Blaufränkisch – eine große Rebsorte

Juni 11, 2008

Als vor ca. 5 Jahren Roland Velich mir gegenüber selbstbewusst von Blaufränkisch als große Rebsorte sprach, schob ich das noch einem übertriebenen Patriotismus zu, ähnlich dem der alpenländischen Hoffnungen auf einen Erfolg bei der gerade stattfindenden EM. Seine Moric-Weine freilich überzeugten mich von Beginn an, vielleicht mit Ausnahme des schwierigen Jahrgangs 2005. Ähnlich argumentierte kein Geringerer als Dirk van der Niepoort, der vor knapp 2 Jahren Blaufränkisch mit Pinot Noir verglich, und ich danach die Leichtigkeit des Blaufränkisch‘ entdeckte. Diese Stilistik fand in den letzten Jahren immer mehr Nachahmer und seinen vorläufigen Höhepunkt in einer gemeinsamen Präsentation herkunftsbezogener Weine vor knapp zwei Wochen in der Wiener Hofburg: 17 Weingüter stellten 17 verschiedene Blaufränkisch-Lagen vor, wobei jeweils Fassproben aus 2007 gezeigt wurden.

Geradezu bezeichnend ist es, dass in dieser Gruppierung nur 3 Betriebe aus dem Mittelburgenland alias „Blaufränkisch-Land“ dabei sind, andererseits viele Weine von den mineralischen Böden im Norden und Westen des Neusiedlersees abstammen. Das ist nicht weiter verwunderlich, waren die vorgestellten Exemplare mehrheitlich diskret und seriös statt vordergründig beeindruckend, zeitgeistige Fruchtmonster, von der heimischen Presse lange genug hochgejubelt, die meist zu beliebigen und uniformen Weinen führten, sucht man vergeblich. Dazu passt, dass ausgerechnet einer aus Robert Parkers Team, sonst eher voluminösen und konzentrierten Weinen zugetan, nämlich David Schildknecht einige einführende Worte sprach.

Es wäre nicht fair, die Weine einzeln zu bewerten, schon gar nicht in deren unfertigem Stadium. Es war eine Veranstaltung auf höchstem Niveau, wo 17 ähnlich vorbildhaft im Weingarten und Keller arbeitende Betriebe ihre ganz persönliche Interpretation von Blaufränkisch als Terroirwein präsentieren konnten. Die für mich schönsten Weine müssen nicht die größten sein, es sind diejenigen, die sehr präzise einen hohen Wiedererkennungswert schaffen, wo Wert auf die Herkunft und nicht auf Fruchtkonzentration gelegt wird, die auffordern, sich damit zu beschäftigen, den Winzer zu hinterfragen.

Ich will versuchen, die präsentierten Gewächse in Gruppen einzuteilen. Da gab’s ausgesprochen burgundische Vertreter, wie den puristischen, kristallklaren ‚Jagini‚ aus einer neuen Kooperation von Hannes Schuster & Roland Velich, den ‚Neckenmarkter‚ von Moric, der von allem etwas mehr bot, oder Dorli Muhrs zurückhaltenden ‚Spitzerberg‚ mit seinen floralen, herbwürzigen Noten. Ähnlich floral und bekannt eigenständig ist auch der neue Jahrgang von Uwe Schiefer, dessen „einfacher“ und trotzdem hochmineralischer ‚Eisenberg‚ sich in diesem Saal nicht verstecken musste. 2007 scheint überhaupt ein großes Blaufränkischjahr zu sein, perfekt ausgereifte Trauben mit deutlicher Säure führten zu finessenreichen Weinen. Eher puristisch mit präziser Mineralität zeigte sich der einzige ungarische Vertreter, der ‚Spern Steiner‚ von Weninger-Pincèszet, ein Blaufränkisch von Schieferböden.

Im positiven Sinne schön mit hohem Trinkspaß, harmonisch, fruchtbetont ohne üppig zu wirken, zeigten sich der mittelburgenländische ‚hochberc‚ von Albert Gesellmann und eine Fassprobe – ich weiß nicht genau, um welchen Wein es sich handelte – von Reinhold Krutzler aus dem Südburgenland.

Eigenes Profil zeichnet die Vertreter der südlichen Ausläufer des Leithagebirges aus, allesamt sehr straight und transparent mit klarer Frucht, die jedoch vom Boden dominiert wird, Chapeau Silvia Prieler, Thomas Schwarz (‚Purbacher Eisner‚) und Michael Wenzel (‚Ruster Bandkräften‚). Der vielleicht eigenständigste Blaufränkisch im Saal war der ‚Windener Altenberg‚ aus einer neu zugekauften Lage von Gernot Heinrich (!), als wär’s ein Mix aus sizilianischem Nero und einer der großen Cuvées aus Südfrankreich mit seiner geballten mediterranen Aromatik.

Stilistisch weniger anfreunden kann ich mich mit dem (Breitenbrunner) ‚Leithaberg‚ von John Nittnaus, dessen parfümierte Nase gepaart mit einem männlich-herbwürzigem Abgang mir nicht zusagt oder auch dem kraftvollen und zugleich samtigen ‚Joiser Kirschgarten‚ von Pepi Umathum, sicher einer der größten Weine im Saal, wo aber (noch) kein Trinkspaß aufkommen will. Da ist mir der kompromisslose und trotzdem erstaunlich zugängliche ‚Weidener Buehl‚ von Claus Preisinger bedeutend lieber.

Auch Paul Achs ist auf gutem Weg, seinen an sich grandiosen ‚Ungerberg‚ endlich nicht mehr mit zuviel Holznoten zu maskieren, ähnlich wie Franz Weninger mit seinem seinen Paradewein ‚Dürrau‚, wo die seit 3 Jahren praktizierte Anwendung biodynamischer Prinzipien im Weingarten zu schmeckbar harmonischeren und vor allem trinkigeren Weinen führt. Beide Weine erwarte ich in den kommenden Jahrgängen noch präziser und balancierter. Wohin diese Arbeitsweise in letzter Konsequenz führt, zeigt der für mich schönste Wein im Saal, der ‚Schönberger Rot‚ von Günther Schönberger, der die konzentrierte Fruchtfülle in der Nase im Mund perfekt mit erdig-mineralischen Noten einfängt. Ein großer, heute schon komplexer und vor allem mehrheitsfähiger Blaufränkisch, der niemals seine Eigenständigkeit aufgibt.

Bildquelle: Andreas Durst

3 Responses to “Blaufränkisch – eine große Rebsorte”

  1. Stephan Says:

    Die Fassprobe vom Krutzler war sein Perwolff. Toller Artikel!


  2. […] Und there is more to come: merkt Euch Hannes Schuster mit seinen messerscharfen Zagersdorfer Weinen, u.a. auch ein Joint Venture namens M. Jagini mit Roland Velich. Genau dieser Wein ist bei vielen Weinfreunden bei der Erstvorstellung gnadenlos durchgefallen, ich weiß aber, dass David Schildknecht ihn genauso schätzt und versteht wie ich […]


  3. […] ein gewisser Neid auf das enorme Echo der Premieren-Veranstaltung „Blaufränkisch – Bekenntnis zu einer großen Rebsorte“ vor 2 Jahren war Auslöser ernsthafter Überlegungen einer Gruppe von Winzern, mit St. Laurent […]


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