Blaufränkisch made in Germany

Februar 8, 2009

Blaufränkisch vs Lemberger, reizvoll und doch langweilig zugleich, noch immer gingen die Burgenländer bei solchen Vergleichen Blaufränkisch und Lemberger 0902als Sieger hervor, auch ohne „AuWi„-Doping. Auch deshalb war ich gegen eine weitere Auflage einer solchen Blindprobe eines befreundeten Weinhändlers, vielmehr interessierte mich der eine oder andere ausgewählte Vertreter aus Deutschland im kritischen und nachhaltigen Vergleich mit einem Referenzwein aus Österreich. Letztendlich verkosteten wir aus Baden eine Vertikale (05, 06, 07) des ‚Lemberger‘ von Zalwander und den ‚Thymos‘ von Alexander Laible aus Baden, aus Burgenland den burgundischen ‚Neckenmarkter‘ von Moric und den bordeauxhaften ‚Oberer Wald‘ von ET, jeweils aus 2006.

Der Veranstalter hat hier schon ausführlich berichtet, daher will ich mich auf meine Highlights an diesem Abend beschränken. Und dazu zählte für mich doch überraschend ein Blaufränkisch Lemberger aus Deutschland. Überraschend deshalb, hatte ich doch aus der letzten Begegnung mit dem badischen Miniaturweingut Zalwander dessen Spätburgunder als unfein und zu holzlastig in Erinnerung. Doch der Lemberger scheint den rustikalen Stil des Hauses deutlich besser wegpacken zu können, wie sich vor allem am gereifteren 05er zeigte. Doch der Reihe nach, waren doch alle verkosteten Jahrgänge in sich stimmig.

Zalwander Vertikale 05 / 06 / 07Den Anfang machte eine vielversprechende Fassprobe ‚Lemberger‘ aus 2007. Diese war zu Beginn freilich noch vom Holz dominiert, das sich im Laufe der Zeit zusehends besser einband und im Mix mit roten Beeren und Schlehen eine sehr attraktive und vor allem undeutsche Nase ergab. Im Mund noch etwas ungestüm mit erkennbarem Potential zu einem feinen Wein, der seinen Vorgänger überflügeln könnte. Dabei zeigt sich gerade der 06er schon sehr offen und extrovertiert. In der Nase dominieren rote Kirschen und Himbeeren, der ähnlich rotfruchtige Gaumen präsentiert sich ungeheuer fleischig, gestützt durch Holz- und erdig-mineralische Noten. Ein Blaufränkisch aus Deutschland, der an den 90 Punkten kratzt, wer hätte das gedacht? Stilistisch, aber auch jahrgangsbedingt anders aber nicht schlechter zeigt sich der letzte Wein dieser kleinen Vertikale: der 05er wirkt deutlich kühler, mit dunklen und auch komplexeren Aromen nach Schwarzkirschen und Brombeeren gepaart mit viel Würze. Ein typischer Nordwein, noch am ehesten als Deutscher Wein erkennbar, wenn auch auf hohem Niveau.

Musste sich diese Serie vor Österreichs mittlerweile „pensioniertem“ Großmeister Ernst Triebaumer und seinem Klassiker ‚Oberer Wald‘ keineswegs verstecken, fand sie doch in Roland Velichs Moric  ‚Neckenmarkter‘ 2006 ihren Meister. Das ist einer derjenigen Blaufränker einer neuen Zalwander und Moric 2006Generation, der schon niemand geringeren als David Schildknecht zu Lobeshymnen hinriss. Was mich an Rolands Weinen immer wieder begeistert, ist deren ungeheure Harmonie. Auch hier sind die Grenzen zwischen Nase und Gaumen fließend, getragen von sehr präzisen Aromen nach kleinen Kirschen, Kirschhaut und Lakritz. Ein wunderbarer Spannungsboden zwischen saftig und fein, zwischen trinkig und komplex. Edles Understatement mit ansatzweise seidiger Mineralik. Fairerweise muss man feststellen, dass dieser Wein mittlerweile auch um ein Drittel teurer als der badische Vertreter ist.

Ich bin jedenfalls auf die weitere Entwicklung der Zalwander-Lemberger gespannt. Zumindest die graphische Gestaltung der Etiketten lässt durchaus Parallelen zu Moric erkennen.

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