Quo vadis Großes Gewächs?

September 1, 2010

Der Traubenadler feiert Geburtstag, immerhin 100 Jahre wird er alt. Zeit also, Bilanz zu ziehen, und was bietet sich dafür mehr an als eine Leistungsschau des Aushängeschilds des VDP, der „Großen Gewächse“ aus dem mit viel Vorschusslorbeeren bedachten Jahrgang 2009. Diese wurden im Rahmen der Vorpremiere letzte Woche in bekannt professioneller Manier präsentiert. Der VDP selbst spricht von einem überragenden Jahrgang mit optimalen Reifeverlauf, solange, bis er es am Ende selbst noch glaubt, zum Jubiläum darf man sich schließlich etwas wünschen. Eine gewisse Skepsis war bei mir immer angebracht, kein Wunder bei historisch niedrigen Extrakt- und hohen ph-Werten und nach manchem Verkostungserlebnis zuvor.

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Wie gut oder wie schlecht reift St. Laurent, und was sind dessen Zukunftsperspektiven, darüber sollten die letzten beiden Flights des St. Laurent Dinners im Schwarzen Kameel Klarheit schaffen.

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Hier also die ersten, längst überfälligen Randnotizen des als offizielle Initialzündung des „St. Laurent Think Tank“ gedachten Dinners im Schwarzen Kameel am Vorabend zur VieVinum. In der Bel Etage dieser Wiener Institution für Leib‘ und Seel‘ trafen einander 9 Winzer mit einer kleinen Anzahl ausgewählter Weinfreunde, fachfraulich und mit letztem Engagement moderiert von Julia Sevenich. Jeder Winzer brachte 2 Weine (aktuell und gereift) ein, um zum einen Bandbreite und Potenzial zu zeigen, zum anderen die Identität des St. Laurents auf dem Weg zur eigenständigen Spitzensorte herauszuarbeiten. Die Weine wurden in einem 2er und 4 4er Flights blind verkostet, gereicht wurden diese zu einem hervorragenden 4-Gang-Menü aus einer der besten Küchen Wiens, die auch nach dem plötzlichen Weggang von Christian Domschütz keinerlei Schwächen offenbarte.

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Überrascht waren wir im ersten Moment schon, als Axel Stiegelmar den Begriff „Hippie-Grape“ als Synonym zu St. Laurent in die illustre Runde internationaler Weinexperten warf. Dabei trifft er damit gleich in zweierlei Hinsicht ins Schwarze. Zum einen ist zwar die Mutter des St. Laurent bekannt, nämlich Pinot noir, nicht aber der die Rebsorte dominierende Vater. Zum anderen ist es seine sehr spezielle Aromatik wilder Beeren wie Wacholder, Heidelbeeren oder Wildkirschen gepaart mit würzig-floralen Aromen ganz im Sinne der 68er Flower-Power Generation, die St. Laurent so spannend macht. Michael Moosbrugger spricht von Österreichs Antwort auf Syrah – würzige und pfeffrige Aromen vereinen sich mit der Eleganz und Finesse des Pinot noir. Eine Beschreibung, die freilich auch für viele Blaufränkische der neuen Generation gültig ist. Ich selbst schuf hier die Assoziation zu einer Art cool-climate-Ausgabe eines Zinfandel-basierten field-blends, freilich mit mehr Säure und weniger Alkohol und Tannin. In jedem Fall ein avantgardistischer Wein für Intellektuelle, der definitiv das Zeug zur 2. großen roten Rebsorte in Österreich hat. Genau das ist der Anspruch des sogenannten „St. Laurent Think Tank“ um Gerhard Pittnauer, Axel Stiegelmar und Hannes Reinisch.

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Sideways – Hello Again

April 18, 2010

Zeit wird’s, mein Blog nach anderweitig sehr intensiven Wochen aus dem Winterschlaf zu wecken und auch endlich wieder einmal an unserer Weinrallye teilzunehmen. Vor allem, Weinrallyewenn es um Pinot geht, so lautet nämlich das Thema der diesmal von Iris Rutz Rudel ausgerufenen Etappe. Ausnahmsweise will ich aber nicht über Weine berichten, die ich getrunken habe, sondern über solche, die ich trinken werde. Und zwar im Juli im Wine Country westlich von Santa Barbara, quasi auf den Spuren von Sideways.

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Wild Thing Altenberg

März 9, 2010

Da meldet sich Madame und sagt, wir hätten plötzlich 12 Kilo Wild von einem befreundeten Jäger aus dem Odenwald bekommen. Und da dieses frisch genossen am besten schmeckt, wurde der Menüplan um die Feiertage zwar etwas einseitig, aber sicher nicht schlechter. Beim dazu getrunkenen Wein sollte jedoch die Vielfalt erhalten bleiben, was trinkt man also zu einem großen Stück Rehrücken? Burgund? Bordeaux? Syrah von der Rhone? Barolo? Oder gar Blaufränkisch? Nichts von alledem, die Wahl fiel auf Riesling! Und die Herausforderung Altenberg Vertikalewurde gar noch größer, als der besorgten Köchin ob der hungrigen Gästeschar der zarte Rehrücken zu knapp erschien und sie diesen kurzerhand gegen ungleich kräftigeres Schwarzwild austauschte. Freilich ohne den Sommelier im Haus zu informieren.

Nun war es war aber nicht irgendein Riesling, sondern der ‚Kanzemer Altenberg Alte Reben‘ aus dem Weingut van Volxem an der Saar. Nicht umsonst sagt man ja, man solle Wein mit regional verankerten Produkten kombinieren, und die Wälder zwischen Saar und Obermosel sind ein kleines Eldorado für passionierte Jäger, was man umgekehrt vom Odenwald für Weinfreaks nicht behaupten kann. Und um der Menge des Fleisches gerecht zu werden, ergab sich ein perfekter Zeitpunkt einer kleinen Vertikale, nämlich der Jahrgänge 2004, 2005 und 2006.

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Pfälzer Jugendstil

September 9, 2009

Weingut DeinhardEine meiner Entdeckungen der diesjährigen Gutswein in Berlin war das Weingut von Winning aus der Pfalz. „Von Winning?“ – noch nie gehört, ein neuer Stern am deutschen Weinhimmel? Weit gefehlt, dahinter verbirgt sich das alteingesessene Weingut Dr. Deinhard in Deidesheim. Dieses gelangte im letzten Jahr nach von Buhl und Bassermann-Jordan als letztes im Bunde der großen Drei aus Deidesheim in den Besitz des Pfälzer „self-made-man’s“ Achim Niederberger, der sich einst mit Bandenwerbung in Fußballstadien einen Namen machte.

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Reinhard Löwenstein und Conny präsentierten vorletztes Wochenende den aktuellen Jahrgang. 2007 wohlgemerkt. Die komplette Serie war begeisternd wie immer, was sag‘ ich, es ist die durchgängig beste Kollektion, die Reinhard jemals auf die Flasche gebracht hat. Groß sind der wie immer subtile ‚Uhlen Laubach‚ (94), ein Montrachet von der Terrassenmosel, und der kompakte ‚Uhlen Rothlay‚ (94+), flüssig-mineralisches Rhabarber-Quittengelée vom stolzenbergfeinsten. Besonders angetan hat es mir diesmal aber ein anderer Wein, ein Wein, der polarisieren wird, der so etwas wie das schwarze Schaf der famosen Kollektion darstellt: der ‚Stolzenberg‚! Schon 2005 war dieser damals zu Unrecht unterschätzte Wein einer meiner Jahrgangsfavoriten, 2006 fiel er den Witterungsverhältnissen zum Opfer, um 2007 wieder zu kommen, mit eigenem, anderem und damit unverwechselbaren Profil. Ein Profil, das Reinhard beiden Weinen von Hatzenport erst nach und nach angedeihen ließ.

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Der Oggau-Clan

April 1, 2009

Originaltitel: Gut Oggau (Wimmer)
Animation, Burgenland 2007, FSK 18 (ausgen. Frankreich und Dunstkreis Sabine Bätzing – Vorsicht Suchtgefahr)

DARSTELLER: Bertholdi (Blaufränkisch ‚Eisner‘), Mechtild (Grüner Veltliner); Timotheus (WB / GV), Emmeram (GT), Joschuari (BF / CS / ME), Wiltrude (sweet dreams); Theodora, Winifred, Atanasius
gruppenfoto1REGIE: Eduard Tscheppe und Stephanie Tscheppe-Eselböck, mit freundlicher Unterstützung von Frank John
AUTOR: Eduard Tscheppe und Stephanie Tscheppe-Eselböck
MUSIK: nach Lust und Laune
KAMERA: traditionell Schwarz-Weiß, wie gemalt
KATEGORIE: demeter, einzigartig
PRÄDIKAT: besonders wertvoll

Ist das die Antwort auf den Winzerkönig aus dem benachbarten Rust? Ähnlich wie es damals die Riposte aus Denver nach Dallas war ? Kommt hier die nächste Soap-Opera vom Neusiedlersee um Wein, Weib und Betrug auf uns zu? Eine wahrlich schräge Serie voller Intrigen und Affären erwartet uns.

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Blaufränkisch vs Lemberger, reizvoll und doch langweilig zugleich, noch immer gingen die Burgenländer bei solchen Vergleichen Blaufränkisch und Lemberger 0902als Sieger hervor, auch ohne „AuWi„-Doping. Auch deshalb war ich gegen eine weitere Auflage einer solchen Blindprobe eines befreundeten Weinhändlers, vielmehr interessierte mich der eine oder andere ausgewählte Vertreter aus Deutschland im kritischen und nachhaltigen Vergleich mit einem Referenzwein aus Österreich. Letztendlich verkosteten wir aus Baden eine Vertikale (05, 06, 07) des ‚Lemberger‘ von Zalwander und den ‚Thymos‘ von Alexander Laible aus Baden, aus Burgenland den burgundischen ‚Neckenmarkter‘ von Moric und den bordeauxhaften ‚Oberer Wald‘ von ET, jeweils aus 2006.

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