Frühlingsweine (2) – in ihrem Herbst

Mai 3, 2008

Sauvignon Blanc ProgrammNach dieser vielversprechenden Eröffnung der „Duftoper“ mit größtenteils recht individuellen Vertretern gegen den Zeitgeschmack ging es nach der Pause mit einigen gereiften Sauvignons weiter. Wird Sauvignon blanc allgemein eher geringes Reifepotenzial zugestanden, sollte diese Probe das Gegenteil beweisen, nachdem ich schon in der Vergangenheit hervorragende Erfahrungen mit Weinen aus den frühen 90ern von Sepp Musters erster Schaffensperiode oder auch von dem Doyen im Sausal, Franz Hirschmugl, machen konnte.

Eingeleitet wurde der 2. Satz von Alois Gross‚Sulz‚ aus dem großen Jahr 2001. Schon die komplexe Nase versprach große Spannung, gelb-grünfruchtig an heimisches, reifes Obst und Gemüse erinnernd, ausgezeichnete Balance zwischen Süße und Pikanz, im Mund rassig, ohne jegliche Altersnoten aber auch etwas anstrengend, ohne dass sich der ganz große Ried SulzTrinkspaß einstellen will. Insgesamt aber durchaus präzise und auf seinem Höhepunkt. Aus gleicher Lage stammt der ein Jahr jüngere Parade-Sauvignon ‚Joseph‚ von Stefan Potzinger, der eine ganz andere Stilistik offenbart: deutlich breiter und ausladender in der Nase, hier überlagern vanillige und speckige Noten reife Frucht- und würzige Kräuteraromen, im Mund zwar dicht aber mir dann doch zu holzbetont ohne große Länge. Wiederum anders, nämlich tief, kühl und fokussiert zeigt sich der ‚Sgaminegg‚, der damals noch reinsortig abgefüllte Top-Sauvignon meines Lieblingswinzers aus der Steiermark, Sepp Muster, aus seinem 1. Jahrgang nach langer Pause. „So liebe ich Sauvignon“, stellte ein Loire-fixierter Weinfreund treffend fest. Holz, dezent limettige Frucht, etwas Gras und erdige Noten ergeben eine wunderbar vielschichtige Symbiose für einen harmonischen und tiefgründigen Wein mit großer Eigenständigkeit und weiterem Potenzial, kann ich mich doch gut an zwar (zu) früh geöffnete, aber total verschlossene Flaschen erinnern. Neben dem ‚Prulke‘ verbreitete der ‚Sgaminegg‘ auch nach 3 Tagen in der geöffneten Flasche den größten Spaß.

Im Finale begegneten sich zwei südsteirische Kultweine. Der ‚Maestro – Barrique‚ Jahrgang 1997 von Arnold Melcher war eine Zeit lang der meistdiskutierte Sauvignon hierzulande, allerbestes Traubenmaterial wurde im neuen Barrique zu einem kräftigen und alkoholreichen (15%!) Sauvignon verarbeitet. Immer schon hat diese Granate polarisiert, heftigste Ablehnung und Zuneigung hielten einander die Waage. An diesem Abend gab’s keine Ausreden, der Wein wurde mehrere Stunden karaffiert. Auf meinem Zettel standen Holz, Vanille und Alkohol, ein bissl wenig für einen Wein aus einer Aromasorte. Auch kann ich mich an ein Gespräch mit dem Senior des Hauses erinnern, der mit diesem Wein seines Filius‘ gar nicht glücklich war. Ganz anders der 01er ‚Nussberg‚ wiederum von Luis Gross, hier passt alles in der Nase, Melonen und exotische Früchte dominieren das Holz, cremiger und ausladender als der pikante ‚Sulz‘ von vorhin, insgesamt sehr mächtig mit weiterem Potenzial. Ebenso wie der ‚Sulz‘ benötigt der ‚Nussberg‘ Essensbegleitung, sogar Pacific-Rim kann ich mir gut vorstellen.

Vor allem der letzte Wein und der ‚Sgaminegg‘ widerlegten an diesem Abend die Legende vom schlechtreifenden Sauvignon eindrucksvoll.

Bildquelle: Weingut Stefan Potzinger

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