Sideways – Hello Again

April 18, 2010

Zeit wird’s, mein Blog nach anderweitig sehr intensiven Wochen aus dem Winterschlaf zu wecken und auch endlich wieder einmal an unserer Weinrallye teilzunehmen. Vor allem, Weinrallyewenn es um Pinot geht, so lautet nämlich das Thema der diesmal von Iris Rutz Rudel ausgerufenen Etappe. Ausnahmsweise will ich aber nicht über Weine berichten, die ich getrunken habe, sondern über solche, die ich trinken werde. Und zwar im Juli im Wine Country westlich von Santa Barbara, quasi auf den Spuren von Sideways.

Sideways PosterMein Brötchengeber schickt mich also im Sommer in die Gegend südlich von LA, was liegt da näher, diesen ohnehin als Business-Trip getarnten Kurzurlaub um eine zwei- bis dreitägige Weintour zu erweitern. Dabei durchstreifte ich diese Gegend bereits mehrmals intensiv seit Mitte der Neunziger und damit lange vor den beiden von Alexander Payne oscarreif in Szene gesetzten Ungustl’n. Damals freilich noch weniger mit Focus Pinot. Und auch diesmal will ich mich deutlich von Sideways distanzieren. Ich werde also nicht Golf spielen, kaugummikauend touristische Tastings im Rekordtempo absolvieren, samt Gesichtsbad mit einer mit ausgespuckten Weinresten gefüllten Karaffe, und nebenbei einsame Weinladies aufreißen – so lautet zumindest der offizielle Plan. Nur wenn mir zufällig Maya alias Virginia Madsen über den Weg läuft, kann ich freilich für nichts garantieren.

Ich will mich diesmal gezielt des Themas Pinot Noir aus Santa Barbara annehmen und auf die Suche nach dessen Identität begeben. Hilfestellung leisten sollen dabei nicht irgendwelche Großbetriebe mit familienfreundlichen BBQ-facilities am Wochenende, sondern ausgewählte, wegweisende Produzenten, die in Insiderkreisen höchste Wertschätzung genießen. Mein Dank geht hier vor allem an Empfehlungen eines befreundeten Winzers, der selbst längere Zeit in dieser Gegend gelebt hat. Dazu kommt ein alter Bekannter, nämlich Jim Clendenen von Au Bon Climat, dessen Wegstrecke ich nun schon seit 15 Jahren verfolge und der mich auf der vergangenen ProWein prompt wieder erkannte und dessen Weine mich immer wieder aufs neueste überzeugen. Wenn es einen Benchmark in der Region gibt, dann ist es Jim mit seinen europäisch anmutenden weißen und roten Burgundern.

Fast noch mehr freue ich mich über die mir noch unbekannten Weine und Menschen dahinter von Clos Pepe (Wes Hagen) und Brewer-Clifton in den kühlen Santa Rita Hills. Es sind dies 2 vergleichsweise kleine Betriebe, die sich neben Chardonnay ausschließlich dem Pinot noir widmen. Und wenn’s die Zeit zulässt möchte ich auch bei Peter Cargasacchi und Brian Loring vorbeischauen. Um danach überzeugt zu sein, welch kühl-mineralische Elemente südkalifornischer Pinot aufweisen kann, wie präzise Lagencharakteristika zu Lasten überbordernder und konsumentenfreundlicher Frucht herausgearbeitet werden. Oder nicht. Das ganze kann sich also zu einer Weinrallye im wahrsten Sinne des Wortes entwickeln, wobei mein Gebetbuch von vor 15 Jahren in Form einer sehr überschaubaren Loseblattsammlung handgefertigter Skizzen aus dem kalifornischen Weinatlas von Bob Thompson durch ein leicht bedienbares Navi ersetzt werden soll.

Bildquellen: Cineclub, Ken Zinns’ Wine Touring Notes, Clos Pepe, Brewer-Clifton

3 Responses to “Sideways – Hello Again”

  1. Iris Says:

    Danke, für deinen Ausblick auf zukünftige Rallyefreuden, Peter. Da bin ich ja schon jetzt gespannt, welche Entdeckungen uns bevorstehen und wie Dein Urteil nach 15 Jahren ausfällt:-)!

  2. Eline Says:

    Irgendwas mache ich falsch: meine geschäftlichen Amerikareisen führen mich immer nach Illinois, in die grossen Weiten der Prärie – dabei möchte ich auch ein paar Sideways in Santa Barbara erkunden …
    Schön für dich, ich freue mich auf die Berichte!

  3. pivu Says:

    Eigentlich ist’s ja ein incentive, sonst bin ich ja auch „nur“ weiter oben in der Bay-area und kenne Napa, Sonoma, Russian Valley oder auch Santa Cruz mittlerweile viel besser. Jetzt hoffe ich, dass es mit den Terminen auch klappt.

    Du kannst ja beim nächsten Illinois-Trip über Bier aus den Micros jenseits von Miller oder Budweiser berichten …


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