Quo vadis Großes Gewächs?

September 1, 2010

Der Traubenadler feiert Geburtstag, immerhin 100 Jahre wird er alt. Zeit also, Bilanz zu ziehen, und was bietet sich dafür mehr an als eine Leistungsschau des Aushängeschilds des VDP, der „Großen Gewächse“ aus dem mit viel Vorschusslorbeeren bedachten Jahrgang 2009. Diese wurden im Rahmen der Vorpremiere letzte Woche in bekannt professioneller Manier präsentiert. Der VDP selbst spricht von einem überragenden Jahrgang mit optimalen Reifeverlauf, solange, bis er es am Ende selbst noch glaubt, zum Jubiläum darf man sich schließlich etwas wünschen. Eine gewisse Skepsis war bei mir immer angebracht, kein Wunder bei historisch niedrigen Extrakt- und hohen ph-Werten und nach manchem Verkostungserlebnis zuvor.

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Wild Thing Altenberg

März 9, 2010

Da meldet sich Madame und sagt, wir hätten plötzlich 12 Kilo Wild von einem befreundeten Jäger aus dem Odenwald bekommen. Und da dieses frisch genossen am besten schmeckt, wurde der Menüplan um die Feiertage zwar etwas einseitig, aber sicher nicht schlechter. Beim dazu getrunkenen Wein sollte jedoch die Vielfalt erhalten bleiben, was trinkt man also zu einem großen Stück Rehrücken? Burgund? Bordeaux? Syrah von der Rhone? Barolo? Oder gar Blaufränkisch? Nichts von alledem, die Wahl fiel auf Riesling! Und die Herausforderung Altenberg Vertikalewurde gar noch größer, als der besorgten Köchin ob der hungrigen Gästeschar der zarte Rehrücken zu knapp erschien und sie diesen kurzerhand gegen ungleich kräftigeres Schwarzwild austauschte. Freilich ohne den Sommelier im Haus zu informieren.

Nun war es war aber nicht irgendein Riesling, sondern der ‚Kanzemer Altenberg Alte Reben‘ aus dem Weingut van Volxem an der Saar. Nicht umsonst sagt man ja, man solle Wein mit regional verankerten Produkten kombinieren, und die Wälder zwischen Saar und Obermosel sind ein kleines Eldorado für passionierte Jäger, was man umgekehrt vom Odenwald für Weinfreaks nicht behaupten kann. Und um der Menge des Fleisches gerecht zu werden, ergab sich ein perfekter Zeitpunkt einer kleinen Vertikale, nämlich der Jahrgänge 2004, 2005 und 2006.

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Punktewahnsinn (10)

November 19, 2009

Seit Mittwoch ist die neue Ausgabe des führenden deutschen Weinführers Gault Millau nun auch offiziell im Handel, nachdem sein vereinzeltes Erscheinen letzte Woche einiges an Irritationen ausgelöst hat. Als bester deutscher Riesling wird dort das ‚Kirchenstück‘ von Bürklin-Wolf geführt, der mit 96 Punkten am Prädikat Weltklasse kratzt. Auch einige geschätzte Weinfreunde sahen diesen Wein an der Jahrgangsspitze. Erstaunlicherweise erhält der gleiche Wein im zweitwichtigsten Weinführer des Landes gerademal 89 Punkte, genauso viel oder wenig wie beim führenden Online-Portal wein-plus, der Feinschmecker meint zu Bürklin-Wolf gar „mehr als durchschnittliche Qualitäten bieten die 2008er Weine nicht“. Ich selbst sah Bürklin-Wolfs ‚Kirchenstück‘ in diesem Jahr bei 91+, und damit schwächer als im Vorjahr vor allem aufgrund der heuer zu deutlich wahrnehmbaren Restsüße.

Wer hat nun recht oder unrecht?

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Pfälzer Jugendstil

September 9, 2009

Weingut DeinhardEine meiner Entdeckungen der diesjährigen Gutswein in Berlin war das Weingut von Winning aus der Pfalz. „Von Winning?“ – noch nie gehört, ein neuer Stern am deutschen Weinhimmel? Weit gefehlt, dahinter verbirgt sich das alteingesessene Weingut Dr. Deinhard in Deidesheim. Dieses gelangte im letzten Jahr nach von Buhl und Bassermann-Jordan als letztes im Bunde der großen Drei aus Deidesheim in den Besitz des Pfälzer „self-made-man’s“ Achim Niederberger, der sich einst mit Bandenwerbung in Fußballstadien einen Namen machte.

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Zeitlose Wollust

Juni 27, 2009

Man kann natürlich Weine beurteilen, ohne sie zu kennen. Und sie technisch-analytisch mit beliebigen anderen Weinen vergleichen oder an einem wie auch immer definierten Idealwein messen. Man kann das Ganze auch anders angehen, wie ich es bei einer Art Leistungsschau einiger Spitzenrieslinge aus Deutschland und Österreich aus dem umstrittenen Jahrgang 2003 versucht habe. Bei unserem Event „2003er Rieslinge auf dem Prüfstand“ ging es mir gar nicht um den Vergleich, wer letztendlich der beste ist, sondern wer es unter extrem schwierigen Voraussetzungen schafft, dennoch authentische, jahrgangs- und herkunftstypische Weine mit Trinkspaß zu erzeugen. Ohne die in allen Fällen unzweifelhaft große Herkunft und den heißen Jahrgang 2003 zu verleugnen.

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Reinhard Löwenstein und Conny präsentierten vorletztes Wochenende den aktuellen Jahrgang. 2007 wohlgemerkt. Die komplette Serie war begeisternd wie immer, was sag‘ ich, es ist die durchgängig beste Kollektion, die Reinhard jemals auf die Flasche gebracht hat. Groß sind der wie immer subtile ‚Uhlen Laubach‚ (94), ein Montrachet von der Terrassenmosel, und der kompakte ‚Uhlen Rothlay‚ (94+), flüssig-mineralisches Rhabarber-Quittengelée vom stolzenbergfeinsten. Besonders angetan hat es mir diesmal aber ein anderer Wein, ein Wein, der polarisieren wird, der so etwas wie das schwarze Schaf der famosen Kollektion darstellt: der ‚Stolzenberg‚! Schon 2005 war dieser damals zu Unrecht unterschätzte Wein einer meiner Jahrgangsfavoriten, 2006 fiel er den Witterungsverhältnissen zum Opfer, um 2007 wieder zu kommen, mit eigenem, anderem und damit unverwechselbaren Profil. Ein Profil, das Reinhard beiden Weinen von Hatzenport erst nach und nach angedeihen ließ.

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Runder Jahrgang

Oktober 22, 2007

Etikett Nussberg Ried Preussen 2006Einen runden Geburtstag feiert man gern mit guten Freunden und einem gleichaltrigen Wein. Was aber tun, wenn ausgerechnet dieser Jahrgang als Totalausfall für gute und haltbare Weine gilt, und zwar weltweit? Vielleicht mit Ausnahme von manchem Port oder Tokaji, die freilich nicht das Wahre für jemanden, der nicht als eingefleischter Fan von Süßweinen gilt, sind. Man liest an diesem Jubeltag seinen eigenen Wein, gewachsen auf heimatlichem Boden!

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