Achtung Sonderabfüllung

September 29, 2008

Welcher Händler, welcher Gastronom hat nicht gerne Weine im Programm, die er im wahrsten Sinne des Wortes exklusiv anpreisen kann? Immer häufiger jedoch wird damit Schindluder betrieben, die Exklusivität beschränkt sich nicht selten auf einen Zusatz am Etikett.

Die wohl bekanntesten und auch gelungensten Beispiele hierzulande sind diverse Exklusiv-Abfüllungen für die Sylter Strandkneipe Sansibar, gekennzeichnet mit dem imageträchtigen Zusatz „only Sansibar“. So verschwinden immer häufiger absolute Spitzenweine gänzlich vom Markt, wie z. B. der ‚Turmberg‘ von Wilhelm Weil oder der unlängst verkostete ‚Siegelsberg‘ von Jakob Jung aus dem Rheingau, um vornehmlich Sylt-Urlaubern mit dicker Brieftasche vorbehalten zu bleiben. Aber auch andere, vor allem medial präsente Spitzenwinzer wie Markus Schneider, Helmut Dönnhoff, K.P. Keller, Joachim Heger oder Lucas Pichler aus Österreich spielen mit, warum auch nicht, ist es doch ehrenhaft, imagefördernd und lukrativ zugleich, auf der Weinkarte der Sansibar gelistet zu sein. Und die Sansibar wiederum besitzt in dieser klassischen Win-Win-Situation alle Freiheiten bei der Preisgestaltung ihrer exklusiven Gewächse.

Ähnlichen Kultstaus erlangten seinerzeit diverse Spezialabfüllungen für das Wiener Korso, das beste Beispiel lieferte wohl in den 90ern der höchstbewertete Chardonnay ‚Korso Select‘ von Fritz Wieninger. Doch nicht immer verspricht eine Weinkarte mit ausschließlich darin geführten Weinen besonderes, im Gegenteil, häufig sind dies die sonst auch im Verkehr befindlichen Abfüllungen, die dem Gastronom oder Sommelier besonders zusprachen. So wie es der „Hauswein“ früher einmal war.

Ganz ähnliche Entwicklungen lassen sich im Weinhandel verfolgen. So gab es z. B. jahrelang den raren Sauvignon blanc ‚Pfarrweingarten‘ vom Sattlerhof weder im Weingut noch im angeschlossenen Sternelokal, sondern ausschließlich bei Sankt Urban, ein Tribut an den Tiroler Weinhändler Bruno Gottardi, der bei der Entstehung dieses Ausnahme-Sauvignons wesentlich beteiligt war.  Einer der Pioniere exklusiver Händlerabfüllungen ist der Nürnberger Martin Kössler, der seine Winzerauswahl ohnehin schon dem Betriebskonzept „Faszination Zeit im Wein“ streng unterordnet. Dieses wird mit Spezialabfüllungen, die dieser Philosophie der „langsamen Weine“ noch mehr entsprechen, unterstützt. So war Peter-Jakob Kühns gewagte 02er ‚K&U Edition‘ wegweisend für die Stilistik der maischevergorenen 3-Trauben-Weine ab dem Folgejahr. Besonders erwähnenswert aus dem aktuellen Programm sind die Projektweine ‚K&U Mauer‘ von Bürklin-Wolf, sogar Philipp Wittmann stellt mit einem Riesling aus dem Morstein unter der Bezeichnung ‚K&U Sonderedition‘ einen Wein mit bewusst langem Hefelager, das sonst eher nicht der Wittmann’schen Stilistik entspricht. Im Idealfall handelt es sich also um Weine unterschiedlicher Produzenten und Herkunft, dessen vergleichbare Machart das Profil und Konzept des Weinhändlers unterstreicht.

Aber auch kleinere engagierte Weinhändler folgen verstärkt diesem Trend, beispielhaft sei hier Stuart Pigotts „Weinhändler-Entdeckung des Jahres“ K&M Gutsweine in Frankfurt genannt, die Spezialabfüllungen kleinerer Betriebe, wie eine als ‚Gutensberg‘ getarnte Scheurebe von Arndt Köbelin oder einen Spätburgunder ‚Selection K&M‘ von Pfirmann im Programm haben. Wie schon am Beispiel der Sansibar erwähnt, birgt dieses Vorgehen die Gefahr der Überteuerung aufgrund nicht vorhandener Vergleichsmöglichkeiten. Im Zweifelsfall muss diese der eigene Gaumen liefern. So gibt es z. B. bei einem Schweizer Weinhändler eine spezielle und selbstverständlich teurere Abfüllung des ‚Neckenmarkter‘ Blaufränkisch vom Weingut MORIC unter der Bezeichnung ‚Selection‘ ergänzt um den Nachnamen, die qualitativ eher unterhalb des normalen Zweitweins anzusiedeln ist. Vielleicht ist dieses Geschäftsprinzip auch Bestandteil der Ausbildung zum MW?

Ganz aktuell ist das Beispiel des Saarrieslings von van Volxem, der bei Mövenpick unter der vermeintlich exklusiven Bezeichnung ‚Saar Riesling Fuder 13‘ vertrieben wird.  Nicht nur, dass dieser Wein sensorisch und laut Aussage des Weinguts identisch mit dem „normalen“ ‚Saar Riesling‘ ist, es sich also ganz offensichtlich um einen reinen Marketing-Gag handelt, wird dieser für den deutschen Markt bestimmte Wein frech in der Schweiz vertrieben. Zwar ist der ‚Fuder 13‘ nicht teurer als der ‚Saar Riesling‘ anderswo, aber wer kann ausschließen , dass es sich im Fall des ‚Saar Riesling Alte Reben Fuder 4dieses Weinhändlers, der immerhin mit stolzem 10% Aufschlag zum „normalen ‚Saar Riesling Alte Reben‘ angeboten wird, nicht genauso verhält?

Ich persönlich halte es immer damit, mir im Fall von mehreren Abfüllungen grundsätzlich die späteste in den Keller zu legen.  In der Regel besitzen diese Weine auch kein Sonder-Etikett, auch wenn es Ausnahmen wie diese gibt. Nur wird dieser Wein aufgrund seines Etiketts nicht verkauft, sondern verschenkt und manchmal auch getrunken.

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