Kommen und Gehen

Januar 28, 2010

Eintracht Frankfurt steht seit der Ära Heribert Bruchhagen bekanntlich für Konstanz und Mittelmaß, ganz im Gegensatz zur launischen Diva aus früheren Zeiten. Jeder Cent wird mindestens zweimal umgedreht, eine Verschuldung im Ausmaß ambitionierter Ligakonkurrenten wird es in der Finanzmetropole nicht geben. Am letzten Wochenende stand in Nürnberg mit Spielern wie Nikolov, Ochs, Preuß, Köhler oder Meier die halbe Zweitligamannschaft von vor 5 Jahren auf dem Platz, und das erfolgreich. Weitere Leistungsträger wie Chris, Amanatidis, Spycher oder Russ tragen seit mindestens vier Jahren den Adler auf der Brust oder gar die Kapitänsbinde. Potentielle Verstärkungen wie Lincoln oder Gekas konnte oder wollte sich die Eintracht nicht leisten, wie der erfolgshungrige Michael Skibbe schon bald frustriert feststellen musste. Auch eine basarhafte Feilscherei wie im Falle des algerischen Stürmers Djebbour machte die Eintracht nicht mit. Doch jetzt am Ende der Wintertransferzeit kommt doch noch Bewegung in die heile schwarz-weiße Welt, überhaupt „nichts scheint mehr zementiert“.

War der Kader zu Saisonbeginn noch viel zu aufgeblasen, darunter mit viel Mittelmaß und noch weniger, gelang es in den letzten Wochen sukzessive, sich von entsprechend unzufriedenen (Nicht-)Spielern zu trennen (Mahdavikia) oder diese anderswo zu „parken“ (Steinhöfer, Bellaid). Bei anderen Kandidaten ohne Zukunft bei der Eintracht (Toski, Heller, Petkovic) ist eine ähnlich schnelle Lösung nicht ausgeschlossen. Andererseits birgt der so geschrumpfte Kader große Risiken wie den kompletten ersten Sturm (Amanatidis, Fenin), weitere Langzeitverletzte (Bajramovic, Vasoski) und regelmäßige Ausfälle (Korkmaz, Chris). Dazu kommen aktuell ein weiterer langfristiger (Schwegler) und endgültiger (Preuß) Ausfall. Und jetzt zieht’s gar den Stamm-Torwart, den „ewigen Oka“ Nikolov, auf seine alten Tage plötzlich nach New York, um ganz im Stil des Kaisers und zur Überraschung aller seine Karriere in Man- statt Mainhattan ausklingen lassen. Big Apple statt Ebbelwoi also, Red Bull macht’s möglich.

Wenigstens konnte der zum Torjäger umfunktionierte Alex Meier ebenso wie Ochs, Chris oder Amanatidis zuvor in der Winterpause langfristig an den Verein gebunden werden. Und auch die vor wenigen Tagen noch für unmöglich gehaltene Verpflichtung des bundesligaerfahrenen türkischen Nationalspieler Halil Altintop wurde heute bekannt gegeben, parallel mit dem tragischen Karriere-Aus von Christoph Preuß. Schon eine Woche zuvor wurde mit dem kompromisslosen US-Nationalpieler Rico Clark der legitime Nachfolger von Ex-Kapitän Jermaine Jones verpflichtet, als hätte man die Ausfälle von Schwegler und Preuß bereits geahnt. Und vielleicht passiert ja noch etwas Eintracht-Untypisches bis zum Montagabend, wer weiß es schon? Finanzielle Mittel sind aufgrund der Verletzungen und Abgänge wieder freigeworden. Warum soll auch nicht versucht werden, das Momentum zu nutzen und den bisher erreichten 7. Tabellenplatz weiter auszubauen und an den internationalen Plätzen anzuklopfen?  Diese Zielsetzung muss mittelfristig, wahrscheinlich schon im Sommer, ohnehin ausgegeben werden, sonst wird auch ein erfolgsverwöhnter Michael Skibbe schneller gehen als er gekommen war.

2 Responses to “Kommen und Gehen”

  1. Michael Says:

    Das sind wirklich geniale Entwicklungen bei der Eintracht: sogar für den Fliegenfänger im Tor könnte es noch Ablöse geben, genauso wie vielleicht für Sturm-Opa Liberopoulos. Halil Altintop ist IMO ein Riesen-Coup, in dieser Rückserie vergleichsweise ein Schnäppchen, nachdem ein Teil seines 3-Millionen-Gehalts wohl von Gazprom Schalke im Rahmen des Aufhebungsvertrags bezahlt wurde. Und er muss und wird mehr als überzeugen, will er auch in der nächsten Saison eine Alternative für uns oder für andere Vereine darstellen.

  2. pivu Says:

    Naja, die „genialen Entwicklungen“ haben gestern ein abruptes Ende erfahren. Und ausgerechnet gegen einen schwachen, mir total unsympathischen FC. Es bleibt also bei Mittelmaß, und „das ist schön“, findet zumindest Heribert Bruchhagen, im Gegensatz zu seinem höchsten Angestellten, Michael Skibbe.


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