Kaiserliche Pflanzerei

Mai 16, 2009

WienWein Schönbrunn; © Helene Waldner6 Millionen Touristen jährlich können nicht irren: Schönbrunn steht für Maria Theresia, die Farbe Gelb oder den ältesten Zoo der Welt. Demnächst könnte auch Wein, ganz genau die lokale Spezialität Gemischter Satz, von der Slow-Food-Stiftung für Biodiversität immerhin als „Präsidio“-Produkt ausgezeichnet, im gleichen Atemzug genannt werden. Das war sicher nicht nur ein Hintergedanke der 4 WienWein-Winzer, die ihre Vision der Wiederbelebung eines ehemals historischen Weingartens im Schloßpark vor 5 Tagen endgültig realisierten.

Wein wächst neuerdings nicht mehr im Weinberg sondern auf einem archtektonisch reizvoll angelegten strahlenförmigen Halbrund. Dies hat mit Weinkultur und Kellerromantik ähnlich Stock 324viel gemein wie die teils futuristisch anmutenden archtektonischen Exzesse, die als Betriebsgebäude vieler namhafter Winzer hierzulande dienen. Wenigstens dies blieb den Schlossverwaltern erspart, wobei letztere wenigstens ihren Zweck erfüllen, was man von einem Mini-Weingarten mit initial vielleicht 200 Flaschen Ertrag kaum behaupten kann. Auch die Genehmigung zur Anlage des allerersten Weingartens im 13. Bezirk auf höchst durchschnittlichem dafür umso teurerem Boden war kein größeres Hindernis, auch wenn anderswo Rodungsprämien fürs Brachlegen von teilweise Premiumlagen kassiert werden, „Wien ist anders“. Als Alt-Hietzinger macht mich das sogar ein bißchen stolz und so übernahm ich gerne die Patenschaft von einem der 1000 ausgesetzten Weinstöcke.

Dabei entpuppt sich diese Pflanzerei im doppeldeutige Sinn als genialer Marketingcoup: die Vermarktung von 200, später vielleicht 500 Flaschen Wiener Wein wird wahrscheinlich einem guten Zweck zugute kommen, die Besichtigung des „Liesenpfennig“, Liesenpfennigso der Name des Weingartens, wo bereits vor mehr als 200 Jahren Wein angebaut wurde, wird zum Must jedes Schönbrunn-Besuchs und die den Weingarten umgebenden historischen Gebäude eignen sich bestens für Wein-Events aller Art. Diese Umwegrentabilität wird dem österreichischen Wein insgesamt und dem Wiener Gemischten Satz im besonderen in noch nicht abschätzbaren Aumaß zugute kommen.

3 Responses to “Kaiserliche Pflanzerei”

  1. Michael Says:

    Ich seh‘ schon das K.u.K.-Etikett – mit einem Sissi-Porträt drauf.

  2. Hans Peter Says:

    Da können sich die Touristen im Herbst ihre selbst mitgebrachte Jause ein bisserl aufbessern;-)

  3. pivu Says:

    @Hans Peter: no chance, Fritz Wieninger sagte in der Pressekonferenz (zum dann alljährlich stattfindenden Lesefest): „Dort wird alles erlaubt sein, nur nicht das Essen der Trauben“.

    @Michael: das wird wohl auch die Idee eines japanischen Interessenten gewesen sein, der exklusiv die gesamte Ernte abnehmen wollte. Auch hier: no chance, nix kriegt er lt. „Richie“ Zahel.


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