Auslandsösterreicher – Nein Danke!

November 4, 2009

Keine Sorge, das wird kein ganz persönliches Klagelied eines Österreichers in Deutschland. Vielmehr fühle ich Mitleid mit hierzulande immer bekannter werdenden balltretenden Landsleuten, deren Leistungen in der Heimat nicht wirklich anerkannt werden.

Da wäre vor allem Andreas Ivanschitz zu nennen, von dem das deutsche Fachmagazin kicker schon als der „rot-weiß-rote Ballack“ schwärmt. Der Mainz-Legionär steht zum bereits 4. Male in der „Elf des Tages“ und führt die Scorerliste der deutschen Bundesliga überlegen an.  Ivanschitz in MainzNicht wenige bezeichnen ihn als Führungsspieler, der auch bei einem deutschen Top-Klub landen könnte. Nur für den Kader der österreichischen Nationalmannschaft scheinen seine Leistungen nicht auszureichen. Dort spielen vornehmlich kaum der Pubertät entwachsene „Burschen“, die in der alpenländischen Operettenliga laut Rapid-Trainer Peter Pacult „zweimal mit dem Hintern wackeln“, aber „noch weit weg vom Nationalteam“ sind. Ein Phänomen übrigens, das in Deutschland genauso zu beobachten ist, Bundestrainer Jogi Löw scheint auch dem Jugendwahn zu erliegen. Sehr zum Leidwesen von Bayern-Manager Uli Höneß setzt auch er lieber auf den talentierten (Bayern-)Nachwuchs statt auf einen in dieser Saison in bestechender Form befindlichen Stefan Kießling von Tabellenführer Leverkusen. Wahrscheinlich ist Andreas Ivanschitz, der im zarten Alter von 19 immerhin schon die Kapitänsbinde der österreichischen Nationalmannschaft trug, mit 25 Jahren einfach schon zu alt. Es wird Didi Constantinis Geheimnis bleiben.

Anders gelagert ist der Fall bei Ümit Korkmaz, der allerdings für ähnliche Aufregung in Fußball-Österreich sorgt. Wieder einmal einen wahrlich großen Coup meinte Eintracht Frankfurt gelandet zu haben, als es ihr in einer Nacht- und Korkmaz auf KrückenNebelaktion kurz vor der vergangenen EM gelang, den dort als Held gefeierten Flügelflitzer verpflichten zu können. „Üüümit“ hallte es danach nur noch selten, weder im Frankfurter Wald-, noch im Wiener Prater Ernst-Happel-Stadion. In die Schlagzeilen schaffte er es dafür mit anderen typisch männlichen Tugenden, nämlich seinen durchaus verbesserungswürdigen Grill- und Fahrkünsten. Ein zweimaliger Mittelfußbruch jeweils zu Saisonbeginn erschwerte dem Pechvogel den Sprung in die Stammelf zusätzlich. Endgültig kochte die patriotische Seele hoch, als der pfeilschnelle Türke Österreicher an einem Wochenende für die U23 auflief, statt zumindest im Kader der 1. Mannschaft zu stehen. Dabei sollte er dort Spielpraxis sammeln, was zwar gelang, ohne allerdings weiter auf sich aufmerksam machen zu können, war der ehemalige „Käfigkicker“ auch bei der „kleinen“ Eintracht schwächster Spieler auf dem Platz. Das wollte man freilich in der neutralen Alpenrepublik nicht wahrhaben, „der ahnungslose Skibbe, der noch nie was erreicht hat“ war noch einer der harmloseren, in diesem Fall auch falschen Kommentare.

Egal ob man es also schafft oder nicht in der großen Fußballwelt, Fremdarbeiter haben es schwer, in der Heimat auf sich aufmerksam zu machen. Vielleicht ist es auch ein in der Post-Haider-Ära immer mehr an Einfluß gewinnender HC Strache, der bei verlorenen Söhnen mit nicht unbedingt deutsch klingenden Namen sein Veto einlegt. Entsprechend ist es auch mehr als nur ein Gerücht, dass Ümit Korkmaz wieder mit seinem Stammklub Rapid in Verbindung gebracht wird. Wo übrigens ein anderer Ausnahmespieler, der gerade erst 20-jährige Yasin Pehlivan, ebenfalls vor dem Absprung in die deutsche Bundesliga oder Serie A steht. Und dem damit ein ähnliches Schicksal droht wie den beiden Italien-Legionären Jimmy Hoffer oder Marko Arnautović, die die  Spiele ihrer zugegeben großzügigen Arbeitgeber Woche für Woche von der Tribüne aus erleben dürfen. Also Yasin, hör‘ ausnahmsweise auf Herrn Strache und „Bleib dahaam, Pehlivan“.

Didi ConstantiniWahrscheinlich muss man es erst bei einem Verein wie Bayern München schaffen, der zumindest bis gestern noch zu den Favoriten der diesjährigen Champions-League zählte, um ins Blickfeld von Didi Constantini zu rücken. So wie der 17 jährige David Alaba, der es im letzten Länderspiel als jüngster Teamspieler jemals zu Länderspielehren gebracht hat. Da hat der oberschlaue Teamchef wohl die U23 der Bayern mit der 1. Mannschaft verwechselt. Und HC Strache muss auch weggeschaut haben.

3 Responses to “Auslandsösterreicher – Nein Danke!”

  1. pivu Says:

    Mein Aufruf „Pro Ivanschitz“ hat erwartungsgemäß nichts genutzt, Didi Constantini nominierte heute den ÖFB-Kader für das bevorstehende Länderspiel gegen Europameister Spanien. Ohne Andreas Ivanschitz, dafür mit Neapel-Bankdrücker Jimmy Hoffer und dem 17 jährigen David Alaba der U23 von Bayern-München. Alaba spielt übrigens eine vergleichbare Position wie Ivanschitz …

  2. Tamara Says:

    Doch, die össis sind cool. nicht so wie die piefkes

  3. pivu Says:

    Ein weiterer verdienter Legionär, nämlich der auch in D nicht unbekannte Martin Stranzl, hat gestern seinen Rücktritt aus dem ÖFB Team erklärt. Differenzen mit, wen wundert’s, Didi Constantini waren ausschlaggebend. Der hingegen freut sich über die „sensationelle Stimmung im Team“. Ob die nach dem zu erwartenden Debakel gegen Europameister Spanien am Mittwoch noch immer vorherrscht?


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