Bei all der Diskussion um den nächsten Jahrgang in Deutschland vor allem auf taw, Captain Cork und Würtz-Wein – verlinkt ist jeweils der vorläufig letzte von mehreren Einträgen -, deren Bogen sich vom „A….jahr“ (© Manfred Klimek alias Captain Cork) bis zu „große Weine“ spannt, und die wie jedes Jahr viel zu früh einsetzt und den Bemühungen der Winzer nicht gerecht wird, gefällt mir diese Bemerkung von Roman Niewodniczansky (Weingut van Volxem) am besten:

„… in der Zeit um 1900, als ein Teil der deutschen Weissweine so begehrt war, dass sie oftmals die höchsten Preise auf der ganzen Welt erzielten, wäre 2010 insbesondere an Mosel, Saar und Ruwer womöglich als richtig gutes Jahr angesehen worden: hohe Mostgewichte, die es den Topwinzern ermöglichten, wieder einmal auf die Anreichung verzichten und lebendige Säuren für langlebige Weine. Das ergab damals hohe Preise – richtig hohe Preise! Höher, als die von Yquem, Petrus, Lafite, Mouton & Co. …“

In diesem Sinne, zeigt es den Schwarzmalern!

Wein trifft Kunst in Berlin

September 10, 2010

Es war schon ein besonderes Wagnis, als sich der VDP anlässlich seines 100-jährigen Bestehens dazu entschloss, die sogenannte Gutswein, an der er seine „Großen Gewächse“ traditionsgemäß erstmalig der Öffentlichkeit präsentiert, durch einen Rundgang durch Berlins Galerienszene, an diesem Tag aufgewertet durch die Anwesenheit der besten Winzer und Weine des Landes, zu ersetzen. Wie wird das Wetter am Sonntag, nachdem am Samstag-Nachmittag entgegen der Prognose Regen einsetzte? Wie wird das Event in der Wein- und Kunstszene und Berliner Bevölkerung angenommen, nachdem die lokale Presse zum Teil in Sonderbeilagen auf das kommende Ereignis hinwies? Nun, 5 Tage später darf das das Experiment als mehr als gelungen bezeichnet werden. Wein als Kulturgut bedeutet in erster Linie Genuss. Wie eben auch die Auseinandersetzung mit Kunst. Und dient gleichzeitig als Anknüpfungspunkt für spannende Gespräche. Keineswegs aber eine Zurschaustellung, die nur darauf wartet, bejubelt oder abgecancelt zu werden. Ich habe zumindest keine selbsternannten Kritiker gesehen, die die ausgestellten Kunstwerke mit Schulnoten bewertet haben.

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Quo vadis Großes Gewächs?

September 1, 2010

Der Traubenadler feiert Geburtstag, immerhin 100 Jahre wird er alt. Zeit also, Bilanz zu ziehen, und was bietet sich dafür mehr an als eine Leistungsschau des Aushängeschilds des VDP, der „Großen Gewächse“ aus dem mit viel Vorschusslorbeeren bedachten Jahrgang 2009. Diese wurden im Rahmen der Vorpremiere letzte Woche in bekannt professioneller Manier präsentiert. Der VDP selbst spricht von einem überragenden Jahrgang mit optimalen Reifeverlauf, solange, bis er es am Ende selbst noch glaubt, zum Jubiläum darf man sich schließlich etwas wünschen. Eine gewisse Skepsis war bei mir immer angebracht, kein Wunder bei historisch niedrigen Extrakt- und hohen ph-Werten und nach manchem Verkostungserlebnis zuvor.

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Wie gut oder wie schlecht reift St. Laurent, und was sind dessen Zukunftsperspektiven, darüber sollten die letzten beiden Flights des St. Laurent Dinners im Schwarzen Kameel Klarheit schaffen.

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Hier also die ersten, längst überfälligen Randnotizen des als offizielle Initialzündung des „St. Laurent Think Tank“ gedachten Dinners im Schwarzen Kameel am Vorabend zur VieVinum. In der Bel Etage dieser Wiener Institution für Leib‘ und Seel‘ trafen einander 9 Winzer mit einer kleinen Anzahl ausgewählter Weinfreunde, fachfraulich und mit letztem Engagement moderiert von Julia Sevenich. Jeder Winzer brachte 2 Weine (aktuell und gereift) ein, um zum einen Bandbreite und Potenzial zu zeigen, zum anderen die Identität des St. Laurents auf dem Weg zur eigenständigen Spitzensorte herauszuarbeiten. Die Weine wurden in einem 2er und 4 4er Flights blind verkostet, gereicht wurden diese zu einem hervorragenden 4-Gang-Menü aus einer der besten Küchen Wiens, die auch nach dem plötzlichen Weggang von Christian Domschütz keinerlei Schwächen offenbarte.

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Überrascht waren wir im ersten Moment schon, als Axel Stiegelmar den Begriff „Hippie-Grape“ als Synonym zu St. Laurent in die illustre Runde internationaler Weinexperten warf. Dabei trifft er damit gleich in zweierlei Hinsicht ins Schwarze. Zum einen ist zwar die Mutter des St. Laurent bekannt, nämlich Pinot noir, nicht aber der die Rebsorte dominierende Vater. Zum anderen ist es seine sehr spezielle Aromatik wilder Beeren wie Wacholder, Heidelbeeren oder Wildkirschen gepaart mit würzig-floralen Aromen ganz im Sinne der 68er Flower-Power Generation, die St. Laurent so spannend macht. Michael Moosbrugger spricht von Österreichs Antwort auf Syrah – würzige und pfeffrige Aromen vereinen sich mit der Eleganz und Finesse des Pinot noir. Eine Beschreibung, die freilich auch für viele Blaufränkische der neuen Generation gültig ist. Ich selbst schuf hier die Assoziation zu einer Art cool-climate-Ausgabe eines Zinfandel-basierten field-blends, freilich mit mehr Säure und weniger Alkohol und Tannin. In jedem Fall ein avantgardistischer Wein für Intellektuelle, der definitiv das Zeug zur 2. großen roten Rebsorte in Österreich hat. Genau das ist der Anspruch des sogenannten „St. Laurent Think Tank“ um Gerhard Pittnauer, Axel Stiegelmar und Hannes Reinisch.

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Sideways – Hello Again

April 18, 2010

Zeit wird’s, mein Blog nach anderweitig sehr intensiven Wochen aus dem Winterschlaf zu wecken und auch endlich wieder einmal an unserer Weinrallye teilzunehmen. Vor allem, Weinrallyewenn es um Pinot geht, so lautet nämlich das Thema der diesmal von Iris Rutz Rudel ausgerufenen Etappe. Ausnahmsweise will ich aber nicht über Weine berichten, die ich getrunken habe, sondern über solche, die ich trinken werde. Und zwar im Juli im Wine Country westlich von Santa Barbara, quasi auf den Spuren von Sideways.

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Wild Thing Altenberg

März 9, 2010

Da meldet sich Madame und sagt, wir hätten plötzlich 12 Kilo Wild von einem befreundeten Jäger aus dem Odenwald bekommen. Und da dieses frisch genossen am besten schmeckt, wurde der Menüplan um die Feiertage zwar etwas einseitig, aber sicher nicht schlechter. Beim dazu getrunkenen Wein sollte jedoch die Vielfalt erhalten bleiben, was trinkt man also zu einem großen Stück Rehrücken? Burgund? Bordeaux? Syrah von der Rhone? Barolo? Oder gar Blaufränkisch? Nichts von alledem, die Wahl fiel auf Riesling! Und die Herausforderung Altenberg Vertikalewurde gar noch größer, als der besorgten Köchin ob der hungrigen Gästeschar der zarte Rehrücken zu knapp erschien und sie diesen kurzerhand gegen ungleich kräftigeres Schwarzwild austauschte. Freilich ohne den Sommelier im Haus zu informieren.

Nun war es war aber nicht irgendein Riesling, sondern der ‚Kanzemer Altenberg Alte Reben‘ aus dem Weingut van Volxem an der Saar. Nicht umsonst sagt man ja, man solle Wein mit regional verankerten Produkten kombinieren, und die Wälder zwischen Saar und Obermosel sind ein kleines Eldorado für passionierte Jäger, was man umgekehrt vom Odenwald für Weinfreaks nicht behaupten kann. Und um der Menge des Fleisches gerecht zu werden, ergab sich ein perfekter Zeitpunkt einer kleinen Vertikale, nämlich der Jahrgänge 2004, 2005 und 2006.

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Nein, hier geht’s nicht um DRC vs Leroy oder Becker vs Gantenbein, hier geht’s um Riedel vs Zalto, um das beste Pinot-Glas, aus aktuellem Anlass. Der Stern nämlich stellte die „Frage der richtigen Gläser“ . Normalerweise halte ich von solchen Tests wenig bis nichts, vor allem wenn ein sensationslüsternes Magazin wie der Stern daran beteiligt ist. Das Set-up wirkte dennoch professionell, in 2 Durchgängen werteten sowohl eine Laien- als auch Fachjury, jeweils mit Augenbinden und Handschuhen ausgerüstet. Und vor allem hat bei der Fachjury in allen 3 Kategorien (!) das entsprechende Glas von Zalto gewonnen, also kann der Test nicht so verkehrt gewesen sein. Nicht umsonst bin ich seit vielen Jahren überzeugter Zaltojünger, schon vor knapp 3 Jahren hat mein Alter Ego auf Traubing eine Lanze dafür gebrochen

Oder gab’s vielleicht doch Mängel?

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Punktewahnsinn (10)

November 19, 2009

Seit Mittwoch ist die neue Ausgabe des führenden deutschen Weinführers Gault Millau nun auch offiziell im Handel, nachdem sein vereinzeltes Erscheinen letzte Woche einiges an Irritationen ausgelöst hat. Als bester deutscher Riesling wird dort das ‚Kirchenstück‘ von Bürklin-Wolf geführt, der mit 96 Punkten am Prädikat Weltklasse kratzt. Auch einige geschätzte Weinfreunde sahen diesen Wein an der Jahrgangsspitze. Erstaunlicherweise erhält der gleiche Wein im zweitwichtigsten Weinführer des Landes gerademal 89 Punkte, genauso viel oder wenig wie beim führenden Online-Portal wein-plus, der Feinschmecker meint zu Bürklin-Wolf gar „mehr als durchschnittliche Qualitäten bieten die 2008er Weine nicht“. Ich selbst sah Bürklin-Wolfs ‚Kirchenstück‘ in diesem Jahr bei 91+, und damit schwächer als im Vorjahr vor allem aufgrund der heuer zu deutlich wahrnehmbaren Restsüße.

Wer hat nun recht oder unrecht?

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