Frühlingsweine (1) – Charakter statt Kommerz

April 26, 2008

Sauvignon Tasting 080419Wenn es draussen endlich wärmer wird und nach frischem Gras und Kräutern duftet, die Gartensaison eröffnet wird, dann beginnt auch die Saison für Sauvignon-blanc. Festlich eingeläutet wurde sie dieses Jahr mit einer wahren „opera profumata“ in mehreren Sätzen. Wir wollten herausfinden, ob eine immer populärer werdende Aromasorte fähig ist, gut reifende und seriöse Terroirweine zu ergeben. Gleich mehrere gereifte Darsteller aus der Heimat wurden dafür engagiert.

Im 1. Flight trafen zur Einstimmung 3 06er aus Neuseeland, der Steiermark und aus Menetou-Salon in der Nähe von Sancerre aufeinander. Meinem Anspruch an individualistischen Ausdruck wurde vor allem der Vertreter aus Frankreich, der ‚Menetou Salon‘ von Philippe Gilbert gerecht. Erst vor einigen Wochen hatte ich die Gelegenheit, Philippe anläßlich dieser Verkostung persönlich kennen und vor allem seine Weißweine schätzen zu lernen. (Ab sofort sind Philippes Weine in Frankfurt erhältlich und demnächst vielleich auch in Österreich.) Schon sein Basiswein mit seiner dezenten Orangen-Zitrusaromatik und einer Symbiose von erdiger Cremigkeit und Feuerstein-Mineralik am Gaumen ist eine Ohrfeige für fast alle gleichpreisigen Steirer und deutschen Newcomer. Apropos Steirer: Sepp Musters ‚Schloßberg‘ ist freilich ein Anti-Steirer ohne vordergründige Pikanz und Grasigkeit. Diesmal aber war der Boden, der dortige Opok, derart dominant, dass ich einen Flaschenfehler nicht ausschließen möchte, schon beim mittäglichen Casting war ich stutzig. Folgen Sepp und Philippe biodynamischen Prinzipien, hatten wir es beim Sauvignon Blanc Programm3. Sauvignon in diesem Flight mit einem typischen New-world (Factory-)Wein zu tun, freilich besser als Montana aber ohne Trinkspaß. So attraktiv der ‚Wairapara‚ von Kai Schubert in der Nase war, so kurz war er im Mund.

Spannung versprach das Intermezzo, das von 2 Sauvignon-blanc basierten Naturweinen bestritten wurde. Der 05er ‚Ex Vero I‚, der ebenfalls Welschriesling und Morillon beinhaltende Basiswein von einem der vielversprechendsten Newcomer aus der Südsteiermark, Ewald Tscheppe vom Weingut Werlitsch, verspricht mit einer erstaunlich extrovertierten gelb-grünen Nase großen Trinkspaß, den er im Mund leider nicht einlösen kann. Zu dominant ist der Einfluss des Holzes bei fehlender Kraft und Länge. Aber nicht umsonst gibt’s auch einen ‚EV II‘ und ‚III‘ (und weitere, vielversprechende Jahrgänge). Ganz anders der 04er ‚Prulke‚ von Ben Zidarich aus dem Triestiner Karst. Hier ist’s die Harmonie, das Zusammenspiel einer dezenten, leicht würzigen Nase gepaart mit einer weichen Mineralität am Gaumen, das überzeugt und Lust auf mehr macht, wenn man sich auf einen trüben Naturwein mit teils mostigen Aromen einlässt. Auch nach 3 Tagen in der offenen Flasche zeigte diese unfiltrierte Cuvée aus Sauvignon blanc, Malvasia und Vitovska seine Klasse und sein Potenzial.

Wie sich die gereifen Sauvignons aus der Steiermark geschlagen haben, folgt demnächst hier. Eins vorweg: unappetitliche Altersnoten zeigte kein einziger der Kandidaten.
tbc

One Response to “Frühlingsweine (1) – Charakter statt Kommerz”


  1. […] Nach dieser vielversprechenden Eröffnung der “Duftoper” mit größtenteils recht individuellen Vertretern gegen den Zeitgeschmack […]


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