New Generation St. Laurent (2)

August 17, 2010

Hier also die ersten, längst überfälligen Randnotizen des als offizielle Initialzündung des „St. Laurent Think Tank“ gedachten Dinners im Schwarzen Kameel am Vorabend zur VieVinum. In der Bel Etage dieser Wiener Institution für Leib‘ und Seel‘ trafen einander 9 Winzer mit einer kleinen Anzahl ausgewählter Weinfreunde, fachfraulich und mit letztem Engagement moderiert von Julia Sevenich. Jeder Winzer brachte 2 Weine (aktuell und gereift) ein, um zum einen Bandbreite und Potenzial zu zeigen, zum anderen die Identität des St. Laurents auf dem Weg zur eigenständigen Spitzensorte herauszuarbeiten. Die Weine wurden in einem 2er und 4 4er Flights blind verkostet, gereicht wurden diese zu einem hervorragenden 4-Gang-Menü aus einer der besten Küchen Wiens, die auch nach dem plötzlichen Weggang von Christian Domschütz keinerlei Schwächen offenbarte.

Schon der erste Flight wartete mit einem Paukenschlag auf, es sollten die beiden vielleicht animierendsten Vertreter des ganzen Abends bleiben. Der ‚Haidegrund‘ 07 von Schloss Gobelsburg ist ein klassischer Nordwein mit enormen Trinkfluss, saftige rote Frucht und kühle Mineralik bilden eine perfekter Harmonie. Sein Flightpartner, der ‚Zagersdorf‘ 07 von Hannes Schuster, war eine Spur fülliger und komplexer und damit kompletter, eine ungezügelte Melange von weißem Pfeffer und roten Kirschen erinnern an einen dieser hochmineralischen Syrahs von der nördlichen Rhone. Ganz sicher einer meiner Favoriten an diesem Abend.

Der nachfolgende 4er Flight weiterer St. Laurents aus 2007 hatte es in der Folge nicht leicht, sich zu behaupten. Erneut zeigte sich die Schwierigkeit, in einem nicht einfachen Jahrgang den Holzeinsatz zu dosieren. Der hochgelobte ‚Holzspur‘ vom Johanneshof Reinisch machte seinem Namen alle Ehre, für mich war er zu holzdominant. Der ähnlich rennomierte ‚Vom Stein‘ von Pepi Umathum überzeugte anfangs trotz deutlicher Vanille-Noten mit einem schönen Mundgefühl, wirkte später aber doch etwas rustikal mit austrocknenden Tanninen. Beides typische Verkostungsweine. Den Gegensatz dazu bot die ‚Reserve‘ von Georg Schneider, kein großer Wein, beinahe puristisch aber insgesamt sehr animierend. Ebenso stimmig und charmant präsentierte sich der ‚Rosenberg‘ von Gerhard Pittnauer, ein deutlicher aber auch vordergründiger Heidelbeer-Touch vermengt sich mit floralen (sic) Aromen, am Gaumen recht transparent mit hier weniger Würze und eher zart. Ein St. Laurent für Freaks aus noch sehr jungen Reben, die erst in einigen Jahren anfangen, ihre ganze Identität zu entwickeln, dann aber die Basis für einen der großen St. Laurents Österreichs bilden werden, der seinen heute ambitionierten Preis von 30,- auch wert sein wird.

Ähnlich aufgebaut war das Line-up aus dem großen Rotweinjahrgang 2006, in dem die beiden letzten Vertreter weitere Glanzlichter setzten. Jahrgangsbedingt kommt hier die Sortentypizität noch weniger stark zum Vorschein, die Weine wirken weniger präzise. Den Anfang machte ein alter Bekannter, der ‚Haidegrund‘ von Schloss Gobelsburg, diesmal stärker vom Tannin geprägt und auch eine Spur alkoholischer als sein Nachfolger, hier schlummert sicher noch einiges an Potenzial. Die ‚Große Reserve‘ vom Stift Klosterneuburg wirkte auf mich etwas verwaschen und zu breit angelegt, beliebige Milchkaffee-Aromen überdecken jegliche Sorten- und Herkunftsnoten. Dass ein moderner St. Laurent aus einem reichen Jahrgang auch typisch und animierend sein kann, zeigte die ‚Reserve‘ vom Weingut Juris vorbildhaft: Syrah-typische Schokonase, im Mund saftig, aber eben kein fetter Syrahtyp, sondern herbwürzig und säuregeprägt, vielleicht (noch) etwas kurz im Abgang. Ein ähnlich idealtypischer St. Laurent aus 2006 war die ‚Reserve‘ von Philipp Grassl, diesmal mit weniger Holznoten zugunsten von Anklängen an Veilchen und stärker herausgearbeiteter Mineralik.

Wie sich im weiteren Verlauf die gereiften Exemplare präsentierten, und welche Erkenntnisse man an diesem Abend ziehen konnte, demnächst, und diesmal wirklich demnächst, hier.

4 Responses to “New Generation St. Laurent (2)”


  1. die meisten sehen dann doch im Blaufränkisch die bessere Sorte als StL…
    Der Zweigelt leicht abgeschlagen hat sein Image irgendwie verhaut.

  2. pivu Says:

    Um „besser“ oder „schlechter“ geht’s mir gar nicht, St. Laurent kann DIE Alternative zum Blaufränkisch für einen hochwertigen und authentischen Rotwein aus Ö sein.

    Aus Deiner Sicht des Winzers hast Du sicher recht, Blaufränkisch ist die „bessere“ Sorte im Sinne von „einfacher im Weingarten“, Ertrag, Image etc.. Trotzdem gibt’s ein paar „Verrückte“, die auf St. Laurent setzen, und das ist gut so.

  3. weinfidél Says:

    Leider wird’s dann international nicht ganz einfach werden. Denn, die Mengen sind einfach noch (!) zu gering, um wirkliche Aufmerksamkeit zu erhalten. Als Nische aber, oder auch als Alternative zu PN, sehe ich hier Riesenpotenzial.
    OT: Bin überzeugt, dass der Zweigelt nicht abgeschrieben werden darf. Hatte vorletzte Woche einen Schwarz-Rot 04, der schlicht in jeder Hinsicht ein Leckerbissen war!

  4. Eline Says:

    Interessante Verkostungsnotitzen. Ich bin ein St. Laurent- und Zweigelt-Fan.


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