Flower Power St. Laurent (1)

Juni 3, 2010

Überrascht waren wir im ersten Moment schon, als Axel Stiegelmar den Begriff „Hippie-Grape“ als Synonym zu St. Laurent in die illustre Runde internationaler Weinexperten warf. Dabei trifft er damit gleich in zweierlei Hinsicht ins Schwarze. Zum einen ist zwar die Mutter des St. Laurent bekannt, nämlich Pinot noir, nicht aber der die Rebsorte dominierende Vater. Zum anderen ist es seine sehr spezielle Aromatik wilder Beeren wie Wacholder, Heidelbeeren oder Wildkirschen gepaart mit würzig-floralen Aromen ganz im Sinne der 68er Flower-Power Generation, die St. Laurent so spannend macht. Michael Moosbrugger spricht von Österreichs Antwort auf Syrah – würzige und pfeffrige Aromen vereinen sich mit der Eleganz und Finesse des Pinot noir. Eine Beschreibung, die freilich auch für viele Blaufränkische der neuen Generation gültig ist. Ich selbst schuf hier die Assoziation zu einer Art cool-climate-Ausgabe eines Zinfandel-basierten field-blends, freilich mit mehr Säure und weniger Alkohol und Tannin. In jedem Fall ein avantgardistischer Wein für Intellektuelle, der definitiv das Zeug zur 2. großen roten Rebsorte in Österreich hat. Genau das ist der Anspruch des sogenannten „St. Laurent Think Tank“ um Gerhard Pittnauer, Axel Stiegelmar und Hannes Reinisch.

Die ernsthafte über den reinen Genuss hinausgehende Beschäftigung mit St. Laurent begann für mich im Rahmen der ProWein vor mehr als 2 Jahren, als ich zugunsten eines umfassenden Überblicks fast aller österreichischen St. Laurents freiwillig auf die parallel stattgefundene Arrivage-Verkostung des nicht ganz schlechten St. Laurent Think TankJahrgangs 2005 der Union des Grands Crus de Bordeaux verzichtete. Es bedarf wohl wirklich einer gewissen Verrücktheit, um den Zugang zu dieser nicht ganz einfachen Sorte zu finden. Vielen ist diese noch unbekannt, sprechen sie besserwisserisch französisch aus oder meinen, es handle sich um einen Pariser Luxus-Couturier. Schon damals sind mir einige Exemplare engagierter Winzer von der Südbahn Thermenregion, die ich zum Teil noch nicht kannte, mehr als positiv aufgefallen, zuvorderst waren das Leopold Auer und Gerhard Schneider. Ein Fazit war dann auch, dass St. Laurent fast immer der bessere Wein als Pinot noir aus gleichem Haus war. Ein Jahr später haben mich dann vor allem die charaktervollen Einzellagen-St. Laurents der Pittnauers und der puristisch-mineralische und sehr geradlinige Vertreter von Hannes Schuster aus Zagersdorf nicht nur überzeugt, sondern begeistert.

Auch ein gewisser Neid auf das enorme Echo der Premieren-Veranstaltung „Blaufränkisch – Bekenntnis zu einer großen Rebsorte“ vor 2 Jahren war Auslöser ernsthafter Überlegungen einer Gruppe von Winzern, mit St. Laurent ähnliches erreichen zu wollen. Diese Entwicklung mündete zuletzt in den besagten St. Laurent Think Tank, der sich am Vorabend der diesjährigen VieVinum in kleiner Runde im Schwarzen Kameel mit geladenen Weinexperten traf, um aktuelle und gereifte Exemplare zu verkosten, Stilistiken und Jahrgänge zu vergleichen und ein erfolgversprechendes Profil für St. Laurent zu entwerfen. Fazit und Verkostungsnotizen der besten Weine an diesem denkwürdigen Abend sowie anderer überzeugender Exemplare auf der VieVinum demnächst hier.

Bildquelle: Think Monday – Think ATC

3 Responses to “Flower Power St. Laurent (1)”


  1. Freut mich, dass Du gekommen bist! Es war wirklich eine spannende Verkostung!

  2. Carolin Says:

    karl lagerfeld sollte machen eine ysl etikette für sankt laurent, why not?

  3. gottfried Says:

    ich finde auch dass der st. laurent unterschätzt wird.
    ist nämlich eine sorte der zukunft obwohl sie früh reift


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