Print vs Web

Januar 21, 2009

Es ist eines der aktuellsten und gerade am heißesten diskutierten Themen in der Welt der deutschen Weinmedien. Mario Scheuermann berichtet hier erneut von vernichtenden Auflagenzahlen führender Weinmagazine, und auch sein Kollege Eckhard Supp stieß hier und hier jeweils spannende Diskussionen an. Dazu tun die derzeitigen Verkaufsgerüchte um Vinum ihr übriges. Auf der anderen Seite belächeln etablierte Printmedien den unaufhaltsamen Trend zu Webzines, Blogs oder Twitter in einer nur schwer zu übertreffenden Arroganz.

Dabei versteh‘ ich das ganze Gezänke vom Niveau „Wer ist der schönste im ganzen Land“ oder „Wer hat den längsten …“ ohnehin nicht. Vielleicht liegt’s ja in in der Natur des Webs oder derer Verfechter, dass erstmal das eigene Revier abgesteckt wird, um dann zum Frontalangriff auf konkurrierende Plattformen überzugehen. Gerade in der Online-Szene gewinne ich immer öfter den Eindruck, dass sich die dortigen Platzhirschen lieber untereinander bekriegen als verbünden. Dabei wäre ein Mit- statt Gegeneinander für alle Beteiligten, vor allem für die Endkunden, in dem Fall die am Wein Interessierten, allemal besser.

Beide Kanäle bieten unbestreitbare Vorteile, und zwar über einen überschaubaren Zeitraum hinaus. Hier die Aktualität des Webs mit allen Möglichkeiten zur Interaktion, dort eine inhaltlich wie optisch hochwertige Nachbereitung. Daran wird sich so schnell auch nichts ändern, wenn diese USP’s und Spielregeln eingehalten werden. Tagesaktuelle aber minderwertige Print-Produktionen sind kommerziell genauso wenig erfolgsversprechend wie der Versuch einer 1:1 Online-Abbildung eines Hochglanzmagazins. Schließlich konsumiere ich meinen Krimi auch noch in gebundener Form und nicht via Notebook oder iPhone.

Geradezu miserabel ist die Einbindung von Werbung in der Online-Welt, sei es in Form störender Banner oder optisch schmerzender Bildchen. Ein ohnehin auf äußerst wackeligen Beinen stehendes Geschäftsmodell, Ballermann statt Cannes sozusagen. Wer will für die Platzierung seines verlinkten Logos neben anonymen Google-Klicks schon Geld bezahlen? So richtig viel verdienen lässt sich damit ohnehin nicht, also lässt man’s lieber ganz bleiben. Nicht umsonst gibt es in der Weinszene die Initaitive sogenannter Ad-free Blogs, und das sind beileibe nicht die schlechtesten. Warum investieren auf Einnahmen angewiesene Autoren nicht in ihr wichtigstes Asset, in journalistische Qualität und verkaufen content statt Werbeflächen?  Die weltweit erolgreichsten Weinprofis wie Robert Parker oder Jancis Robinson tun das schon längst. Online und gedruckt!

6 Responses to “Print vs Web”

  1. Thomas Says:

    Ohhhohoho, sehr gute Fragen die du da aufwirfst. Ich warte jetzt einfach mal, ob sich jemand traut dir auf deine Fragen eine Antwort zu geben. Ich bin im Moment so blendend gelaunt, dass ich mir diese Laune nicht verderben mag mit Streitereien.

  2. Charles Says:

    Das sind tatsächlich gute Fragen, aber eigentlich ist es ganz einfach. Da es sich beim Wein um eine Handelsware handelt, sind kommerzielle Ambitionen nicht selten. Hinzu kommt, dass der zu verteilende Kuchen, bei aller Vielfalt, doch recht überschaubar ist. Da wird der Andere schnell mal zum Kongurenten und im besten Falle ignoriert. Und diese Linie verläuft nicht nur zwischen Print und Web, sondern quer durch alle Weinmedien.

  3. pivu Says:

    Niemand hat was gegen kommerzielle Ambitionen, im Gegenteil. Es sind vor allem 2 Dinge, die mich stören oder wundern und die es zu verbessern gibt. Das ist erstens diese permanente qualitatitive Diskussion, in der jede Seite von ihrem Ansatz überzeugt ist und die jeweils andere Seite angreift, anstatt dass versucht wird, einander zu ergänzen, die jeweils andere Seite als Chance zu begreifen, um bestimmte Themen und Inhalte von einem Medium auf das andere sinnvoll zu verlagern bzw. dort zu ergänzen. Und zweitens hege ich ganz erhebliche Zweifel an einem seriösen Online-Geschäftsmodell, dessen Inhalte zu 100% for free angeboten werden und das primär auf Werbeeinnahmen beruht.

  4. pivu Says:

    In die gleiche Kerbe schlägt heute übrigens Heinz H. Behrens mit seinem Beitrag und seiner Aufforderung „Weinmedien – Print und Online besser verzahnen!„. Fazit: besser mit- statt gegeneinander.

  5. Eckhard Supp Says:

    Prima: Ich schlage eine gemeinsame Konferenz der Onliner über Kooperationsmöglichkeiten vor, gern auch verbunden mit einer kleinen Verkostung (bei mir stehen die Flaschen des Etikettenwettbewerbs). Ort: Hamburg (die Kosten für die, die anreisen müssen, können wir teilen). Zeit: 2. Februar-Woche. Thema: Mit- statt gegeneinander – Kooperation oder Fusion?

  6. pivu Says:

    Die nächste Print-Leiche: nach Vinum, AüW und Gault-Millau verschwindet demnächst der Wein-Gourmet vom Markt! Keine Angst, dieses Blog wird überleben, auch ohne Werbung.


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