Wild Thing Altenberg

März 9, 2010

Da meldet sich Madame und sagt, wir hätten plötzlich 12 Kilo Wild von einem befreundeten Jäger aus dem Odenwald bekommen. Und da dieses frisch genossen am besten schmeckt, wurde der Menüplan um die Feiertage zwar etwas einseitig, aber sicher nicht schlechter. Beim dazu getrunkenen Wein sollte jedoch die Vielfalt erhalten bleiben, was trinkt man also zu einem großen Stück Rehrücken? Burgund? Bordeaux? Syrah von der Rhone? Barolo? Oder gar Blaufränkisch? Nichts von alledem, die Wahl fiel auf Riesling! Und die Herausforderung Altenberg Vertikalewurde gar noch größer, als der besorgten Köchin ob der hungrigen Gästeschar der zarte Rehrücken zu knapp erschien und sie diesen kurzerhand gegen ungleich kräftigeres Schwarzwild austauschte. Freilich ohne den Sommelier im Haus zu informieren.

Nun war es war aber nicht irgendein Riesling, sondern der ‚Kanzemer Altenberg Alte Reben‘ aus dem Weingut van Volxem an der Saar. Nicht umsonst sagt man ja, man solle Wein mit regional verankerten Produkten kombinieren, und die Wälder zwischen Saar und Obermosel sind ein kleines Eldorado für passionierte Jäger, was man umgekehrt vom Odenwald für Weinfreaks nicht behaupten kann. Und um der Menge des Fleisches gerecht zu werden, ergab sich ein perfekter Zeitpunkt einer kleinen Vertikale, nämlich der Jahrgänge 2004, 2005 und 2006.

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Kommen und Gehen

Januar 28, 2010

Eintracht Frankfurt steht seit der Ära Heribert Bruchhagen bekanntlich für Konstanz und Mittelmaß, ganz im Gegensatz zur launischen Diva aus früheren Zeiten. Jeder Cent wird mindestens zweimal umgedreht, eine Verschuldung im Ausmaß ambitionierter Ligakonkurrenten wird es in der Finanzmetropole nicht geben. Am letzten Wochenende stand in Nürnberg mit Spielern wie Nikolov, Ochs, Preuß, Köhler oder Meier die halbe Zweitligamannschaft von vor 5 Jahren auf dem Platz, und das erfolgreich. Weitere Leistungsträger wie Chris, Amanatidis, Spycher oder Russ tragen seit mindestens vier Jahren den Adler auf der Brust oder gar die Kapitänsbinde. Potentielle Verstärkungen wie Lincoln oder Gekas konnte oder wollte sich die Eintracht nicht leisten, wie der erfolgshungrige Michael Skibbe schon bald frustriert feststellen musste. Auch eine basarhafte Feilscherei wie im Falle des algerischen Stürmers Djebbour machte die Eintracht nicht mit. Doch jetzt am Ende der Wintertransferzeit kommt doch noch Bewegung in die heile schwarz-weiße Welt, überhaupt „nichts scheint mehr zementiert“.

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Gralshüter

Dezember 25, 2009

Nach seinem im wahrsten Sinne des Wortes glanzvollen Auftritt am gestrigen Heiligen Abend fungiert der Weihnachtsbaum ab sofort als „Gralshüter“ über den Riedel-Zalto-Schrank.

six-to-nine wünscht all seinen Lesern und Besuchern weiterhin genussvolle Stunden während der Festtage und einen Guten Rutsch mit manch aufregendem Weinerlebnis im Neuen Jahr. Für das fußballerische Highlight sorgt dann meine Squadra Azzurra bei ihrem Unternehmen Titelverteidigung in Südafrika.

Nein, hier geht’s nicht um DRC vs Leroy oder Becker vs Gantenbein, hier geht’s um Riedel vs Zalto, um das beste Pinot-Glas, aus aktuellem Anlass. Der Stern nämlich stellte die „Frage der richtigen Gläser“ . Normalerweise halte ich von solchen Tests wenig bis nichts, vor allem wenn ein sensationslüsternes Magazin wie der Stern daran beteiligt ist. Das Set-up wirkte dennoch professionell, in 2 Durchgängen werteten sowohl eine Laien- als auch Fachjury, jeweils mit Augenbinden und Handschuhen ausgerüstet. Und vor allem hat bei der Fachjury in allen 3 Kategorien (!) das entsprechende Glas von Zalto gewonnen, also kann der Test nicht so verkehrt gewesen sein. Nicht umsonst bin ich seit vielen Jahren überzeugter Zaltojünger, schon vor knapp 3 Jahren hat mein Alter Ego auf Traubing eine Lanze dafür gebrochen

Oder gab’s vielleicht doch Mängel?

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Punktewahnsinn (10)

November 19, 2009

Seit Mittwoch ist die neue Ausgabe des führenden deutschen Weinführers Gault Millau nun auch offiziell im Handel, nachdem sein vereinzeltes Erscheinen letzte Woche einiges an Irritationen ausgelöst hat. Als bester deutscher Riesling wird dort das ‚Kirchenstück‘ von Bürklin-Wolf geführt, der mit 96 Punkten am Prädikat Weltklasse kratzt. Auch einige geschätzte Weinfreunde sahen diesen Wein an der Jahrgangsspitze. Erstaunlicherweise erhält der gleiche Wein im zweitwichtigsten Weinführer des Landes gerademal 89 Punkte, genauso viel oder wenig wie beim führenden Online-Portal wein-plus, der Feinschmecker meint zu Bürklin-Wolf gar „mehr als durchschnittliche Qualitäten bieten die 2008er Weine nicht“. Ich selbst sah Bürklin-Wolfs ‚Kirchenstück‘ in diesem Jahr bei 91+, und damit schwächer als im Vorjahr vor allem aufgrund der heuer zu deutlich wahrnehmbaren Restsüße.

Wer hat nun recht oder unrecht?

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Weinkenner unter sich

November 10, 2009

Neulich zum Late Night Dinner bei Freunden nach Puccinis Turandot live aus der Met: nachdem über Maria Guleghina (outstandig) und Marcello Giordani (na ja, ich habe Calàf schon besser gehört) alles gesagt war, kam das Gespräch wieder einmal auf den Wein, immerhin hatten wir einige Flaschen zum Probieren mitgebracht. Bei der folgenden Konversation meiner Tischnachbarn hielt ich mich jedoch vornehm zurück.

Weinkenner 1 (Zahnarzt, ganz offensichtlich nicht immer überzeugt von der Weinauswahl seiner Gastgeber): Weinkenner Selinger„… zuletzt hab‘ ich bei Freunden meinen eigenen Wein mitgenommen.“
Weinkenner 2 (Anwalt, hellhörig): „Rot oder Weiß?“
WK 1: „Ein roter Spanier war’s, so zwischen 20,- und 30,- €. Der war natürlich viel besser.“
WK 2: „Was war’s denn für einer?“
WK 1: „Weiß ich gar nicht mehr, auf alle Fälle ein reinsortiger.“
WK 2: „Sicher ein Sangiovese!“

(Andy Möller war’s diesmal nicht.)

Bildquelle: Thomas Selinger

Keine Sorge, das wird kein ganz persönliches Klagelied eines Österreichers in Deutschland. Vielmehr fühle ich Mitleid mit hierzulande immer bekannter werdenden balltretenden Landsleuten, deren Leistungen in der Heimat nicht wirklich anerkannt werden.

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