Fish ’n‘ Zin

Februar 12, 2009

Nach längerer Zeit bin ich diesmal wieder Pilot unserer Weinrallye, immerhin ist’s schon die 20. Etappe. Das diesmal sehr anspruchsvolle Thema lautet „Wein zum Fisch, aber nicht weiß und trocken“Weinrallye, organisiert von Wolf Hosbachs Blog Hausmannskost. Nun, unter „Kost für Hausmänner“ verstehe ich zwar nicht unbedingt gehobene Fischküche mit exotischer Weinbegleitung, andererseits was mögen kochambitionierte Männer lieber als Grillen, und das geht auch mit Fisch. Noch dazu, wenn einem die Drecksarbeit am Grill abgenommen wird und man sich auf die Weinauswahl konzentrieren kann. Und da fällt mir eine Anekdote von vor ca. 15 Jahren aus meiner Kalifornienzeit ein.

Es war 1994, der Dollar stand für damalige Verhältnisse unglaublich günstig, und die Renaissance des Zinfandels steckte noch in den Kinderschuhen. Stattdessen schrien die weinverrückten Amis vor allem nach Merlot (!), der „hottest grape on earth“. Sogar die allerbesten Zins kosteten kaum mehr als 15 bucks, es war ein wahres Eldarado für jemanden wie mich, der damals als erst 2. Mitteleuropäer der Zinfandel Advocates & Producers, kurz ZAP genannt, beitrat. (Nummer 1 war ein gewisser Martin Kössler.)  Ich wohnte einige Zeit bei einem guten Freund in Pasadena bei LA – dort, wo übrigens nur wenige Monate später das Finale der damals in den USA ausgetragenen Fußball-WM stattfand -, der gerade sein Postdoc Studium am renommierten Caltech absolvierte. Und wie’s der Zufall so will, war der Betreiber des institutseigenen Restaurants gut befreundet mit einem gewissen Paul Draper, the man behind und wohl hauptverantwortlich für den weltweiten Erfolg von Ridge, der dort ein- und ausging.

Ridge WinesZwischen Skifahren im „nahen“ Mammoth Mountain und ausgedehnten Weintouren auf den Spuren von Sideways war ich über meinen Gastgeber zu einem exklusiven Barbecue am Caltech eingeladen. Perfekt, dachte ich mir, die Gelegenheit für eine bezahlbare Ridge-Horizontale all seiner Zinfandels zu passendem Essen. (Genau genommen sind es keine Zinfandels, sondern field-blends aus uralten Reben, deren Zinfandel-Anteil variiert.) Der immer freundliche Kellner war zwar sichtlich verwundert über meine Weinbestellung, nicht nur über die Menge (5 Flaschen für 4 Personen auf einmal) sondern vor allem über den Wein an sich (Zin only), doch noch ahnte ich nichts Böses. Stutzig wurde ich erstmals, als an den Nachbarstischen durchgängig Eiskübel mit dem unvermeidlichen Chardonnay aufgefahren wurden, und endgültig, als auch ich bemerkte, dass es bei dieser Grillerei ausschließlich Fisch und Seafood gab! Da saß ich also vor 5 Flaschen Ridge,und zwar ‚Geyserville‘, ‚Dusi Ranch‘ (heute ‚Paso Robles‘), ‚Lytton Springs‘, ‚York Creek‘ und mein damaliger Liebling der oft überreife ‚Pagani Ranch‘.  Harmonierten die burgundischen und himbeerigen ‚Geyserville‘ und ‚Dusi Ranch‘ noch einigermaßen mit Lobster, Turbot und Angler, war spätestens die Tanninbombe ‚York Creek‘ ein No-Go für den zarten Fisch. Ein Himmelreich für ein Steak dachte ich. Letztendlich hab‘ ich dann doch noch eine gelungene, wahrscheinlich typisch kalifornisch-dekadente Kombination kreiert, freilich aus der Not geboren: gegrillter Lobster mit (nachträglich georderter) A1-Sauce (!) zum süßlichen ‚Pagani Ranch‘! Letzterer war tatsächlich weder weiß noch trocken wie in dieser Weinrallye gefordert.

Wenige Jahre später, wohl auch in Erinnerung an den damaligen Reinfall, erwarb seafood-trotterich das neue Kochbuch von Charlie Trotter mit dem vielsagenden Titel „Seafood“, dessen Rezeptfolge nicht nur nach Weinen (!) gegliedert ist, sondern das auch tatsächlich ein eigenes Kapitel „Sangiovese & Zinfandel“ enthält. Die Zubereitung beispielsweise eines „Whole Roasted Moi with Porcini Mushrooms, Tripe and Veal Stock Reduction“ geht dann aber doch über die alltäglichen Kochkünste eines Hausmanns hinaus, sodass ich mich weiterhin mit „Lobster à la Caltech ’94“ bzw. der mittlerweile adaptierten low-budget Version Fish ’n‘ Chips Zin incl. Steaksauce zufrieden gebe. Passt auch zu Amarone oder wenn’s sein muss an heißen Tagen auch zu seriösem Lambrusco!

One Response to “Fish ’n‘ Zin”


  1. […] Schließlich erzählt pivu eine sehr schöne Geschichte, wie er in den USA im Restaurant sitzt, fünf Flaschen Zinfandel für sich und seine Begleiter bestellt hat, um dann festzustellen, dass es nur Fisch zu essen gibt. […]


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