Der Rebell vom Stolzenberg

April 13, 2009

Reinhard Löwenstein und Conny präsentierten vorletztes Wochenende den aktuellen Jahrgang. 2007 wohlgemerkt. Die komplette Serie war begeisternd wie immer, was sag‘ ich, es ist die durchgängig beste Kollektion, die Reinhard jemals auf die Flasche gebracht hat. Groß sind der wie immer subtile ‚Uhlen Laubach‚ (94), ein Montrachet von der Terrassenmosel, und der kompakte ‚Uhlen Rothlay‚ (94+), flüssig-mineralisches Rhabarber-Quittengelée vom stolzenbergfeinsten. Besonders angetan hat es mir diesmal aber ein anderer Wein, ein Wein, der polarisieren wird, der so etwas wie das schwarze Schaf der famosen Kollektion darstellt: der ‚Stolzenberg‚! Schon 2005 war dieser damals zu Unrecht unterschätzte Wein einer meiner Jahrgangsfavoriten, 2006 fiel er den Witterungsverhältnissen zum Opfer, um 2007 wieder zu kommen, mit eigenem, anderem und damit unverwechselbaren Profil. Ein Profil, das Reinhard beiden Weinen von Hatzenport erst nach und nach angedeihen ließ.

Der Wein ist untypisch Löwenstein, nämlich ohne jegliche extrovertierte fruchtig-mineralische Nase, alles andere als charmant, und setzt im Mund noch was drauf: das Zeugs ist knochentrocken!!!  Tatsächlich, dies ist der wahrscheinlich erste Wein von Reinhard Löwenstein, der durchgegoren ist. Hardcore statt lecker, ein kompromissloser Riesling für Freaks, ein wahrlich revolutionärer Wein vom Revoluzzer.

‚Stolzenberg‘ 2007
Weingut Heymann-Löwenstein, Winningen, Mosel

Stolzenberg 07 und Zalto UniversalIn der Nase dezente, sehr präzise, vollreife Marillenfrucht mit steinigem Kern, im Mund wartet eine eine erdige Attacke ohne Vorwarnung, um die mühsam erschnüffelte Frucht wieder wegzuspülen, was bleibt, ist pure, salzige Mineralität, und zwar sehr lange. So lange, dass man daran Gefallen findet, um dem Wein schließlich komplett zu verfallen. Damit ist er bei aller Eigenständigkeit doch wieder schön und sinnlich. Ein puristischer, monolithischer Riesling, der seine Identität gefunden hat (92+).

Bildquellle: Wg. Heymann-Löwenstein

2 Responses to “Der Rebell vom Stolzenberg”

  1. Armin Says:

    Ich hätte mir fast denken können, dass Dir dieser Wein gefällt, als ich den Wein im letzten Herbst probieren konnte, war er gar nicht meiner. Im Gegensatz dazu gefiel mir sein Hatzenporter Pendant Kirchberg in diesem Jahr ungemein, deshalb auch zum ersten Mal ein Hatzenporter bei uns im Programm.

    Für mich ist nach wie vor der Kirchberg auch der aktuell „schönste“ 2007er, so saftig, so animierend, so trinkig, den nächsten Schluck fordernd, dass eine Flasche ruck zuck leer ist. Vielleicht zu hedonistisch? Ach was zu lecker kann gar nicht sein beim Wein!

  2. pivu Says:

    Vor etwas mehr als 2 Jahren hab‘ ich gemeinsam mit Reinhard bei ihm den 05er ‚Stolzenberg‘ und ‚Kirchberg‘ parallel verkostet. (Damals als Apéro zu Andreas Barths Geburtstag.) Auch für Reinhard war der ‚Stolzenberg‘ der klar bessere Wein und er konnte anderslautende Bewertungen nicht nachvollziehen. Der 07er ‚Stolzenberg‘ ist wieder anders, puristisch, straight und weniger hedonistisch. Ich hoffe, er behält dieses Profil über die nächsten Jahrgänge bei.

    Mein Favorit war übrigens der enorm vielschichtige ‚Uhlen Laubach‘.


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