbegriff ist in der Ampelographie enger gefasst und beschränkt sich auf Spielarten, schließt aber natürliche oder künstliche Kreuzungen aus. (Danke Flo für die Klarstellung.)

Nun stammen Roter und Grüner Veltliner Gott sei Dank beide aus Österreich, sonst hätte man in Brüssel gewiss schon interveniert. Die Ungarn haben’s ja erfolgreich vorgemacht, um den eigenen Tokajer zu schützen. Prompt wurde die Verwendung ähnlich lautender Weinbezeichnungen sowohl im Friaul (Tokai) als auch im Elsass (Tokay = Pinot Gris) untersagt. Das freilich können die Italiener noch versuchen, wenn sie ihren Nebbiolo aus dem Valtellina, dort Chiavennasca genannt, künftig exklusiv als Veltliner vermarkten wollen. Der wäre dann wirklich rot.

Die Amis haben das wohl immer schon gewusst und den Grünen Veltliner in ihrem Hang zur Simplifizierung Grüner Veltlinerschlicht „Gruner“ genannt. Der wird übrigens seit neuestem auch im Napa Valley angebaut, von Rudy von Strasser, der, wen wundert’s, österreichische Vorfahren hat. Das waren tatsächlich echte Verwandte.

Ganz aktuell noch eine Empfehlung für einen echten Veltliner: Roter Veltliner ‚Berg Eisenhut‘ vom Weingut Söllner in Gösing, aber Achtung, wie hier bereits angedeutet wird die Rebsorte ganz neu definiert. Das Weingut selbst spricht von „Roter Veltliner in einer neuen Dimension“.

Bildquellen: Weingut Wimmer-Czerny, wijn.blieb.nl

One Response to “Veltliner-Wirrwarr”

  1. Tommy Says:

    Ohne es besser wissen zu wollen, aber ist der Graue Veltliner nicht eine Spielart des Grünen und damit nicht der Veltliner-Familie zugehörig?


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