Weingenuss bei T.O.M ®

Oktober 15, 2008

Nachdem ich die letzten Male pausiert habe, gibt Theo Huesmann als Ausrichter der heutigen Etappe der Weinrallye diesmal ein Thema vor, das mir sehr am WeinrallyeHerzen liegt, nämlich „Weingenuss im Restaurant„. Gerade als Freund guten Essens begleitet von mindestens ebensogutem Wein, ohne sich gleich verschulden zu müssen, stoße ich in der hiesigen Gastronomie oftmals auf Unverständnis, Aufschläge von mehreren 100% auf die Einkaufspreise gehören zur Realität. Selbstverständlich lässt sich alles argumentieren, aber nicht mit mir, ich heb‘ mir meine Restaurantbesuche lieber für Reisen nach Südeuropa oder sogar in die USA auf, wo die Weinpreise selten das Doppelte der Ab-Hof-Preise übersteigen. Aber auch in Mitteleuropa findet man positive Ausnahmen zu den sonstigen Usancen, und noch viel mehr.

Schon die Umbenennung des allgegenwärtigen Kirchenwirts, diesmal in Leutschach mitten im steirischen Weinland, in T.O.M ® am Kochen nach der Übernahme vor ca. 2 Jahren lässt viel Ungewohntes und Kreatives erahnen. Das sympathische Credo „Wir greifen nicht nach den Sternen .. – sondern wir leben und arbeiten nach einer Philosophie – Sonne, Mond und Sterne – der Natur so nahe wie möglich – leben auch Sie mit unserer Ideologie..“ findet seine Erwiderung auf der nur als „Grundstruktur des Drehbuches“ verstandenen Speisekarte bzw. in der selbstbewussten kulinarischen Interpretation als „®egionale I avantgarde I cuisine“ der als „ADA“ bezeichneten Alpe – Donau – Adria Region. Der Inhaber Thomas Riederer kocht am liebsten drauf los, und so schwindelt sich zu den mehrgängigen Menüs schnell mal der eine oder andere Gang hinzu, weil der stolze Patron eine spezielle Kreation unbedingt präsentieren will oder es bis zum nächsten Gang des stets frisch zubereiteten Menüs noch länger dauert. Auch fanden wir plötzlich die eine oder andere ursprünglich nicht bestellte Flasche Wein à la maison an unserem Tisch, um sie in Verbindung mit einem speziellen Gericht zu zeigen oder uns einfach raten zu lassen. Und damit sind wir beim Thema „Weingenuss“ à la Tom.

Die Weinkarte ist hier ein begehbares Vinarium im Halbkeller, in dem jeder seine Auswahl selbst zusammenstellen kann. Zuletzt passierte mir das auf Kosten des gleichzeitig gereichten Aperitifs, so spannend gestaltete sich die Auswahl. Passend zum o.a. kulinarischen Motto sucht man die meisten überteuerten STK-Weine allerdings vergeblich – die findet man besser beim nahegelegenen und zum Polz’schen Imperium gehörigen Kreuzwirt samt dem üblichen Aufschlag. An deren Stelle tritt für den aufgeschlossenen Weinfreund eine einzigartige Auswahl wirklicher, fast antisteirischer Terroirweine als wilkommene Antipode zu den vielen Primärfruchtbomben aus der Turbo-Steiermark. Viele dieser Trouvaillen stammen aus der nächsten Umgebung von Leutschach, ohnehin als Enklave naturnah und biodynamisch arbeitender Betriebe bekannt, wie zum Beispiel die nachhaltigen Gewächse von Sepp Muster oder Roland Tauss im Ortsteil Schloßberg, Karl Renner am Pößnitzberg, oder der Brüder Ewald (Weingut Werlitsch) und Andi Tscheppe in Glanz. Aber auch manche Rotweine aus der vor allem als Weißweinregion bekannt gewordenen Südsteiermark lohnen einen Versuch, wie z.B. die Sausaler Unikate von Karl Schabel. Auf der sicheren Seite freilich ist man mit den immer empfehlenswerten Roten des im Burgenland fremdgehenden Oststeirers Günther Schönberger oder dem einen oder anderen spannenden Italiener.

Apropos, beim letzten Mal stellte uns Toms Ehefrau Katarina eine verstaubte Flasche ohne Etikett – der Hauptgang war noch nicht so weit, der Weißwein schon leer – als Ratespielchen auf den Tisch. Schnell einigten wir uns auf einen reifen Merlot aus Friaul, Merlot war richtig, Süden auch, der Wein stammte jedoch aus Bosnien! Auch solche unerwartete Erlebnisse tragen zur Vorfreude auf meinen nächsten Besuch bei.

Abschließend noch zur mehr als fairen Kalkulation der Weine, eingangs vielerorts als Übel festgestellt. Alle angebotenen Weine gibt’s zum Ab-Hof- bzw. EK-Preis plus einigen Euro als Korkgeld (zu Beginn waren es 5,-!), ein Modell, das den Weingenuss zum erschwinglichen Genuss macht und auch das Mitbringen eigener Weine, ja sogar der Winzer, problemlos zulässt. Ein Glas bleibt dann auch für den Wirt, quasi als Revanche für manche kostenlose Zugabe.

Bildquelle: T.O.M ® am Kochen

2 Responses to “Weingenuss bei T.O.M ®”

  1. HeinzGründel Says:

    Ein wunderbarer Beitrag, der ein Problem anspricht, das mich schon lange ärgert.


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