Einträchtige Sturheit

Oktober 19, 2008

Lange blieb es ziemlich ruhig um die hier diskutierte Trainerdiskussion in Frankfurt, bis eine erneute, mich wenig Friedhelm Funkelüberraschende Heimniederlage gestern gegen eine durchschnittlich aber effizient auftretende Leverkusener Werkself neue Dynamik entfachte. Alles spricht nun dafür, dass Friedhelm Funkel in 3 Tagen sein persönliches Endspiel erleben könnte – 16 Spiele hintereinander mit nur einem einzigen Sieg ohne erkennbare Tendenz zum Besseren und ein Platz am Tabellenende kann auch kein noch so nibelungentreuer Eintracht-Verantwortlicher mehr verdrängen.

Und dieses absehbare Endspiel hätte man sich von Vereinsseite sparen können, ja müssen. Wer konnte denn wirklich von einem Sieg gegen die spielstarken Leverkusener ausgehen? Wäre es nicht besser gewesen, einen Trainerwechsel in der zurückliegenden 14-tägigen Länderspielpause zu tätigen, um dem Neuen eine vernünftige Einarbeitungszeit zu gewähren? Thomas von Heesen ist genau daran letzte Saison in Nürnberg gescheitert, als er nach einem fast unmöglichen Auftaktprogramm jeglichen Vertrauensvorschuss einbüßte, ganz abgesehen vom niemals eingetretenen Trainereffekt. Nochmals würde er diesen Fehler nicht begehen, daher fällt einer meiner ursprünglichen Favoriten für die kurzfristige Übernahme des Traineramts aus, zumal sich die Parallelen zum letzjährigen Clubberer Schicksal weiter verdichten würden. Es blieben als realistische und kurzfristige Alternativen Volker Finke, Mirko Slomka oder Thomas Doll, sicher keine Wunschkandidaten von Vereins- und Fanseite.

Selbst wenn am Mittwoch das Nachholspiel gegen den Karlruher SC gewonnen und die Hinrunde mit Ach und Krach irgendwie überstanden wird, sprechen mehrere Faktoren für eine Ablöse, zumindest aber für eine Nicht-Verlängerung des Vertrags des insgesamt verdienten Übungsleiters in der Winterpause: die Mannschaft spielt zunehmend unattraktiver, mit erkennbaren Auswirkungen auf den Zuschauerzuspruch, insbesondere ein Rückgang des zahlungskräftigen „Business“-Publikums hätte massive wirtschaftliche Konsequenzen. Eine sportliche Weiterentwicklung ist weder in mannschaftlicher Hinsicht noch bei vermeintlich talentierten Einzelspielern wie Toski, Caio oder Ljubicic erkennbar, im Gegenteil, Funkel setzt weiterhin auf bekannte aber limitierte Urgesteine wie Nikolov, Köhler oder Spycher. Auch der trügerische neunte Platz zum Ende der abgelaufenen Saison war eher Ergebnis der Schwäche anderer Vereine als eigener Stärke. Zur Winterpause, spätestens aber ab der kommenden Saison könnte ein unverbrauchter, perspektivischer Trainer engagiert werden, spontan fallen mir Jürgen Seeberger von Alemannia Aachen oder sogar Frank Leicht aus der eigenen U23 ein, aber bis dahin wird sich das Trainerkarussell ohnehin weitergedreht haben. Vielleicht auch in Frankfurt.

Bildquelle: dpa

5 Responses to “Einträchtige Sturheit”

  1. Michael Says:

    Auf den Punkt gebracht! Ob’s die Eintracht-Verantwortlichen auch so sehen?

  2. pivu Says:

    Die Eintracht Intimi Ingo Durstewitz und Thomas Kilchenstein der Frankfurter Rundschau sehen es heute schon mal genauso: „Endzeitstimmung in Frankfurt„. Auch hier ist von endlicher Nibelungentreue die Rede, auch hier wird ein zu langes Festhalten an Altbewährtem in Frage gestellt.

  3. dunjunzz Says:

    Ehrlich gesagt hielte ich Volker Finke schon für eine ziemlich gute Entscheidung. Zwar nicht jung aber modern, kann aus vgl. wenig ziemlich viel machen und lebt -wie z.B. T. Doll, der zwar eine (recht bescheidene) Eintracht-Vergangenheit hat- nicht nur von Durchhalteparolen und Platitüden. Ein weiterer großer Vorteil von ihm wäre – sollte er überhaupt an einem Engangement in der Bundesliga interessiert sein- daß er ziemlich sicher käme, weil er`s noch mal wissen will und nicht um sich nochmal für höhere Aufgaben zu empfehlen.

  4. pivu Says:

    Mit mehr Glück und Verstand wurde die Trainerdiskussion in der 91. Minute heute erstmal abgewendet – Finke & Co bleiben Eintracht erst mal erspart und Heribert Bruchhagen hat alles richtig gemacht. Wenn Funkel jetzt noch mit richtigem Torwart, also Pröll statt Nikolov spielt und auch die Vereinsführung zur Winterpause erkennt, dass es besser ist, Funkels Vertrag nicht zu verlängern, kann’s wieder aufwärts gehen.

  5. pivu Says:

    Leider haben sowohl Vorstand und Aufsichtsrat anders gehandelt und Funkels Vertrag erneut verlängert, mit der Konsequenz, dass sich die Eintracht nach verkorkstem Rückrundenstart wieder mal im Abstiegskampf befindet. Friedhelm Funkel wird wohl nur gemeinsam mit Heribert Bruchhagen gehen. Warum nicht einen Siegertyp und Eintracht-Urgestein wie Thomas Berthold als Manager holen und den erfolgreichen Perspektivtrainer der U23 Frank Leicht befördern?


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