Sommermärchen made in Austria

Juni 16, 2008

Knapp 4 Tage hält die EUROphorie in Österreich jetzt an, Cordoba und ein narrisch werdender Radioreporter sind omnipräsent. Doch in wenigen Stunden droht dieser Traum vom „Wunder von Wien“ jäh zu platzen. Meine Hoffnung beruht einzig auf Herrn Lehmann im deutschen Tor, der vielleicht eine seiner beliebten Einlagen liefert, Beispiele seines ähnlich greisen Torhüterkollegen aus Griechenland gab’s ja schon zu bewundern. Als Trost darf Wien sich an dem vielversprechenden Viertelfinale Kroatien gegen die Türkei erfreuen, das die Stadt endgültig in die heimliche Hauptstadt des Balkans verwandeln wird. Was gibt’s sonst zu berichten?

Meine Azurri schwächeln wie fast immer, diesmal aber in der Defensive, während das italienische Angriffsspiel überzeugt. Trotzdem sollte ein Sieg gegen Erzfeind Frankreich gerade noch für das Viertelfinale reichen. Dort lauern dann die Spanier, die traditionell eine gute Vorrunde spielen, um in der KO-Phase unglücklich auszuscheiden. Dieses Schicksal könnte auch die bisher überragenden Niederländer gegen einen Landsmann mit Erfolgsgarantie mit seiner Sbornaja ereilen. Alles wie gehabt also.

Wenn da nicht die Schiedsrichter samt Assistenten wären, die teilweise unterirdische Leistungen abliefern. Da werden glasklare Elfer (CH vs POR) nicht gegeben, mehr als fragwürdige (I vs ROM, Ö vs PL) hingegen schon, und die Abseitsregel wird gänzlich neu erfunden. Tor ist’s, wenn der Angreifer einen halben Meter im Abseits steht (Ö vs PL), kein Tor bei einem halben Meter dahinter (I vs ROM) oder auf gleicher Höhe (CH vs POR). Und die Regelauslegung beim niederländischen Führungstreffer gegen Italien (klare Abseitsstellung bei einem verletzt im Toraus liegenden Italiener) könnte auch Ergebnis tagelanger Sitzungen in Brüssel gewesen sein. Insofern ist alles möglich, auch ein Weiterkommen Österreichs. Damit wir nicht auch noch in 20 Jahren von Cordoba reden.

Bildquelle: APA/Herbert Pfarrhofer

5 Responses to “Sommermärchen made in Austria”

  1. pivu Says:

    Weil’s grad passt, hier der Weg zum „Wunder von Wien“ (von Matthias Mödl, Kronen Zeitung):

    „Österreichs Ballesterer werden laufen, bis sie das Beuschel gspiarn. Da wird sich jeder an Haxn ausreissn. Neben unerbittlichen Wadlbeißern wie den Pogatetz gibt es auch noch echte Kicker, die mit der Frucht richtig gut umgehen können.

    Der Ü-Ü-Ümit Korkmaz wird den Philipp Lahm schön einpacken und ihm sicher das eine oder andere Gurkerl verpassen. Und der Ivo Vastic wird mit seiner Raffinesse dem Ball so eine gemeine Fettn geben, dass der Jens Lehmann ganz schnell zum Eiergoalie mutiert.

    Im Konterspiel gibt’s dann die Lochpasses auf den pfeilschnellen Jimmy Hoffer, der dann im Sechzehner eiskalt mit dem Spitz sein Türl erzielen wird. Wenn dann auch noch der Outwachler ausnahmsweise net patschert ist, schaut alles nach einer ordentlichen Schraufen für Deutschland aus.

    Und dann schreit jeder Österreicher: I wear narrisch. Das hört man dann bis zur Nordsee. Mindestens. Das Spiel der Spiele möge beginnen.“

  2. Peter Vondung Says:

    Davon träumte ganz Ösi-Land, dass die ersehnte Vision eines Cordoba II Wirklichkeit werde. Auf dem Boden der Realität angelangt zu sein, hat auch Vorteile: nun braucht nicht jeder Österreicher narrisch zu werden. Vielleicht erübrigt sich damit auch der Arztbesuch („Wer Visionen hat sollte zum Arzt gehen“). Ganz Österreich krank, das hätte die Volkswirtschaft der Alpenrepublik nicht verkraftet.

  3. pivu Says:

    „Ganz Österreich krank, das hätte die Volkswirtschaft der Alpenrepublik nicht verkraftet.“

    Ganz richtig, Österreich soll ja weiterhin das „bessere Deutschland“ bleiben, wie’s die FAZ (und in den Dreißigern bereits Engelbert Dollfuß) vor einiger Zeit treffend formulierte. Außer im Fußball, da lebt Cordoba weiter.

  4. Gotorio Says:

    Wir hatten unser Stück vom Sommermärchen in Wien. Und es war wirklich schön: Fußball ist unser Urlaub.

  5. pivu Says:

    @gotorio: und ich hab‘ mein“Sommermärchen“ jetzt gerade im Land des Weltmeisters und des Teams, das Spanien als einziges in der regulären Spielzeit nicht schlagen konnte. Aber in Italien und für mich auch war die EM nach Di Natales Fehlschuss gelaufen. Hat Deutschland gewonnen?


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