Alles zementiert oder was?

März 3, 2009

Die Eintracht aus Frankfurt durchlebt eine komische Saison. Im Mittelfeld etablieren wollte man sich, mit Tuchfühlung nach oben, doch schon seit Saisonbeginn steckt man im tiefen Abstiegsstrudel. Dabei ist’s noch kein Jahr her, als der damals noch allmächtige Vorstandvorsitzende der Fußball-AG Heribert Bruchhagen stolz verkündete, „Anführer des Mittelfelds“ zu sein und Teams wie Bielefeld, Bochum oder Cottbus endgültig distanziert zu haben. So kann man sich täuschen.

Doch ist der Saisonverlauf wirklich so überraschend? Gerade in dieser Spielserie sind die Ergebnisse der Eintracht weitgehend vorhersehbar. „Alles ist zementiert“, wie Heribert Bruchhagen etwas frustriert zu sagen pflegt, und zwar nicht nur die Plätze 1 – 6, sondern auch das ambitionierte und finanzkräftige Mittelfeld dahinter. Nur eben ohne die Orakeleigene Mannschaft. Gegen in der Tabelle besser platzierte Teams wird ausnahmslos verloren, bestenfalls mal ein Unentschieden erkämpft, schließlich werden im Vorfeld die jeweiligen Gegner noch stark geredet. Vom eigenen Trainer wohlgemerkt, ob das zusätzliches Selbstvertrauen einflößt? Dafür werden gegen die Hinterbänkler aus dem unteren Tabellendrittel in durchwegs unansehnlichen Krampfpartien regelmäßig 3, mindestens aber 1 Punkt eingefahren. Noch gegen keinen anderen Abstiegskandidaten wurde verloren, so soll’s, ja muss es auch nächsten Sonntag beim erneuten Fußball zum Abgewöhnen in Bielefeld sein. Weil man danach wieder leer ausgehen wird gegen die Übermannschaften aus den Fußball-Metropolen Hoffenheim und Leverkusen. Auch Formkrisen unserer Gegner ändern daran nichts, im Gegenteil, es ist schon eine liebgewonnene Tradition, als Aufbaugegner für schwächelnde Mannschaften zu dienen, wie zuletzt für die auswärtschwachen Schalker und Wolfsburger, die beide wie kaum anders zu erwarten ihre monatelangen Pleiten auf fremden Plätzen pünktlich im Waldstadion beendeten.

Irgendwie langweilig das Ganze. Vielleicht sollte man mal eine Niederlagenserie wie letzte Saison zur gleichen Zeit einstreuen? Auch wenn Abstieg freilich „A…. ist“, kann vielleicht ein Herzschlagfinale im letzten Spiel, das später in einem Atemzug mit dem 5:1 oder 6:3 genannt wird, das dafür sorgt, dass jemand wie Benny Köhler ähnlichen Kultstatus wie Jan-Age Fjörtoft oder Alex Schur erlangt, diese verkorkste Saison noch retten. Am liebsten in Form von zwei Relegationsspielen gegen den Lokalrivalen aus Mainz. Heribert Bruchhagen plädiert ja permanent für mehr Spiele, bittesehr. Zu glauben, dass bis dahin oder danach der Trainer in Frage gestellt wird, habe ich längst aufgegeben, „alles ist zementiert“.

4 Responses to “Alles zementiert oder was?”

  1. Michael Says:

    „Zementiert“ ist wohl auch das Trainingsgelände in Frankfurt – wie sonst sind aktuell langfristige Knorpelverletzungen bei 4 (!) Spielern gleichzeitig zu erklären: Preuß, Amanatidis, Spycher und heute kam Vasovski dazu.

  2. pivu Says:

    So, erwartungsgemäß Punkt gegen Bielefeld geholt und trotzdem gilt, „nix ist zementiert“, es beginnt zu bröckeln: Eintracht muss was ändern, um vorwärts zu kommen, Stillstand bedeutet Rückschritt (und vielleicht sogar Abstieg). Ein allein an Prinzipien ordentlichen kaufmännischen Handelns ausgerichtetes Geschäftsgebaren ist zwar vorbildhaft aber im harten Bundesligageschäft zu wenig, wenn viele andere Vereine (Hertha, BVB, H96, FC Köln etc.) erfolgreich (!) dagegen verstoßen und die Eintracht überholen.

    Neben anzupassenden monetären Anreizen müssen künftig auch die sportlichen Perspektiven stimmen, ein Trainergespann um Ralf Rangnick oder Lucien Favre ist für einen talentierten Fußballprofi nun mal attraktiver als ein funkelnder Stoiker ohne Charisma, der in seiner langen „Karriere“ noch nie großartige Erfolge vorweisen konnte und bestenfalls für Mittelmaß, eher für Abstiegskampf steht, und dessen Trainingsmethoden schon mehrfach die Frage hervorgerufen haben, ob diese direkt oder indirekt mit der langen und nicht enden-wollenden Verletztenliste in Zusammenhang stehen. Die positive Ausnahme stellen Torwarttrainer Andi Menger, dem indirekt wohl auch die Verpflichtung von Ralle Fährmann zu verdanken ist, und U23-Trainer Frank Leicht dar. Macht was draus!

  3. onlinethorsten Says:

    Ich bin mal gespannt, ob wir am Wochenende wieder ein Aufbaugegner sein dürfen.😉 Die Spiele in Leverkusen sowie gegen Hoppenheim haben mir allgemein Hoffnung gemacht, das übermorgige Spiel hingegen wird aber mit Sicherheit ganz anders verlaufen. Mit einer 0:3-Niederlage bin ich schon zufrieden.

  4. pivu Says:

    Bayern ist vielleicht mit einem 0:3 zufrieden, das wäre immerhin ein Fortschritt gegenüber den 1:5- und 0:4-Klatschen.

    Im Ernst, wenn nicht jetzt, wann dann. Ich erwarte Heimspiel-Atmosphäre mit ca. 10.000 lautstarken Eintracht-Fans in der Allianz-Arena, ähnlich wie zuletzt in Düsseldorf, auf der anderen Seite knapp 50.000, die die Heimmannschaft incl. Trainer schonungslos auspfeifen werden. Schon im Hinspiel haben wir ein sehr gutes Spiel gemacht und mehr als unglücklich verloren. Bayern wird froh sein, wenn sie heuer noch irgendwie in den UEFA-Cup rutschen, mehr trau‘ ich dieser verunsicherten und führungslosen Truppe nicht mehr zu. Ausser wir bauen sie auf, aber ich seh‘ keinen Grund, wir müssen einfach so wie gegen Leverkusen auftreten. Es hätte doch was, wenn gerade wir Klinsmann den Dolchstoß versetzen.


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